Analyse
15:30 Uhr, 30.10.2026

X-FAB hat noch freie Kapazitäten, andere nicht

Der Spezialchipfertiger hat im dritten Quartal so viele Aufträge eingesammelt wie seit zwei Jahren nicht mehr, und das Autogeschäft wächst wieder. Unter dem Strich bleibt trotzdem ein Verlust. Ob aus der Belebung nachhaltige Profitabilität wird, entscheidet sich 2027.

Erwähnte Instrumente

  • ISIN: BE0974310428Kopiert
    Kursstand: 5,340 € (L&S) - Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung
    VerkaufenKaufen

    Schnell. Sicher. Direkt.Trading über stock3 war noch nie so einfach. 

    Mehr erfahren Nein, danke
  • X-FAB Silicon Foundries SE - WKN: A2DNYG - ISIN: BE0974310428 - Kurs: 5,340 € (L&S)

Zwei Jahre lang haben die Kunden aus der Autoindustrie ihre Chiplager abgebaut, statt neu zu bestellen. Für X-FAB, das knapp 60 % seines Umsatzes mit Autokunden erzielt, war das eine lange Durststrecke. Jetzt erklärt Vorstandschef Damien Macq die Lagerkorrektur für beendet. Die Kunden bestellen wieder so kräftig wie seit zwei Jahren nicht mehr.


Knapp, dezentral und von starken Kursbewegungen geprägt: Bitcoin bietet aktiven Trader: innen vielfältige Tradingansätze. Mit Hebelprodukten lassen sich unterschiedliche Erwartungen an die weitere Kursentwicklung abbilden.

Mögliche Produkte finden Sie hier.


Wer genauer hinsieht, erkennt allerdings ein Unternehmen im Übergang. Der Gewinn hinkt den Bestellungen hinterher, die Fertigung wird umgebaut, und Rechenzentren, Medizintechnik und Photonik sollen die Abhängigkeit vom Auto verringern. Aus diesen Plänen werden zunehmend konkrete Kundenprojekte.

X-FAB ist ein Auftragsfertiger für Halbleiter und produziert nach Entwürfen seiner Kunden vor allem Analog- und Mixed-Signal-Chips, die reale Größen wie Spannung oder Temperatur verarbeiten, dazu Mikrosysteme und Siliziumkarbid-Bauteile.

Bestellungen auf Zweijahreshoch

Der Umsatz ohne Buchungseffekte nach IFRS 15, an dem X-FAB seine Prognose misst, stieg im dritten Quartal um 2 % zum Vorquartal auf 200,7 Mio. USD. Zum Vorjahr fehlen noch 12 %, ausgewiesen wurden 194,4 Mio. USD. Der Auftragseingang kletterte dagegen um 30 % zum Vorquartal und um 38 % zum Vorjahr auf 224,7 Mio. USD. Die Book-to-Bill-Ratio, also das Verhältnis von Neuaufträgen zu Umsatz, erreichte 1,12, der Auftragsbestand 313,6 Mio. USD. Das Autogeschäft, mit 119,1 Mio. USD das größte Segment, wuchs zum Vorquartal wieder um 3 %, liegt aber noch 19 % unter dem Vorjahr. Das Industriegeschäft legte um 10 % zu, die Medizintechnik schrumpfte um 9 %.


stock3 Plus - alle News und Analysen

Die Profitabilität bessert sich, bleibt aber schmal. Die EBITDA-Marge stieg von 16,8 % auf 19,3 %, vor einem Jahr hatte sie noch 23,6 % betragen. Das EBIT verdoppelte sich auf 4,3 Mio. USD, unter dem Strich blieb ein Verlust von 2,8 Mio. USD. Für das vierte Quartal stellt X-FAB 205 bis 215 Mio. USD Umsatz bei einer EBITDA-Marge von 19 % bis 22 % in Aussicht. Laut Macq ist diese Spanne schon nahezu vollständig durch Aufträge gedeckt. "Am Ende geht es im vierten Quartal nur noch um die Umsetzung“, sagte er.

