Kommentar
11:20 Uhr, 05.05.2026

Aus dem ETF Magazin: "Attraktive Zinsen"

Geldmarkt-ETFs sind die clevere Alternative zu Fest- und Tagesgeld. Bei ähnlicher oder höherer Flexibilität versprechen diese ETFs oft sogar auch bessere Renditen.

19. März 2026. MÜNCHEN (ETF Magazin). Die internationalen Kapitalmärkte sorgen in den letzten Monaten immer wieder für mächtig Spannung. Ehemals verlässliche Orientierungspunkt scheinen ausgedient zu haben. Als etwa US-Präsident Donald Trump im April 2025 seine Zolltarife verkündete, gingen Aktien- und Anleihemärkte gleichzeitig in den Keller. Wie oft hat es das zuvor gegeben? Unsicherheit und Volatilität werden wohl vorerst erhalten bleiben. Wer angesichts dieser Perspektiven vorübergehend Kapital parken will, findet bei Geldmarkt-ETFs eine passende Lösung. Sie erlauben täglichen Ein- und Ausstieg und bieten auch bei sehr großen Anlagebeträgen höhere Zinsen als Tages- oder Festgeld.

Wie ist das möglich?

Geldmarkt-ETFs orientieren sich – wie der Name vermuten lässt – an den Zinssätzen des Geldmarkts. Dieser dient vor allem dem kurzfristigen Liquiditätsausgleich zwischen Geschäftsbanken, aber neben ihnen treten am Geldmarkt auch Zentralbanken, andere Finanzinstitute, Staaten und große Unternehmen als Geldgeber oder -nehmer auf. Die Zinsen am Geldmarkt liegen regelmäßig nahe am aktuellen Leitzins der Zentralbank.

Geldmarkt-ETFs unterscheiden sich deshalb in einem wesentlichen Punkt von Tages- und Festgeld: Den Zins eines Tagesgeldkontos legt die Bank willkürlich fest und kann ihn täglich ändern. Oft liegen die Zinsen deutlich unter den Leitzinsen der Europäischen Zentralbank (EZB). Viele deutsche Banken zahlen auf Standard-Tagesgeld aktuell wesentlich weniger als zwei Prozent pro Jahr. Ähnlich sieht es beim Festgeld für drei oder sechs Monate aus. Allenfalls für Neukunden gibt es bei einigen Banken oder Discountbrokern zeitlich begrenzte Angebote mit Zinsen oberhalb von drei Prozent. Doch wer zum Einstieg einen hohen Zins bekommt, muss damit rechnen, im Lauf der Zeit auf einen niedrigeren Standardzins zurückgestuft zu werden.

Die Zinsen der Geldmarkt-ETFs entsprechen dagegen immer in etwa den Zinsen, die Banken für ihre Einlagenzins bei der Notenbank erhalten. Für den Euroraum hat die EZB den Einlagenzins aktuell auf zwei Prozent pro Jahr fixiert. Viele Geldmarkt-ETFs zahlen jedoch nicht exakt diesen Einlagenzins, sondern bilden die Euro Short-Term Rate ab. Die Euro Short-Term Rate (abgekürzt ESTR-ETFs oder €STR) ist ein täglich von der Europäischen Zentralbank berechneter Referenzzinssatz, der den durchschnittlichen Zins am europäischen Geldmarkt zeigt. Berechnet wird er mit Hilfe der Geldmarktgeschäfte der 50 größten europäischen Banken. Er gilt für Kredite, die nur bis zum nächsten Tag laufen, genauer gesagt für unbesicherte Übernacht‑Kredite in Euro zwischen Banken und anderen Finanzinstituten im Euroraum. Diese Kurzfristigkeit ist der Grund dafür, warum Geldmarkt-ETFs häufig den Begriff „Overnight“ im Namen haben.

