Werbung
Kommentar
10:16 Uhr, 21.08.2026

Anleihen: "Markt sendet Warnzeichen"

Staatsanleiherenditen haben diese Woche Höhen wie zuletzt vor 15 oder fast 20 Jahren erreicht, und zwar weltweit. Gründe dafür gibt es einige. Aber auch für eine Rolle rückwärts in der Mitte der Woche. Im Handel mit Unternehmensanleihen hat sich ebenfalls die Verunsicherung bemerkbar gemacht.

Erwähnte Instrumente

  • ISIN: DE000A289YC5Kopiert
    Aktueller Kursstand:   (L&S)
    VerkaufenKaufen

    Schnell. Sicher. Direkt.Trading über stock3 war noch nie so einfach. 

    Mehr erfahren Nein, danke
  • ISIN: ES0000012L60Kopiert
    Aktueller Kursstand:   (Stuttgart)
    VerkaufenKaufen

21. August 2026. FRANKFURT (Deutsche Börse). Nach hoher Nervosität am Anleihemarkt mit extrem hohen Renditen ist zuletzt etwas Ruhe eingekehrt. Dazu beigetragen hat die unerwartete Ankündigung des US-Finanzministeriums, die Rückkäufe langlaufender Anleihen zu erhöhen.

Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen war diese Woche zeitweise bis auf 3,27 Prozent geklettert – der höchste Stand seit 2011. Anfang des Jahres waren es noch 2,81 Prozent. Auch die Rendite dreißigjähriger Anleihen lag so hoch wie zuletzt 2011.

In anderen europäischen Ländern wie Frankreich und Großbritannien sowie in den USA und Asien legten die Renditen ebenfalls deutlich zu. Die Rendite dreißigjähriger US-Treasuries erreichte sogar den höchsten Stand seit 2007. „Da braut sich etwas zusammen“, kommentiert Gregor Daniel von der Walter Ludwig Wertpapierhandelsbank. „Die Anleger wollen mehr Zinsen sehen“, bemerkt Arthur Brunner von der ICF Bank. In diesem Setting sei die Ankündigung des US-Finanzministers Scott Bessent, verstärkt Anleihen aufzukaufen, Balsam für die Märkte, ergänzt Daniel.

Kapitalhungrige Staaten und Tech-Unternehmen

Zum einen verstärkte der wieder deutlich gestiegene Ölpreis Inflationssorgen und damit die Erwartung steigender Leitzinsen. Zum anderen wird die hohe Staatsverschuldung in fast allen wichtigen Industrieländern zunehmend kritisch gesehen. Auch dass die großen Tech-Konzerne enorme Summe an den Kapitalmärkten aufnehmen, sorgt für immer mehr Verunsicherung.

„Die entscheidende Frage ist: Rechtfertigen die erwarteten Erträge aus KI-Infrastruktur die hohen Investitionen? Genau hier wächst die Skepsis der Anleger“, bemerkt Tim Oechsner von der Steubing AG. Brunner verweist auf die jüngste Anleiheemission von Alphabet – und zwar in australischen Dollar. „Für die zwanzigjährige Anleihe muss Alphabet fast 7 Prozent bezahlen. Das zeigt, welche enormen Belastungen auf die Unternehmen zukommen.“

Tim Oechsner

USA: Immer mehr Schulden.

Dem Handelsblatt zufolge erreichen die US-Gesamtschulden bald 40 Billionen US-Dollar. Die Schuldenquote liege bei 123 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, nach 65 Prozent 2007. „1 Billion US-Dollar wird der US-Staat allein dieses Jahr an Zinsen für diese Staatsschuld zahlen, mehr als für Verteidigung“, heißt es.

Einiges um ging bei der Steubing AG diese Woche in spanischen Staatsanleihen (<ES0000012L60>). Ebenfalls viel Umsatz meldet Oechsner für italienische (<IT0005240350>) und US-amerikanische Staatsanleihen (<US912810TV08>).

Erste Reihe gefragt, zweite und dritte Reihe volatil

Im Handel mit Unternehmensanleihen weiter gefragt ist die Anfang Juli emittierte RWE-Anleihe mit 4 Prozent-Kupon und Laufzeit bis 2037 (XS3430748676), wie Daniel berichtet. Ebenfalls beliebt: Bonds der Deutschen Post (<XS3084418907>), Mercedes-Benz und Heidelberg Materials (<XS3379436598>), fällig zwischen 2031 und 2035. Bei der Steubing AG geht viel um in Bonds der Renault-Bank RCI (<FR001400CRG6>), des Energieversorgers EnBW (<XS2579293536>), Nestlé (<XS2555198162>) und in langlaufenden US-Dollar-Bonds von Ford (<US345370CS72>).

Homann angeschlagen

Die Verunsicherung hat sich aber auch hier niedergeschlagen. „Anleger suchen Sicherheit“, bemerkt Brunner. Zwischenzeitlich deutlich schwächer zeigte sich etwa die Hertha-Anleihe (<SE0011337054>), wie der Händler berichtet.

Die Nachricht zur Insolvenz des Baukonzerns Pandion habe zudem die ohnehin nur noch um 4 Prozent notierende Anleihe (<DE000A289YC5>) weiter unter Druck gesetzt.

„Hoch und runter“ ging es für Homann Holzwerkstoffe (<NO0013536169>) nach dem Kurssturz vergangene Woche, wie Daniel außerdem erklärt. Das Unternehmen hatte nach schwächer als erwarteten Halbjahreszahlen seine Jahresprognose reduziert, unter anderem wegen zurückhaltender Nachfrage aus der Möbelindustrie und Anlaufverlusten im litauischen Werk Pagiriai. Der Kurs, vorher über 100 Prozent, sank deutlich auf rund 80 Prozent.

Von Anna-Maria Borse, 21. August 2026, © Deutsche Börse AG

Über die Autorin

Anna-Maria Borse ist Finanz- und Wirtschaftsredakteurin mit den Schwerpunkten Finanzmarkt/Börse und volkswirtschaftliche Themen.

Feedback und Fragen an live@deutsche-boerse.com