Rechenzentren als neuer Wachstumstreiber

Wohin die Reise gehen soll, zeigt die kleinste Technologiesparte. Mit Wide-Bandgap-Halbleitern, die höhere Spannungen und Temperaturen verkraften als klassisches Silizium, setzte X-FAB 16,2 Mio. USD um, 68 % mehr als vor einem Jahr. Bei Siliziumkarbid erreichte die Zahl der verkauften Wafer einen Rekord, im Galliumnitrid-Geschäft verdoppelte sich die Zahl der Kunden binnen eines Jahres auf zwölf. Knapp die Hälfte des Siliziumkarbid-Geschäfts entfällt laut Macq auf Industrieanwendungen einschließlich Rechenzentren. Dort sei das Wachstum sehr solide, und die Kunden lieferten bereits belastbare Prognosen für 2027.

Auch abseits der Leistungshalbleiter kommt Geschäft aus den Rechenzentren. In der größten Sparte Smart CMOS & SOI liefen Produktionen für Batteriemanagementsysteme und für Testanwendungen in KI-Rechenzentren an. Zudem erzielte X-FAB einen Design-Win, wurde also in die Entwicklung eines Kundenprodukts aufgenommen: einen Treiberchip für optische Schalter, die Datenströme hinter den Grafikprozessoren über bewegliche MEMS-Spiegel lenken. Macq verglich die Architektur mit der von Google. Der Chip liefert die hohe Spannung, die diese Spiegel benötigen. Exklusiv ist X-FAB dabei nicht, und nennenswerte Stückzahlen erwartet Macq erst in zwei bis drei Jahren. Die Größenordnung macht ihn trotzdem zuversichtlich: "Alle Zahlen, die wir uns ansehen, sind groß.“

In der Photonik wird aus Technologieentwicklung zunehmend bezahlte Kundenarbeit. Die Erlöse aus Entwicklungsleistungen sollen im Jahresvergleich um rund 40 % steigen, gefragt sind vor allem die Integration von Lichtquellen und optische Verbindungen für KI-Infrastruktur. In der Medizintechnik gewann X-FAB Design-Wins für einen Silizium-Photomultiplier in Scannern und für tragbare Ultraschallgeräte. Außerdem stecken Motortreiber und Positionssensoren aus dem Autogeschäft laut Macq zunehmend auch in humanoiden Robotern.

Ein Umbau mit Nebenwirkungen

Die Produktion in einem älteren Standortteil, intern Site B genannt, soll gegen Ende des ersten Quartals 2027 auslaufen. Der Abschied hat Gewicht: Site B steht für rund 80 Mio. USD Jahresumsatz, im kommenden Jahr fehlen dadurch etwa 50 Mio. USD. Gleichzeitig hat in Erfurt der Bau der neuen Mikrosystem-Fab begonnen, gefördert durch den European Chips Act.

Ein Sparprogramm, das vor allem beim Personal ansetzt, soll wegen der Abfindungen in diesem Jahr erst 2027 voll greifen. Gegenläufig wirken die Abschreibungen, denn die Maschinen aus dem Investitionsprogramm der vergangenen drei Jahre von rund 1 Mrd. USD werden bis Jahresende vollständig abgeschrieben. Eine EBITDA-Marge von rund 25 % hält Macq bei einer Auslastung von etwa 75 % für erreichbar, schränkte aber ein, dass sich der Produktmix derzeit stark verändert.

Auf den Mittelzufluss drücken zudem Vorauszahlungen, die Kunden in Zeiten knapper Kapazitäten für langfristige Lieferverträge geleistet hatten. Davon muss X-FAB noch 173 Mio. USD zurückzahlen, rund 20 Mio. USD pro Quartal, den Großteil davon bis Ende 2027.

Profiteur knapper Kapazitäten

Die Fertigungskapazitäten, die X-FAB in den schwachen Jahren aufgebaut hat, könnten sich nun als Vorteil erweisen. Auf die Frage von Deutsche-Bank-Analyst Robert Sanders nach der Lage in der Branche beschrieb Macq einen knappen Markt für ausgereifte Fertigungstechnologien. TSMC habe zwei Fabriken zu Standorten für das Packaging von Rechenzentrumschips umgebaut, Samsung eine Fabrik geschlossen, und die chinesischen Fertiger in diesem Segment seien weitgehend voll ausgelastet. Hinzu kämen steigende Preise und Lieferzeiten für Fertigungsanlagen, weil neue Megafabriken die Ausrüster binden. "Im Moment gibt es nicht viele Fabriken, die von sich sagen können, freie Kapazität zu haben“, sagte Macq. Kunden, die bislang ausschließlich mit taiwanischen Fertigern gearbeitet hätten, suchten nun das Gespräch, einige fragten nach neuen langfristigen Lieferverträgen.

