Aus dem ETF Magazin: "Glänzende Perspektiven"
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19. Mai 2026. MÜNCHEN (ETF Magazin). Draußen in der Welt lässt US-Präsident Trump keinen Stein auf dem anderen. Doch hier, auf der Rohstoffkonferenz VRIC in Vancouver, ist die Stimmung entspannt. „Es gibt keinen besseren Werbebotschafter für Edelmetalle als Trump“, erklärt der Chef einer Goldmine. Er spricht aus, was viele in der Branche denken. Tatsächlich kletterte der Goldpreis schneller als selbst eingefleischte Gold-Bullen gedacht hätten. Innerhalb der vergangenen zwölf Monate legte der Preis des Edelmetalls um mehr als 80 Prozent zu. Der Silberpreis schoss sogar um 200 Prozent nach oben. Einiges spricht dafür, dass dieser Aufwärtstrend noch nicht am Ende angekommen ist.
Mit den richtigen Branchen-ETFs können Anleger davon überproportional profitieren. Denn noch mehr als mit den Edelmetallen selbst, läßt sich häufig mit den Aktien der Minengesellschaften verdienen. Meist steigen deren Kurse stärker als die Preise der Metalle, weil bei steigenden Metallpreisen die Gewinnspannen der Produzenten immer größer werden. Das schöne daran: Nicht nur mit den Aktien der Goldproduzenten lassen sich prächtige Renditen einfahren. Ähnlich lukrativ dürften Investments in die Aktien von Kupfer- und Uranminen sein. Kupfer, Uran und andere Metalle werden für den weltweit anlaufenden und notwendigen Ausbau der Infrastruktur dringend und in immer größeren Mengen gebraucht, insbesondere im Bereich der Erneuerbaren Energie und der Stromversorgung. Der Energiehunger von Daten- und Rechenzentren gibt Impulse. Zudem scheint sich nahezu weltweit die Konjunktur zu stabilisieren und für weitere Nachfrageschübe zu sorgen.
Seit Herbst 2025 geben denn auch die Minenaktien richtig Gas. In den vergangenen sechs Monaten schoss der Kurs des Global X Copper Miners ETF um rund 100 Prozent nach oben. Der VanEck Global Mining ETF legte im gleichen Zeitraum um 80 Prozent zu. Doch das könnte erst der Anfang einer jahrelangen Aufwärtsbewegung sein. Zu Recht springen immer mehr Anleger auf den Bergbauaktienzug auf. Eine im Januar durchgeführte Auswertung von 450 000 Kundendepots des Onlinebrokers Flatex lässt „spürbare Umschichtungen“ in Rohstoff- und Minenaktien erkennen. „Gegenüber Januar 2025 liegt das investierte Volumen in Rohstofftiteln um rund 124 Prozent höher“, berichtet Flatex. Bislang war vor allem der Boom bei den Edelmetallen die treibende Kraft. Künftig könnten Industriemetalle und Uran die neuen Zugpferde sein.
Schon allein die sich erholende Weltwirtschaft treibt die Rohstoffnachfrage nach oben. Immer mehr Volkswirte erkennen eine robuste Konjunktur in den USA, aber auch in Europa. Tatsächlich kletterte der Einkaufsmanagerindex der Eurozone im Februar stärker als erwartet von 51,3 auf 51,9 Punkte. Insbesondere das deutsche verarbeitende Gewerbe zeigte positive Ansätze. Hier könnte der Sondereffekt „Sondervermögen“ mittelfristig weitere Impulse bringen. In den Vereinigten Staaten wuchs die Wirtschaft im vierten Quartal 2025 zwar nur um vergleichsweise magere 1,4 Prozent. Doch Sondereffekte wie der längste Shutdown der US-Bundesbehörden sowie Unsicherheiten bei Importeuren aufgrund neuer Zölle bremsten das Wachstum. Nachholeffekte sollten im ersten Halbjahr 2026 sichtbar werden.
Das Metall der Zukunft
Kupfer und Uran dürften die beiden Rohstoffe sein, die in den nächsten Monaten und Jahren besonders gefragt sind. Die Unternehmen im Kupferbergbau profitieren dabei auch noch von zusätzlichen Rückenwind. Diese Unterstützung ist bereits seit Jahren zu beobachten, nimmt jedoch jetzt richtig Fahrt auf: Kupferminen werden zu gefragten Übernahmezielen.
