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Der "EVENING STAR" im Systemtest - Wenn die Sonne untergeht!

Der Evening Star ist einer der bekanntesten Candlestick-Formationen. Doch was passiert wirklich, wenn der Abendstern oder genauer gesagt, ein naher Verwandter dessen am Nachthimmel des DAX erscheint? Kaufen oder Verkaufen - das ist die Frage!

Erwähnte Instrumente

Candlestick-Charts gehören zur Basisausstattung eines jeden Chartingtools und bilden auch in Guidants den Standard, wenn man einen Chart öffnet. Bei Candlesticks handelt es sich aber nicht um ein neues Konzept. Im Gegenteil. Im aisatischen Raum wird diese Art der Preisdarstellung schon sehr lange genutzt. Ein Grund dafür: die Ausbildung kurzfristiger Muster. Einem solchen Muster, dem Evening Star, wollen wir heute auf den Zahn fühlen. Vorab sei erwähnt, dass es sich beim folgenden Test eher um einen Verwandten des Evening Stars handelt und der Test schon einige Zeit her ist. Aber an den grundlegenden Erkenntnissen sollte dies wenig ändern.

Das Evening Star Candlestick-Muster

Beim Evening Star handelt es sich nicht um den ins deutsche übersetzten Abendstern am nächtlichen Himmel, sondern um eine der klassischen Candlestickformationen. Unser Chartlexikon schreibt dazu:

„Der Evening Star ist eine Formation aus 3 Kerzen. Sie tritt am Ende eines Aufwärtstrends auf und gibt daher ein Verkaufssignal. Die Signalqualität ist als gut einzustufen. Auf eine lange weiße Kerze folgt eine kleine, die ein neues Hoch mit sich bringt. Deren Körper kann beide Farben annehmen. Am 3. Tag folgt eine lange schwarze Kerze, idealer weise mit einem Gap Down Eröffnung. Als Sonderform gilt der Evening Doji Star. Bei diesem ist die mittlere Kerze ein Doji.“ Die folgende Abbildung zeigt einen "perfekten" Evening Star.

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Ich wollte wissen, was man nach einem solchen Muster erwarten kann. Dem Evening Star wird klassisch unterstellt, dass es sich um ein bärisches Muster handelt. So jedenfalls können wir es in jedem Buch zur Candlesticklehre nachlesen.

Evening Star Trading im Systemtest

Mit dieser Erwartungshaltung wurde das vorliegende Muster programmiert und durch die Historie des DAX geschickt. Im ersten Schritt wurde ein etwas abgewandeltes Muster getestet, weil dieses damals zum Testzeitpunkt aktuell war. Dieses Muster hatte folgende Regeln:

  1. Der Schlusskurs vor 2 Tagen muss größer sein als der Eröffnungskurs (grüne = bullische Kerze)
  2. Der Kerzenkörper von vor 2 Tagen muss mindestens 60 % der Tagesspanne umfassen (relativ kleine Dochte und Lunten)
  3. Die gestrige Kerze muss eine Insidekerze sein (komplett in der Kursspanne des Vortages liegen)
  4. Der Kerzenkörper der gestrigen Kerze muss kleiner als 25 % der Tagesspanne sein (relativ kleiner Kerzenkörper)
  5. Der heutige Eröffnungskurs liegt über dem Schlusskurs (rote = bärische Kerze)
  6. Der Kerzenkörper der heutigen Kerze ist größer als 60 % der gesamten Tagesspanne (relativ kleine Dochte und Lunten)
  7. Das Hoch des heutigen Tages muss größer sein als das der letzten beiden Tage

Sofern alle Bedingungen erfüllt sind, wird zum Schlusskurs des heutigen Handelstages eine Longposition (also eine Position entgegen der klassischen Evening Star Aussage) eröffnet. Eine Tag später wird die Position wieder geschlossen. Dies dürfte gemäß der klassischen Interpretation des Evening Stars nicht profitabel sein. Umso mehr überrascht das Ergebnis (siehe Abb. 3).

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Chart wurde mit Tradesignal erstellt

Seit Ende 1998 gab es zunächst einmal nur sehr wenige dieser Muster (4 Stück), aber allen folgte am nächsten Tag ein eher positiver Verlauf zum Schlusskurs hin. Das System erzielte 4 von 4 mögliche Gewinntrades und einen durchschnittlichen Gewinn von 14.766 EUR je Trade, wenn 100 Kontrakte gehandelt wurden. In Punkten umgerechnet entspricht dies einem durchschnittlichen Gewinn von knapp 150 Punkten.

Nur vier Signale!?