Entscheidener Vorteil. Die Koppelung an die €STR ist kein Nachteil – im Gegenteil. Ende Februar lag die €STR bei 1,93 Prozent, also geringfügig unter dem Einlagenzins von zwei Prozent. In der Vergangenheit übertraf die €STR jedoch sehr oft den Einlagenzinssatz um einige Basispunkte. Viele Geldmarkt-ETFs schaffen es zudem, durch ausgefeilte Techniken regelmäßig Renditen oberhalb des €STR zu erwirtschaften.

Weil jedoch die Euro Short-Term Rate kein typischer Index ist, der sich aus konkreten Wertpapieren zusammensetzt, kann ein Geldmarkt-ETF ihn auch nicht nachbilden indem er in die Indextitel investiert. Die ETF-Anbieter wählen deshalb eine Ausweichroute um ans Ziel zu gelangen: Sie erstellen einen eigenen Index, der die Entwicklung des Zinssatzes widerspiegelt und sich täglich um die Höhe des tagesaktuellen Zinses ändert. Diesen Index bildet dann der Geldmarkt-ETF mit Hilfe einer synthetischen Replikation nach. Dazu hält der ETF den überwiegenden Teil seines Vermögens in Anleihen oder Aktien, und sichert sich zusätzlich die Indexrendite durch Wertpapier-Swaps mit einer oder mehrerer Investmentbanken.

Synthetische Replikation

Unter den synthetisch replizierenden Geldmarkt-ETFs ist der Xtrackers EUR Overnight Rate Swap ETF einer der ältesten und der mit Abstand größte. Aufgelegt im Mai 2007 ist der ETF der Deutsche-Bank-Tochter DWS auf mittlerweile knapp 19 Milliarden Euro angewachsen. Über fünf Jahre schaffte er eine Rendite von 1,8 Prozent pro Jahr, über drei Jahre sogar 3,1 Prozent. Damit hat sich der ETF über weite Strecken besser als der Geldmarkt entwickelt. Mit seiner Gesamtkostenquote (TER) von 0,10 Prozent pro Jahr liegt der Xtrackers ETF auf dem Niveau der meisten Geldmarkt-ETFs.

Der Amundi Smart Overnight Return ETF ist eine smarte Alternative zum DWS-Schwergewicht. Auch Amundi verwendet Swaps bei diesem Geldmarkt-ETF. Während jedoch im Sicherungsportfolio des Xtrackers-Geldmarkt-ETFs festverzinsliche Wertpapiere liegen, arbeitet Amundi mit einem Aktienkorb. Das eröffnet die Chance auf kleine Zusatzerträge. Hintergrund ist die Tatsache, dass Banken aufgrund regulatorischer Vorgaben Aktien mit höheren Eigenmitteln hinterlegen müssen als festverzinsliche Wertpapiere. Wenn jetzt eine Bank als Swap-Partner einen Teil ihrer Aktien für das ETF-Portfolio auslagert, kann sie ihre Eigenkapitalauslastung optimieren und diesen Vorteil teilweise über bessere Konditionen an den ETF weitergeben. So erwirtschaftete dieser Amundi-Geldmarkt-ETF in der Vergangenheit regelmäßig Renditen oberhalb der €STR.

Der BNP Paribas Easy € Overnight ETF verwendet ein ähnlich cleveres System. Und das scheint der Markt verstanden zu haben: Obwohl erst im Juni 2025 aufgelegt, stecken in diesem BNP-ETF schon rund 1,4 Milliarden Euro. Der ETF will immer eine Rendite oberhalb der Euro Short-Term Rate erzielen. Sein Gesamtertrag setzt sich darum zusammen aus der €STR und der durchschnittlichen Swap-Marge abzüglich der Kosten. Bei der aktuellen €STR von 1,93 Prozent ergibt sich also zuzüglich der aktuellen Swap-Marge von 0,45 Prozent abzüglich der aktuellen Kosten des ETFs von 0,05 Prozent eine beachtliche Rendite von 2,33 Prozent. Ab Juli wird jedoch die Überrendite voraussichtlich etwas niedriger ausfallen, weil dann die Kostenquote dieses ETFs auf 0,10 Prozent ansteigen soll.