Die Konkurrenz aus China sieht Macq derzeit nicht als Bedrohung, eher im Gegenteil. Chinesische Chipentwickler ohne eigene Fertigung kämen zu X-FAB, weil die heimischen Fabriken ausgelastet seien, und auch die Nachfrage nach Batteriemanagement-Chips stamme direkt aus China. Verlorene Großaufträge an chinesische Wettbewerber könne er nicht melden, auch wenn sich diese vorbereiteten. Das Autogeschäft sieht Macq ohnehin strukturell auf Wachstumskurs. Elektrifizierung und mehr elektronische Funktionen erhöhten die Zahl der Chips pro Fahrzeug, auch wenn weltweit nicht mehr Autos verkauft würden.

Die Analysten wollten vor allem wissen, wie belastbar die Erholung ist. Die Sichtbarkeit bleibt begrenzt, weil die Kunden dank kürzerer Durchlaufzeiten so spät wie möglich bestellen. Der Auftragsbestand reicht drei bis fünf Monate, zwischen Bestellung und Umsatz liegen im Schnitt etwa vier Monate. Ob hinter dem Auftragsschub echte Endnachfrage steckt oder Kunden nur ihre Lager wieder auffüllen, konnte Macq nicht beziffern. Deutliche Anzeichen für einen Lageraufbau sieht er nicht. Kepler-Cheuvreux-Analyst Ruben Devos rechnete den Auftragseingang auf einen Jahresumsatz von rund 880 Mio. USD hoch. Macq nannte die Überlegung nachvollziehbar, verwies aber auf den Wegfall von Site B und legte sich für 2027 nicht fest. Mehr soll es mit den Jahreszahlen am 11. Februar 2027 geben.

Fazit: Das dritte Quartal bringt die Wende im Auftragsbuch, im Ergebnis ist sie noch nicht angekommen. Das Autogeschäft stabilisiert sich, Wide-Bandgap und Rechenzentren liefern Wachstum, und die Engpässe der Branche spielen einem Fertiger mit freien Kapazitäten in die Karten. Dem stehen erhebliche Belastungen gegenüber. Ein EBIT von 4,3 Mio. USD entspricht einer operativen Marge von gut 2 %. Site B kostet im kommenden Jahr rund 50 Mio. USD Umsatz, die Rückzahlung der Kundenvorauszahlungen bindet weiter Liquidität, die Nettoverschuldung liegt bei 315,5 Mio. USD. X-FAB ist eine sehr spekulative Aktie mit enormen Hebel, wenn die Auslastung steigt. Aktuell nur ein Fall für die Watchlist.

Weitere Analysen & News zur Aktie unserer Redaktion findest Du hier.

Jahr 2025 2026e* 2027e*
Umsatz in Mio. EUR 867,00 818,00 902,00
Ergebnis je Aktie in EUR 0,23 0,01 0,24
Gewinnwachstum -95,65% 2300,00%
KGV 24 556 23
KUV 0,8 0,9 0,8
PEG neg. 0,01
*e = erwartet, Berechnungen basieren bei
US-Unternehmen auf Non-GAAP-Daten
X-FAB Silicon Foundries SE-Aktie
Statischer Chart
Live-Chart
  • ()
    L&S
    VerkaufenKaufen

Eröffne jetzt Dein kostenloses Depot bei justTRADE und profitiere von vielen Vorteilen:

✓ 50 Euro Startguthaben bei justTRADE

✓ ab 0 € Orderprovision für die Derivate-Emittenten (zzgl. Handelsplatzspread)

✓ 4 € pro Trade im Schnitt sparen mit der Auswahl an 3 Börsen - dank Quote-Request-Order

Nur für kurze Zeit: Erhalte eine Überraschung von stock3 on top!

Jetzt Depot eröffnen!

Passende Produkte

WKN Long/Short KO Hebel Laufzeit Bid Ask
Keine Ergebnisse gefunden
Zur Produktsuche

Keine Kommentare

Du willst kommentieren?

Die Kommentarfunktion auf stock3 ist Nutzerinnen und Nutzern mit einem unserer Abonnements vorbehalten.

  • für freie Beiträge: beliebiges Abonnement von stock3
  • für stock3 Plus-Beiträge: stock3 Plus-Abonnement
Zum Store Jetzt einloggen