Amerikanischer Bitcoin-Miner sichert sich 19 Milliarden Dollar Vertrag mit Anthropic
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Am 6. Juli meldete TeraWulf einen Leasingvertrag, der das Unternehmen fundamental neu definiert. Denn: Anthropic mietet am Justified-Data-Campus im kentuckyschen Hawesville rund 401 Megawatt Rechenkapazität. Über zwanzig Jahre summiert sich das auf etwa 19 Milliarden US-Dollar an Erlösen für das Mining-Unternehmen. Die Aktie sprang zeitweise bis zu 19 Prozent nach oben. Aus einem Betreiber kohlenstoffarmer Bitcoin-Mining-Anlagen wird mit nur einem SEC Filing ein Mitstreiter am KI-Sektor.
Vom Schürfen zum Vermieten
TeraWulf betreibt digitale Infrastruktur, die überwiegend aus kohlenstoffarmer Energie gespeist wird, am Standort Lake Mariner im Bundesstaat New York. Aus dem reinen Bitcoin Mining ist seit 2025 ein zweites Standbein gewachsen. Seit Neuestem setzt das amerikanische Mining-Unternehmen auch auf die Vermietung von Rechenleistung für Hochleistungscomputing und KI-Anwendungen.
Der Sektor teilt sich seit Monaten immer weiter in Infrastrukturbetreiber und klassische Miner. TeraWulf geht mit dieser Investition einen weiteren Schritt in die erste Gruppe. Der Vertrag mit dem KI-Riesen Anthropic macht diese Verschiebung offiziell und darüber hinaus auch über zwei Jahrzehnte belastbar. Für ein Unternehmen, das seine Erlöse bisher aus einem volatilen Rohstoff zog, bedeutet ein langfristiger Mieter aus der ersten Reihe der KI-Branche eine völlig neue Planbarkeit. Wie auch schon zuletzt bei RIOT wirkt sich dieser Wandel sehr positiv auf den Aktienkurs des Unternehmens aus.
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Mehr Planbarkeit bietet mehr Sicherheit und das bringt neues Kapital. Der Campus in Hawesville, den TeraWulf für rund 302 Millionen US-Dollar erworben hat, wird zum sichtbaren Kern dieser Neuausrichtung.
Der Umsatz steht, sein Innenleben dreht sich
Im ersten Quartal 2026 erzielte TeraWulf einen Umsatz von 34,0 Millionen US-Dollar, praktisch gleichauf mit dem Vorjahreswert, doch die Zusammensetzung hat sich maßgeblich verändert. Die Einnahmen aus der HPC-Miete (HPC ist kurz für “High-Performance Computing” und bezeichnet den Einsatz extrem leistungsstarker Computersysteme), also der Vermietung von Rechenzentrumsfläche, trugen 21,0 Millionen bei und übertrafen damit erstmals die 13,0 Millionen aus dem Mining.
Das Kurs-Umsatz-Verhältnis, das den Börsenwert ins Verhältnis zum Jahresumsatz setzt, liegt bei rund 66. Der Markt bezahlt an dieser Stelle künftige Mieterlöse, kaum das laufende Geschäft.
Auf Ergebnisebene bleibt TeraWulf tief in den roten Zahlen. Die operative Marge, der operative Gewinn gemessen am Umsatz, lag über die vergangenen zwölf Monate bei minus 110,5 Prozent. Der ausgewiesene Nettoverlust von 427,6 Millionen US-Dollar stammt zum großen Teil aus nicht zahlungswirksamen Bewertungseffekten bei den Google-Warrants und aus aktienbasierter Vergütung.
Den 3,1 Milliarden US-Dollar an liquiden Mitteln stehen 5,7 Milliarden US-Dollar an Schulden gegenüber, und das Eigenkapital ist somit mit minus 77,6 Millionen US-Dollar negativ. Kennzahlen wie das Kurs-Buchwert-Verhältnis, das den Börsenwert am bilanziellen Eigenkapital misst, verlieren damit ihre Aussagekraft.
Warum der Markt elf Milliarden aufruft
Ein Analyst ohne Krypto-Hintergrund liest hier ein defizitäres, hoch verschuldetes Unternehmen und wundert sich über eine Bewertung an der Börse von rund elf Milliarden. Der Mining-Kontext liefert die fehlende Hälfte der Erklärung.
Der Hashprice, der die Mining-Einnahmen je Recheneinheit misst, ist auf ein Post-Halving-Tief von etwa 28 bis 30 US-Dollar gefallen, und die durchschnittlichen Kosten je geschürftem Bitcoin liegen branchenweit über dem aktuellen Marktpreis. Unter diesem Druck ist das Schürfen für viele Betreiber zum Verlustgeschäft geworden.
Hier bieten KI-Mieten die planbare Marge, die dem Mining fehlt, und erklären den Aufschlag, den Investoren auf die heutigen Kennzahlen zahlen. Dieselbe Rotation vom Schürfer zum Rechenzentrumsbetreiber treibt den gesamten Sektor, von den Kursausschlägen bei Wettbewerbern bis zu Verträgen im zweistelligen Milliardenbereich. Der Anthropic-Deal trägt die Bewertung von TeraWulf, weit stärker als der laufende Umsatz.
Eine Wette, die erst 2027 fällig wird
TeraWulf ist ein Unternehmen, das auf Erwartungen läuft und kaum auf dem laufenden Cashflow. Die Grundlage bilden die erwarteten Mieterlöse der kommenden Jahre. Ganz besonders die 19 Milliarden aus dem Anthropic-Vertrag. Das Management geht davon aus, dass der Umsatz 2026 bei 334 Millionen US-Dollar und 2027 bei rund 1,03 Milliarden US-Dollar liegen wird. Das Management erwartet zudem ab 2027 einen positiven Gewinn je Aktie. Solange diese Einnahmen jedoch in der Zukunft liegen, finanziert TeraWulf seinen Ausbau weiter nur mit Krediten.
Das Bild könnte sich jedoch ändern, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind. Die erste vereinbarte Kapazität in Kentucky geht erst in der zweiten Jahreshälfte 2027 ans Netz. Zudem sind in der Compute-Sparte noch keine Milliardenbeträge an Investitionen getätigt worden. Wenn die Inbetriebnahme dieser Kapazität verzögert wird oder die Anschlussfinanzierung teurer ausfällt, könnte dies die Erwartungen, die den aktuellen Kurs tragen, stark belasten.
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