Diese synthetisch replizierenden Geldmarkt-ETFs bieten also durchaus attraktive Renditen. Allerdings kann davon ausgegangen werden, dass ihre Outperformance nicht konstant ist. Die künftige Rendite hängt unter anderem von der Cash-Quote im ETF ab, von der Veränderung der Margin-Konditionen und von den Kapitalströmen. Deshalb kann die Höhe der Outperformance nicht exakt prognostiziert werden.

Physische Replikation

Doch auch ohne den Einsatz von Wertpapierswaps können ETFs gute Renditen am Zinsmarkt erwirtschaften. Das beweist unter anderem der Invesco Euro Cash 3 Months ETF. In den vergangenen zwölf Monaten lag er mit seiner Wertentwicklung nur weniger Basispunkte hinter den Geldmarkt-ETFs von Xtrackers und Amundi. Er bildet einen FTSE-Index nach, der sich aus gut 50 Euro-Staatsanleihen mit Restlaufzeiten von wenigen Monaten zusammensetzt. Dieser ETF repliziert seinen Index physisch, investiert also direkt in die entsprechenden Anleihen. Aufgelegt im Oktober 2008 hat der ETF aktuell ein Volumen von rund 220 Millionen Euro. Größte Positionen im Portfolio sind Staatsanleihen aus Frankreich mit einem Anteil von knapp 15 Prozent, gefolgt von italienischen Anleihen mit gut zehn Prozent und Bundesanleihen mit knapp acht Prozent Anteil.

Ähnlich konstruiert ist der Deka Deutsche Börse EUROGOV Germany Money Market ETF. Er bildet jedoch den Deutsche Börse EUROGOV Germany Money Market Index nach, der 15 deutsche Staatsanleihen mit einer Restlaufzeit zwischen zwei und zwölf Monaten enthält. Mit einer Gesamtkostenquote von 0,12 Prozent pro Jahr ist er etwas teurer als reine Geldmarkt-ETFs. Und weil er ausschließlich in die als super-sicher geltenden Schuldpapiere der Bundesrepublik investiert, liegt auch seine Rendite etwas niedriger.

Der iShares € Ultrashort Bond ETF und der erst im Dezember 2025 aufgelegte Vanguard EUR Cash ETF orientieren sich dagegen an der Strategie traditioneller Geldmarktfonds. Diese beiden aktiven ETFs investieren in sehr kurzfristige Staats- und Unternehmensanleihen mit fester und variabler Verzinsung und hoher Bonität sowie in andere geldmarktnahe Investments. Ihr Ziel ist ebenfalls eine Rendite, die nahe an der €STR liegt oder etwas darüber.

Eine kluge Wahl

Alles in allem sind Geldmarkt-ETFs also eine fair rentierende, flexible Anlage. Die Anteile können täglich an der Börse ge- und verkauft werden, in der Regel mit einer sehr schmalen Geld-Brief-Spanne. Wegen der kurzen Zinsbindung weisen sie nur geringe Kursschwankungen auf. Ein weiterer Vorzug: Geldmarkt-ETFs sind ein Sondervermögen, das geschützt ist, selbst wenn der Anbieter in Konkurs gehen sollte – auch bei sehr großen Anlagesummen.

Andererseits gilt es, einen weiteren wichtigen Unterschied zu beachten: Im Gegensatz zum Tages- oder Festgeld fallen bei Geldmarkt-ETFs bei Kauf und Verkauf Handelskosten an, die natürlich die Rendite mehr oder weniger schmälern. Geldmarkt-ETFs eignen sich daher vor allem für Anleger, die größere Summen investieren und nicht fortlaufend kleinere Geldbeträge ein- und auszahlen wollen – oder wenn sie ein Depot bei einem Broker mit niedrigen Gebühren haben. Dann lohnt sich möglicherweise auch ein Sparplan, der für viele Geldmarkt-ETFs angeboten wird.

Von Johannes Hofmann, März 2026, © ETF Magazin

Der Artikel stammt aus der aktuellen Ausgabe des ETF Magazins, dem Fachjournal für Profis und informierte Anleger*innen.