Hintergrund: Die großen Goldproduzenten verdienen bei den aktuellen Goldpreisen so gut wie nie zuvor, was sich auch an der hervorragenden Entwicklung ihrer Aktienkurse ablesen läßt. Goldminen-ETFs legten in den vergangenen zwölf Monaten um 150 Prozent und mehr zu. Die Großen der Goldbranche können es sich also aufgrund gut gefüllter Kassen leisten, bei Kupferminen und -projekten einzusteigen. Durch solche Zukäufe wollen sie ihre Produktbasis verbreitern und unabhängiger von den starken Schwankungen der Edelmetallpreise werden.
Ein Beispiel ist die Übernahme von Foran Mining durch Eldorado Gold für 2,8 Milliarden Dollar. Foran betreibt ein großes Industriemetallprojekt in der kanadischen Provinz Saskatchewan. Dort schlummern vor allem Kupfer und Zink. Die geplante Mine befindet sich in der Aufbauphase. Die kanadische Barrick Mining baut unterdessen in Pakistan das Reko Diq-Kupfer-projekt auf. Es ist eine der größten noch unentwickelten Kupfer-Gold-Lagerstätten der Erde. Das erste Material könnte im Verlauf 2028 gefördert werden und die Investitionen zum Aufbau dürften aus heutiger Sicht gut acht Milliarden Dollar betragen. Barrick ist an dem Projekt mit 50 Prozent beteiligt.
Riesiger Bedarf
Es ist leicht nachvollziehbar, warum die großen Minengesellschaften jetzt Kupfer im Rohstoffportfolio haben wollen: Die Nachfrage nach dem Metall mit dem nach Silber zweitbesten Stromleitungstalent wird immer größer, angeheizt durch Bevölkerungswachstum, Verstädterung und steigenden Strombedarf. Die Stromnetze in Europa und Nordamerika sind im Durchschnitt rund 45 beziehungsweise gut 35 Jahre alt. Neue Herausforderungen durch höheren Stromverbrauch durch Rechenzentren und künstliche Intelligenz sowie Elektromobilität und Strom aus erneuerbaren Energien verlangen eine durchgreifende Modernisierung und schnellen Netzausbau. Kupfer wird zudem nicht nur in der Stromleitung, sondern auch in Elektromotoren und Windturbinen verbaut.
Auch das Industriemetall Nickel profitiert vom Wirtschaftswachstum. 2030 werden schätzungsweise 3,6 Millionen Tonnen Nickel für rostfreien Stahl und andere Industrieanwendungen benötigt. 2021 waren es 2,5 Millionen Tonnen. Obendrauf dürften noch 1,5 Millionen Tonnen Nachfrage aus dem Batteriebereich kommen – fünfmal soviel wie vor fünf Jahren.
Der Bergbau kann mit der steigenden Nachfrage nicht mithalten. Eine schnelle Ausweitung der Förderung ist nicht möglich, trotz einiger aussichtsreicher Projekte wie Reko Diq. Doch es dauert in der Regel mehr als 15 Jahre bis zur ersten Produktion. Die Analysten der US-Großbank Goldman Sachs, bekannt für ihre Rohstoffexpertise, schätzen, dass 2030 ein Angebotsdefizit bei Kupfer von rund 3,2 Millionen Tonnen vorliegen dürfte. Eine neue Studie von S&P Global Market Intelligence zeigt eine Angebotslücke von zehn Millionen Tonnen im Jahr 2040 auf. Auch besseres Recycling kann dieses Riesenloch nicht stopfen.
Renaissance des Atomstroms
Kupfer ist unter anderem bei der Stromleitung wichtig. Uran gehört dagegen wieder vermehrt zum Energiemix dazu. Denn beim Übergang von der fossilen zur erneuerbaren Energie spielt auch der Atomstrom eine immer wichtigere Rolle. „Das Uran-Momentum ist zurück“ berichtet das Rohstoff-Investmenthaus Sprott. Es wird erwartet, dass der Bedarf an Reaktoruran allein in den USA von 47 Millionen Pound (je 454 Gramm) 2024 auf 194 Millionen Pound 2050 steigen wird. Der Uranbergbau sollte profitieren. Und ähnlich wie für Gold- und Kupferminen, gibt es auch für den Uran-Markt passende ETFs. Drei spannende ETFs für die Aktien aus den besprochenen Sektoren stellen wir im Folgenden vor. Wer künftig regelmäßig von Insider-Informationen und Top-Anlageempfehlungen im Rohstoff-Bereich profitieren will, sollte den neuen Rohstoff-Börsenbrief von FOCUS-MONEY lesen.
Von Johannes Heinritzi, März 2025, © ETF Magazin
Der Artikel stammt aus der aktuellen Ausgabe des ETF Magazins, dem Fachjournal für Profis und informierte Anleger*innen.
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