Anleihen: Ölpreis bestimmt Zinserwartungen
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7. August 2026. FRANKFURT (Deutsche Börse). Der Anleihemarkt ist weiter geprägt vom Iran-Krieg und dessen Folgen für Ölpreis und Inflation. Aktuell ist die Nachrichtenlage uneinheitlich. US-Präsident Donald Trump spricht von einem baldigen Ende des Kriegs, die Straße von Hormus ist aber noch geschlossen. „Die Verhandlungen dauern zwar an, bei Marktteilnehmern schwindet aber die Hoffnung auf eine Beruhigung der Lage und baldige Öffnung“, stellt Ulrich Wortberg von der Helaba fest.
Das – und die Ferienzeit – führt zu einer abwartenden Haltung bezüglich Anleihen, wie Tim Oechsner von der Steubing AG berichtet. „Der Anleihemarkt war insgesamt von geringen Umsätzen und niedriger Liquidität geprägt.“ Das sieht auch Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank so: „Die Umsätze halten sich in Grenzen“, stellt er fest.
„Konkrete Vereinbarungen zur Öffnung der Straße von Hormus notwendig“
Die Renditen gingen hierzulande im Laufe der Woche zurück: Zehnjährige Bundesanleihen rentieren am Freitagmorgen mit 3,15 Prozent, vor einer Woche waren es noch 3,21 Prozent. „Für eine weitere Bewegung der zehnjährigen Bundrendite in Richtung 3 Prozent dürften konkrete Vereinbarungen zur Öffnung der Straße von Hormus notwendig sein“, meint Commerzbank-Analyst Pascal Reichert. „Das Marktvertrauen in Ankündigungen ohne Substanz scheint zurückzugehen.“ Am heutigen Freitag blickt alles auf den US-Arbeitsmarktbericht, der am Nachmittag veröffentlicht wird. Von dem erhofft man sich Aufschluss über den Zustand der US-Wirtschaft und die weitere Zinsentwicklung.
„Damoklesschwert steigender Zinsen“
„Kurzfristig wird die Entwicklung an den Anleihemärkten vom weiteren Verlauf des Iran-Kriegs abhängen“, bemerkt Commerzbank-Analyst Vincent Stamer. Sollte sich die Lage am Persischen Golf entspannen, werde wohl auch die Inflation wieder fallen und es den Zentralbanken ermöglichen, ihre bis dahin erfolgten Leitzinserhöhungen wieder zurückzunehmen. Mittel- bis langfristig werde aber das enorme Angebot an Anleihen aufgrund der lockeren Haushaltspolitik – auch in Deutschland – die Renditen wieder steigen lassen. „Im schlimmsten Fall könnten Investoren die Tragfähigkeit der Staatsschulden anzweifeln, was einen Teufelskreislauf aus noch schneller steigenden Renditen und ausufernden Staatsschulden nach sich ziehen könnte.“
Türkische-Lira-Bonds: Hohe Zinsen, hohe Inflation
Im Handel mit Staats- und staatsnahen Anleihen sieht Oechsner viel Interesse an italienischen Bonds mit Kupon von 4 Prozent bis 2037 (<IT0003934657>) sowie 4,1 Prozent bis 2046 (<IT0005631608>). Auch einige hochverzinsliche Währungsanleihen kommen gut an: Daniel meldet Käufe der Anfang Juli emittierten Anleihe der European Bank for Reconstruction and Development in türkischen Lira. Diese bietet einen Kupon von 30 Prozent und läuft bis 2029 (<XS3434482447>). Allerdings: Die Inflationsrate in der Türkei ist seit den Spitzenwerten über 70 Prozent 2022 zwar rückläufig, lag im Juli aber immer noch bei fast 32 Prozent.
Gregor Daniel
Interesse an Würth, BMW, Porsche und Continental
Im Handel mit Unternehmensanleihen geht es ruhig zu. Gekauft werden Daniel zufolge Anleihen der Deutschen Pfandbriefbank (<DE000A3827B8>) und Heidelberg Materials (<XS3379436598>) mit Fälligkeiten 2029 und 2035 und aktuellen Renditen von 4,43 und 4,09 Prozent.
Steubing-Händler Oechsner meldet gute Umsätze mit Bonds von Würth (<XS2911681083>), BMW (<XS2887901598>), Porsche Automobil Holding (<XS2615940215>) sowie Continental (<XS2630117328>) mit Fälligkeiten zwischen 2028 und 2031 und aktuellen Renditen zwischen 3 und 3,47 Prozent. Angesichts der Ferienzeit ist am Primärmarkt nicht viel los. „Es gibt kaum Neuemissionen“, berichtet Oechsner.
Von Anna-Maria Borse, 7. August 2026, © Deutsche Börse AG
Über die Autorin
Anna-Maria Borse ist Finanz- und Wirtschaftsredakteurin mit den Schwerpunkten Finanzmarkt/Börse und volkswirtschaftliche Themen.
Feedback und Fragen an live@deutsche-boerse.com