Statistiker werden an dieser Stelle Bauchschmerzen bekommen und das zu Recht. Aus lediglich vier Signalen eine verallgemeinernde Aussage zu ziehen, ist gefährlich. Aus diesem Grund habe ich das Muster ein wenig abgewandelt. Die Schwellenwerte hinsichtlich der Kerzenkörpergröße wurden auf 50 % abgesenkt und auf die Bedingung, dass der letzte Tag der Formation ein neues Hoch machen muss, wurde ebenfalls verzichtet. Damit nähern wir uns auch dem klassischen Evening Star an.

Extrem oft tritt das Muster zwar immer noch nicht auf, aber nun haben wir zumindest schon einmal 18 Signale. Das Ergebnis ist jedoch weiterhin positiv. Die Trefferquote mit einem Longtrade liegt immer noch bei 72 %. Der Vorteil bleibt mit einem Erwartungswert von 28 Punkten jedoch moderat (siehe Abb. 4).

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Chart wurde mit Tradesignal erstellt

Was passiert ein paar Tage später?

Letztlich wurde noch ein wenig mit der Haltedauer gespielt. Anstatt die Position direkt am Folgetag zu verkaufen, wurden die nächsten 10 Handelstage untersucht. Die Entwicklung wichtiger Kennzahlen hierzu sehen Sie in der folgenden Abbildung.

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Chart wurde mit Tradesignal erstellt, Tradesignal® ist eine eingetragene Marke der Tradesignal GmbH. Nicht autorisierte Nutzung oder Missbrauch ist ausdrücklich verboten.

Zusammenfassung

Der erste Gedanke, der mir nach dem Test kam, war folgender: das ist wieder einmal typisch Börse! Ich weiß nicht, wie oft mir dieses Phänomen schon begegnet ist, aber viele der klassischen Signale können nicht das halten, was uns Lehrbücher versprechen. Im ungünstigsten Fall sind sie nicht einmal profitabel, wie hier der „unscharfe“ Evening Star. Dieses klassische Bärenmuster sollte eher fallende Notierungen nach sich ziehen, aber in Summe konnte etwas verdient werden, wenn das Muster mit Entstehung gekauft wird. Groß war der Vorteil zwar nicht (in Punkten gemessen), was eigentlich auch schon wieder typisch Börse ist, aber vor allem die Trefferquoten finde ich spannend.

Ist damit ein Evening Star ein doch eher bullisches Kursmuster? So weit würde ich an dieser Stelle nicht gehen, denn wenn wir es genau betrachten, handelt es sich bei dem hier untersuchten Muster eher um einen Verwandten des Evening Stars. Potentiell wichtige Bedingungen fehlen, wie bspw. das Abwärtsgap am 3. Tag oder die Tatsache, dass der zweite Tag des Musters ein neues Hoch machen sollte. In diesem Sinne bestünde noch Hoffnung und Sie dürfen dem hier vorgestellten Muster, welches sich natürlich auch zukünftig nutzen lässt, gerne eine eigenen Namen geben. In diesem Sinne

Viel Erfolg

Ihr Tradingcoach Rene Berteit

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  • Michael Borgmann
    Michael Borgmann Technischer Analyst und Trader

    also sowohl als Morning als auch Evening Star - je nachdem ob long oder short. Und zwar so wie man es klassisch macht.

    23:34 Uhr, 27.11.2020
  • Michael Borgmann
    Michael Borgmann Technischer Analyst und Trader

    Sorry, aber das ist eine absurde Behauptung und beweist eher, dass man börsenrelevante charttechnische Dinge nicht mit Statistik zu deuten versuchen sollte. Dieses Muster ist eins der am häufigsten von mir gespielten Chartmuster und spricht nachweislich für eine exorbitant hohe Trefferquote.

    23:26 Uhr, 27.11.2020

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Über den Experten

Rene Berteit
Rene Berteit
Technischer Analyst und Coach

René Berteit ist Diplom-Betriebswirt mit Spezialisierungen in den Bereichen Finanzierung & Unternehmensbewertung sowie Geld und Währung. Aus seiner Leidenschaft für die Finanzmärkte wurde sein(e) Beruf(ung). René verfügt über mehr als 20 Jahre praktische Tradingerfahrung in Aktien, Indizes und Währungen und ist noch heute im Intraday-Handel aktiv. Seit 2007 setzt René sein langjähriges Know-how als charttechnischer Trader und Analyst in unserem Team ein, sowohl für unsere Portale als auch für Banken. Darüber hinaus gibt er sein theoretisches und praktisches Wissen als Coach seit über einer Dekade an Tradingneulinge und -fortgeschrittene weiter. Zudem ist er aktives Tradingmitglied in unserem Premium-Service PROmax, gern gesehener Referent in Webinaren und Seminaren sowie Buchautor.

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