Anleihen: „Sehr volatile Woche“
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30. Januar 2026. FRANKFURT (Deutsche Börse). Aktien-, Gold- & Silberpreis-Rally, dann Kurseinbruch, extreme US-Dollar-Schwäche – an den Kapitalmärkten ist einiges los. „Es war eine sehr volatile Woche“, erklärt Rainer Petz, der für Oddo BHF Anleihen handelt. Angesichts der Turbulenzen sind als sicher geltende Bundesanleihen wieder gesucht. Zehnjährige rentieren am Freitagmittag mit 2,85 Prozent und damit unter den 2,90 Prozent der Vorwoche.
Ein Grund für die Ausschläge: Die am Mittwochabend veröffentlichten Microsoft-Quartalszahlen haben nicht überzeugt. Das war aber nicht alles. „Geopolitische Themen bleiben präsent mit den Sorgen vor einem möglichen Militärschlag der USA gegen den Iran", erklärt Helaba-Analyst Ralf Umlauf. „Die Risikoaversion kann jederzeit weiter zunehmen.“
Notenbanken im Pause-Modus
Keine Überraschung brachte die US-Notenbanksitzung am Mittwoch. Der Leitzinskorridor bleibt bei 3,50 bis 3,75 Prozent. Hochspannend ist aber das Thema Nachfolge für Fed-Chef Powell. Eine Entscheidung wird am heutigen Freitagmorgen (US-Ortszeit) erwartet. Favorit ist mittlerweile der ehemalige Fed-Gouverneur Kevin Warsh. „Die Nachricht hat unmittelbare Reaktionen ausgelöst. Die Aktienkurse sind gefallen, während die Renditen von US-Staatsanleihen gestiegen sind“, stellt Raffaele Antacido von der ICF Bank fest. Warsh gelte als geldpolitischer Falke, stehe also eher für steigende Zinsen. Allerdings habe er sich in letzter Zeit US-Präsident Trump mit einer taubenhaften Geldpolitik angenähert.
Erstmals Bundesanleihen mit 20 Jahren Laufzeit
Für den Euroraum steht kommenden Donnerstag eine Entscheidung an. Hier wird ebenfalls ein Stillhalten erwartet. „Auch für den Rest des Jahres rechnet kaum ein Analyst mit einer Zinsänderung“, bemerkt Commerzbank-Analyst Marco Wagner. Angesichts der Projektionen der EZB-Volkswirte gebe es hierfür auch keinen Grund.
„Bundesanleihen sind über alle Laufzeiten hinweg eher gesucht“, berichtet Antacido aus dem Handel und spricht von einer „Suche nach Safe-Haven". US-Treasuries würden über alle Laufzeiten hinweg eher abgegeben. Zudem verweist der Händler auf eine Premiere: Erstmals wurde eine Bundesanleihe mit Laufzeit von 20 Jahren emittiert (<DE000BU2T000>), der Kupon beträgt 3,4 Prozent.
Post und BMW gefragt
Im Geschäft mit Unternehmensanleihen sieht Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank Käufe in der bis 2032 laufenden Anleihe der Deutschen Post mit aktueller Rendite von 3 Prozent (<XS3084418907>) sowie bis 2036 laufenden BMW-Bonds mit aktuell 3,75 Prozent (<XS3280519318>). Zwischenzeitlich nach unten ging es Daniel zufolge für Papiere der DEAG Deutsche Entertainment (<NO0013639112>) nach Ankündigung des Unternehmens, Wizard Live nun komplett übernommen zu haben. „Das kam wohl nicht überall gut an, es gab eine Verkaufswelle durch Stop-Loss-Orders." Der Kurs fiel bis auf 94 Prozent, am Freitagmittag sind wieder 100 Prozent.
Deutlichere Kursverluste gibt es bei LR Health & Beauty (<NO0013149658>). Das Unternehmen hat die Gewinnschätzung für 2025 nochmals nach unten korrigiert, eine Restrukturierung der Anleihe ist vorgesehen – inklusive Schuldenschnitt von 55 Prozent. Der Kurs fiel bis auf 25 Prozent, am Freitagmittag sind es 33 Prozent.
Erst erholt, dann aber wieder verloren hat ABO Energy (<DE000A3829F5>), wie Antacido außerdem meldet. „Das Unternehmen schließt eine Stillhaltevereinbarung mit den Gläubigern, der erste Schritt zur Umsetzung eines Sanierungskonzepts.“ Nach einer Verlustprognose für 2025 im November war der Kurs schon von 100 auf 50 Prozent gefallen, aktuell sind es 16 Prozent.
Von Anna-Maria Borse, 30. Januar 2026, © Deutsche Börse AG
Über die Autorin
Anna-Maria Borse ist Finanz- und Wirtschaftsredakteurin mit den Schwerpunkten Finanzmarkt/Börse und volkswirtschaftliche Themen.
Feedback und Fragen an live@deutsche-boerse.com
