Wissensartikel
15:27 Uhr, 07.10.2013

CFDs – die Kunst der Einfachheit

Der Begriff CFD ist mittlerweile fast in aller Munde. Banken und Broker werben heftig um die über 65.000 CFD-Anleger und Trader und um die, die es werden wollen oder sollen. Doch was genau ist eigentlich ein CFD?

Das Akronym CFD steht für “Contract for Difference”. Kurz und bündig auf Deutsch übersetzt, Differenzgeschäft. Der Gesetzgeber sieht einen CFD als ein Finanzinstrument im Sinne des § 1 des Kreditwesengesetzes (KWG) an und definiert diesen in § 1 Abs. 11 Satz 4 Variante 3, als einen zweiseitigen Vertrag, in dem sich die Seiten verpflichten, sich gegenseitig die Differenz des Marktpreises eines Basiswertes zu zahlen. Die eventuelle Differenz ergibt sich hierbei aus dem Marktpreis bei Vertragsschluss und einem in der Zukunft liegenden Marktpreis. In der Regel ist das der Marktpreis, zu dem das Geschäft geschlossen wird.

Vereinfacht ausgedrückt geht es also darum, dass der Käufer eines CFDs nicht das Finanzinstrument kauft, sondern sich lediglich verpflichtet, für die Kursdifferenz einzustehen. Es gibt also auch keine Laufzeit für diese Art von Geschäft, sprich, es ist kein Termingeschäft, sondern der Schluss des Geschäftes erfolgt durch ein weiteres “Gegengeschäft”.

Ein großer, aber wichtiger Unterschied zu Optionsscheinen oder Zertifikaten liegt darin, dass ein CFD die Kursentwicklung des Basiswertes nahezu 1 zu 1 nachbildet. Nicht nur zum Zeitpunkt des Vertragsschlusses, sondern über die gesamte Dauer des Geschäfts. Dies ermöglicht dem Anleger oder Trader, den Wert seiner Wette – mit kleinen Abweichungen – stets nachzuverfolgen. Ohne mathematische Formeln, ohne komplexe Rechnungen. Ohne dass ich mich als Trader mit impliziter Volatilität, Restlaufzeit oder anderen Dingen beschäftigen muss. Ohne versteckte Gebühren.

Der Vertragspartner des Traders ist hierbei immer der Broker. Denn der Anleger kauft nicht das Wertpapier direkt, sondern es findet – wie eingangs beschrieben – lediglich eine Wette über die Kursentwicklung statt.

CFDs finden sich für fast alle Märkte der Finanzindustrie. Ob auf Indizes, Aktien, Metalle, Öl, Getreide, Soja, Zucker oder auch Anleihen und Währungen. Die Auswahl ist vielfältig.

Darüber hinaus habe ich mit CFDs die Möglichkeit, einfach Long oder auch Short zu gehen. Gerade bei Aktien ist dies ein Vorteil, da nicht jeder Broker das Shorten von Aktien direkt ermöglicht. Auch gilt keine Uptick-Regel, das heisst, dass ein Shorten direkt in den fallenden Markt möglich ist.

Einer der entscheidendsten Vorteile von CFDs ist jedoch, dass ich mit vergleichsweise geringem Kapital an den Kursbewegungen partizipieren kann. Dies erfolgt dadurch, dass lediglich eine Sicherheitsleistung, ein sogenannte “Margin” hinterlegt werden muss. Diese bewegt sich in der Regel zwischen 1 % und 10 %. Je nach Broker, je nach Basiswert. An der Kursbewegung kann ich jedoch zu 100 % profitieren. Im Gewinnfall, als auch im Falle eines Verlusts. Man spricht hierbei von einer Hebelfunktion der CFDs.

Der Hebel: Wie funktioniert er?

Nehmen wir ein Beispiel. Wir interessieren uns für die Daimler Aktie, welche mit 54,50 Euro notiert. Wenn wir 1.000 dieser Aktie kaufen und bei 55,00 Euro verkaufen, dann haben wir einen Gewinn von 500 Euro (ohne Kosten) gemacht.

Jetzt das gleiche Geschäft mit einem CFD nachgebildet: Wir kaufen 1.000 Daimler CFDs auf die Aktie. Sagen wir die Sicherheitsleistung beträgt 5 %. Dann haben wir bei einem Kurs von 54,50 Euro eine Margin von 2.725 Euro zu erbringen (der Kauf der Aktie hätte 54.500 Euro gekostet). Steigt der Aktien-CFD der Daimler nun auf 55,00 Euro, und wir verkaufen, dann hätten wir ebenfalls einen Gewinn von 500 Euro gemacht. Jedoch mit einem wesentlich geringeren Kapitalaufwand. Der Handel mit CFD entspricht einer Kapitalrendite von ca. 18,3 %. Beim Kauf der Aktien direkt, hätte dies bei unserem Beispiel lediglich eine Rendite von ca. 0,9 % ergeben.

Wir haben sozusagen unsere Kapitalrendite von 0,9 % auf 18 % heraufgehebelt.

Im Gegensatz zu Optionsscheinen, Knock-Out-Produkten oder Zertifikaten können Sie mit CFDs Ihre Produkte selbst kreieren. Sie haben den Hebel sozusagen in der Hand und auch Einfluss über Ihre eigenen Stopps.

Finanzierung: Wie sieht es mit den Kosten aus?

Die Struktur des CFD-Aktienkaufs unterscheidet sich von der vom direkten Aktieneinkauf. Denn CFD-Geschäfte sind kreditfinanzierte Geschäfte. So entstehen im Gegensatz zum reinen Aktienkauf beim Kauf von CFDs neben den “normalen” Ordergebühren auch Finanzierungskosten. Diese können von Broker zu Broker variieren. Hier lohnt sich ein Blick in Geschäftsbedingungen des Brokers.

Finanzierungskosten fallen jedoch nicht nur bei Aktien-CFDs an, sondern bei jeder Art von CFD. Egal ob dies nun die CFDs auf Aktien, Rohstoffe oder Währungen sind.

Da ich jedoch mit CFDs die Möglichkeit habe, meine Position zu “hebeln”, fallen die Kosten für die Finanzierung (im Gegensatz zur Rendite des reinen Aktienkaufs) oft eher moderat aus.

Dennoch lohnt sich hier eine genaue Kalkulation. Plane ich die Position länger zu halten, ist dies nur erfolgsversprechend, wenn ich auch Bewegung in diesem Finanzinstrument erwarte. Denn wenn sich das Produkt (also der Basiswert) in einer Seitwärtsphase bewegt, muss ich weiter Finanzierungskosten bezahlen. Diese können bei einer längeren Seitwärtsbewegung meinen Gewinn “auffressen”. Daher werden CFDs häufig bei kurz- und mittelfristigen Engagements eingesetzt.

Fazit

CFD’s ermöglichen es, mit einem geringen Kapitaleinsatz an den Kursbewegungen eines Finanzinsturments überdurchschnittlich zu partizipieren. Fast alle Bereiche der gängigen Märkte werden durch CFDs nachgebildet. Sie eröffnen die Möglichkeit, relativ einfach eine Long- als auch eine Short-Position zu eröffnen. Sie sind relativ einfach zu verstehen und zu handhaben. Die Hebelwirkung der CFDs erfordert jedoch ein striktes Risiko- und Moneymanagement. Denn bei allen Vorteilen darf man nicht vergessen, dass CFDs in die Risikoklasse der hochspekulativen Finanzprodukte gehören!

Autor: Daniel Schütz

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