APPLE - Dürfen SAMSUNG oder INTEL bald (wieder) Chips fertigen?
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- Apple Inc. - WKN: 865985 - ISIN: US0378331005 - Kurs: 276,873 $ (Nasdaq)
- Samsung Electronics (GDR) - WKN: 896360 - ISIN: US7960508882 - Kurs: 3.370,000 € (L&S)
- Intel Corp. - WKN: 855681 - ISIN: US4581401001 - Kurs: 95,765 $ (Nasdaq)
Der Konzern prüft nach Informationen von Bloomberg Gespräche mit Intel und Samsung über eine mögliche Produktion zentraler Geräteprozessoren in den USA. Noch ist daraus kein Auftrag geworden. Doch schon die Sondierung zeigt, wie sehr geopolitische Risiken, KI-bedingte Kapazitätsengpässe und der wachsende Eigenbedarf an Hochleistungschips Apples Lieferkettenlogik verändern.
Die Abhängigkeit vom Besten wird zum Problem
Seit mehr als einem Jahrzehnt entwirft Apple die Prozessoren für iPhone, iPad und Mac selbst und lässt sie vor allem bei Taiwan Semiconductor Manufacturing Company fertigen. Diese sogenannten Systems-on-a-Chip sind das technologische Zentrum der Geräte. Sie bündeln Rechenleistung, Grafik, Speicheranbindung und Effizienzsteuerung auf engstem Raum. Die aktuellen iPhones und Macs nutzen Chips aus der 3-Nanometer-Fertigung, also aus jener Spitzenklasse der Halbleiterproduktion, in der TSMC bislang das Maß der Dinge bleibt.
Doch die Stärke dieses Modells ist zugleich seine Schwäche. Apple ist zwar einer der mächtigsten Kunden der Halbleiterindustrie, aber selbst diese Marktmacht schützt den Konzern nicht vor Engpässen. Der globale Aufbau von KI-Rechenzentren bindet enorme Fertigungskapazitäten. Gleichzeitig steigt die Nachfrage nach Macs, die leistungsfähig genug sind, um KI-Modelle lokal auszuführen. In der Folge fehlt Apple Spielraum in einer Lieferkette, die lange als Benchmark der Industrie galt.
Vorstandschef Tim Cook formulierte die Lage im jüngsten Analystencall klar. Apple habe "hat weniger Flexibilität in der Lieferkette als bislang gewohnt", sagte er. Der Engpass liege derzeit nicht in erster Linie bei Speicherchips, sondern bei den fortschrittlichen Fertigungsknoten, auf denen Apples Hauptprozessoren produziert werden. Cook rechnet damit, dass es mehrere Monate dauern wird, bis Angebot und Nachfrage wieder ins Gleichgewicht kommen.
Intel und Samsung als politische und industrielle Option
Die Gespräche mit Intel und Samsung befinden sich laut Bloomberg noch in einem frühen Stadium. Apple hat demnach mit Intel über eine mögliche Nutzung von dessen Auftragsfertigung gesprochen. Zudem sollen Apple-Manager ein Samsung-Werk in Texas besucht haben, das künftig ebenfalls moderne Chips produzieren soll. Weder Apple noch Intel, Samsung oder TSMC wollten sich gegenüber Bloomberg äußern.
Für Intel wäre Apple ein Kunde von kaum zu überschätzender Signalwirkung. Der Konzern versucht unter Vorstandschef Lip-Bu Tan, sein Foundry-Geschäft neu aufzubauen und externe Kunden für die eigene Chipfertigung zu gewinnen. Ein Auftrag von Apple würde nicht nur Auslastung bringen, sondern auch Glaubwürdigkeit in einem Geschäft, in dem technologische Verlässlichkeit, Ausbeute und Skalierung wichtiger sind als jede Ankündigung.
Samsung wiederum verfügt bereits über Erfahrung als Auftragsfertiger, hat aber den Abstand zu TSMC in den vergangenen Jahren nicht entscheidend verkürzen können. Für Apple wäre Samsung eine naheliegende, aber nicht unkomplizierte Alternative. Beide Konzerne sind Partner, Zulieferer und Rivalen zugleich. Im Smartphone-Markt konkurrieren sie frontal, in der Komponentenfertigung sind sie seit Jahren miteinander verflochten.
Diversifizierung ist kein Ersatz für TSMC
Apple bevorzugt traditionell mindestens zwei Lieferanten für zentrale Komponenten. Das schafft Verhandlungsmacht, reduziert operative Risiken und schützt vor Produktionsausfällen. Bei Displays, Kameras oder anderen Bauteilen funktioniert dieses Prinzip seit Jahren. Bei den wichtigsten Prozessoren ist es ungleich schwieriger. TSMC bietet nicht nur Spitzentechnologie, sondern auch eine industrielle Skalierung, die Intel und Samsung in dieser Form derzeit nicht verlässlich abbilden können.
Deshalb ist die aktuelle Sondierung weniger als Bruch mit TSMC zu verstehen, sondern als Versuch, eine zweite Sicherheitslinie aufzubauen. Apple arbeitet weiterhin eng mit TSMC am Ausbau der Produktion in Arizona. Für 2026 stellt Apple laut Bloomberg rund 100 Mio. Chips aus Arizona in Aussicht. Gemessen an den jährlichen Gerätevolumina des Konzerns bleibt das allerdings nur ein begrenzter Beitrag.
Die eigentliche Frage reicht da tiefer. Apple muss entscheiden, wie viel technologische Perfektion es zugunsten größerer geografischer Resilienz aufzugeben bereit wäre. Ein Chip von Intel oder Samsung wäre nicht automatisch ein gleichwertiger Ersatz für einen TSMC-Prozessor. Schon kleine Unterschiede bei Effizienz, Ausbeute oder thermischem Verhalten können bei iPhone und Mac erhebliche Folgen haben.
Dass Intel und Samsung nun wieder als mögliche Partner auftauchen, ist auch historisch bemerkenswert. Intel lieferte von 2006 bis 2020 die Prozessoren für den Mac, bevor Apple mit eigenen M-Chips den wohl folgenreichsten Plattformwechsel seiner jüngeren Geschichte vollzog. Samsung fertigte vor mehr als einem Jahrzehnt bereits iPhone-Chips für Apple, verlor diese Rolle später aber an TSMC.
Fazit: Apple wird über kurz oder lang einen weiteren Fertiger für seine Chips beauftragen müssen, alleine schon um das geopolitische Risiko besser aussteuern zu können. Ein Problem, das auch Nvidia & Co. haben. Wer der Gewinner wird? Es dürfte am Ende wohl auf mehrere Schultern verteilt werden.

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