AST und FIREFLY wollen jetzt eigene Raketen bauen
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- Firefly Aerospace Inc. - WKN: A41ENY - ISIN: US31816X1063 - Kurs: 15,175 $ (Nasdaq)
- AST SpaceMobile - WKN: A3CL8W - ISIN: US00217D1000 - Kurs: 30,200 $ (Nasdaq)
Die Triebwerke liefert Firefly Aerospace, der Vertrag über mehr als 1,3 Mrd. USD entspricht rund der Hälfte von Fireflys Börsenwert.
Es war ein Frühjahr, das AST SpaceMobile die eigene Verwundbarkeit vor Augen führte. Im April verfehlte eine New Glenn von Blue Origin mit dem Satelliten BlueBird 7 an Bord die Umlaufbahn, Ende Mai explodierte eine weitere Rakete des Typs bei einem Triebwerkstest auf der Startrampe in Cape Canaveral. Der kommerzielle Start des Dienstes, ursprünglich für Ende 2026 angepeilt, rutschte ins Jahr 2027. Für ein Unternehmen, dessen Geschäftsmodell davon abhängt, Dutzende Satelliten in kurzer Folge in den Orbit zu bringen, wurde fehlende Startkapazität zur Achillesferse.
Am Freitag zog Gründer und Vorstandschef Abel Avellan die Konsequenz: AST will eine eigene, wiederverwendbare Schwerlastrakete namens Blacklift bauen. Die Triebwerke stammen von Firefly Aerospace aus Texas. Vorbörslich legte die Firefly-Aktie zeitweise um rund 13 % zu, AST SpaceMobile gewann rund 5 %.
Drei Bausteine, 1,3 Mrd. USD
Für eine unbefristete Lizenz zum Nachbau der Firefly-Triebwerke Miranda und Vira zahlt AST rund 800 Mio. USD vorab, davon 400 Mio. USD in bar und den Rest in 10 bis 14 Mio. eigenen Class-A-Aktien, die Haltefristen unterliegen. Weitere 250 Mio. USD fließen für 36 Triebwerke, 27 Miranda und neun Vira in der Vakuumvariante, bestimmt für die ersten drei Raketen. Nochmals 250 Mio. USD sind für Ingenieursleistungen über drei Jahre vorgesehen. Das geistige Eigentum an den Antrieben bleibt bei Firefly.
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Für die Texaner ist das eine beachtliche Größenordnung. Im zweiten Quartal setzte Firefly 117,7 Mio. USD um und schrieb einen Nettoverlust von 92,3 Mio. USD, für das Gesamtjahr stellt das Management 420 bis 450 Mio. USD Umsatz in Aussicht. Das Geld soll in Personal, langlaufende Materialbestellungen und neue Prüfstände im texanischen Briggs fließen.
Vertikale Integration bis zur Startrampe
Mit Blacklift schließt AST nach eigener Darstellung die Wertschöpfungskette. Die BlueBird-Satelliten entstehen bereits in Eigenregie im texanischen Midland. Die Rakete der 20-Tonnen-Klasse soll bis zu fünf Satelliten pro Flug tragen, erste Starts sind für Ende 2028 geplant. Die Triebwerke will AST in einem neuen Werk in den USA selbst fertigen.
Der eigentliche Kern des Geschäfts ist der Zugriff auf einen erprobten Antrieb. Miranda hat mehr als 175 Heißtests mit über 4.200 Sekunden Brenndauer absolviert, darunter einen flugähnlichen Lauf bei 110 % der Nennleistung von 230.000 Pfund Schub. AST-Präsident Scott Wisniewski will so den üblichen Entwicklungszyklus von fünf bis zehn Jahren überspringen. Firefly-Chef Jason Kim sagte: "Wenn ein Unternehmen eine eigene Rakete bauen will, ist das Triebwerk die schwierigste Entscheidung mit dem höchsten Einsatz.“
Avellan denkt über den Mobilfunk hinaus. Blacklift sei "das Sprungbrett, um unseren adressierbaren Gesamtmarkt deutlich zu erweitern“, etwa um Radar und sichere Kommunikation für US-Behörden. Bis Blacklift fliegt, bleibt AST auf externe Anbieter angewiesen. Verträge decken nach Unternehmensangaben mehr als 100 BlueBird-Satelliten für 2027 und 2028 ab.
Das Vorbild liegt auf der Hand. SpaceX baut Starlink-Satelliten und Falcon-Raketen aus einer Hand und drängt mit dem Direktfunk zum Smartphone genau in jenes Geschäft, auf das AST setzt. Wer die Startkapazität kontrolliert, bestimmt das Ausbautempo. Ganz überraschend kommt der Schritt nicht: Schon im Sommer, nach der Platzierung einer Wandelanleihe über 1 Mrd. USD, wurde in der Branche über einen Einstieg von AST bei Firefly spekuliert. Geworden ist es nun eine Lizenz statt einer Beteiligung. Firefly wiederum finanziert mit dem Geld eines Kunden die Fertigung jenes Triebwerks, das auch die eigene Mittelklasserakete Eclipse antreiben soll.
Für Firefly ist der Deal ein Befreiungsschlag. Die Aktie notiert weit unter dem Ausgabepreis von 45 USD aus dem Börsengang 2025, der freie Cashflow ist tief negativ. Ein Auftragsvolumen vom rund Dreifachen des diesjährigen Umsatzziels, zu einem guten Teil in bar und vorab, stärkt die Bilanz und adelt Miranda als marktfähiges Produkt. Ein Teil des Gegenwerts besteht allerdings aus AST-Aktien, deren Kurs seit dem 52-Wochen-Hoch von knapp 134 USD um mehr als zwei Drittel gefallen ist.
Fazit: Für AST ist der Schritt folgerichtig, aber auch gewissermaßen kühn. Ein Unternehmen, das 2025 rund 71 Mio. USD umsetzte und etwa 342 Mio. USD Verlust schrieb, stemmt künftig Satellitenkonstellation und Raketenprogramm zugleich. Selbst mit erprobtem Triebwerk bleibt der Raketenbau eine Disziplin, an der sich in diesem Jahr sogar Blue Origin die Finger verbrannt hat. Am Engpass bis 2028 ändert Blacklift nichts. Mehr Klarheit dürften Fireflys Quartalszahlen am 10. November und die Blacklift-Präsentation zwei Tage später in New York bringen. Kaufen würde ich aber derzeit wohl keine der beiden Aktien. Mir ist die Sache schlicht zu spekulativ.


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