Wie entwickelt sich die Volatilität an den Märkten?
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Boston/Frankfurt (BoerseGo.de) - Angesichts der Aufwärtstendenz an den weltweiten Aktienmärkten in den letzten Monaten haben zahlreiche Anleger die Volatilität möglicherweise aus dem Blick verloren. Jedoch wissen wir alle, dass sie jederzeit wieder nach oben schnellen kann. Kevin Kearns, Portfoliomanager Loomis, Sayles & Company istder Auffassung, dass ein Ende der Konjunkturprogramme der Notenbanken auf Jahre hinaus für erhebliche Volatilität sorgen wird.
Die immer noch zu hohe Verschuldung der Industriestaaten wird in den kommenden Jahren weiterhin für Volatilität sorgen. Für Europa, Großbritannien, die Vereinigten Staaten und Japan gibt es vier Wege aus ihrem untragbaren Schuldendilemma. Sie können es durch ausreichendes Wachstum beenden, Sparmaßnahmen ergreifen, Bankrott gehen – entweder mittels einer „harten“ oder einer „weichen“ Insolvenz, wie etwa in Form der Anhebung des Renteneintrittsalters – oder sie können Geld drucken. Was bislang zu sehen war und sich vermutlich noch einige Zeit fortsetzen wird, ist ein Hin und Her zwischen den Herangehensweisen, wie Kearns in einem aktuellen Marktkommentar schreibt.
Die Frage sei nur: Welcher Weg sei am wenigsten schmerzhaft? Aktuell gebe es über verschiedene Anlageklassen hinweg – etwa Rohstoffe, Aktien, Anleihen und Devisen – zahlreiche Gelegenheiten zur Ausnutzung von Volatilität. So können beispielsweise Verfahren eingesetzt werden, um Carry-Strategien, Einschätzungen zu Zins- und Kreditkurven sowie Relative-Value-Gelegenheiten (Long/Short) zwischen Kassa- und Derivatemärkten zu implementieren, heißt es.
Die Märkte, an denen sowohl offensive als auch defensive Volatilitätsstrategien Erfolg bringen könnten, seien die japanischen Märkte. Grund hierfür sei das im April zur Ankurbelung der Konjunktur des Inselstaates bekannt gegebene beispiellose Programm quantitativer Lockerungsmaßnahmen. Die Ausweitung des dortigen Anleihenkaufprogramms um 1,4 Billionen USD in zwei Jahren sei so enorm, dass für Japan mit einer Verdopplung der Geldmenge gerechnet werde. Offenbar versuche die Bank of Japan eine Inflationsrate von zwei Prozent zu realisieren – bei negativen Realrenditen von ein bis drei Prozent. Sie möchte Anleger dazu bringen, ihre Anleihen zu zeichnen, heißt es weiter.
„Aber werden Investoren sich darauf einlassen, wohl wissend, dass die Bilanz Japans die schlechteste aller Industriestaaten ist und dass das Land mit erheblichen demographischen Herausforderungen konfrontiert ist? Japan weist eine unvorteilhafte demographische Struktur auf. Im Jahr 2025 werden 29 Prozent der Bevölkerung über 65 Jahre alt sein. Das Land hat den weitesten Weg aller G8-Staaten zu beschreiten, um sich seiner Schulden durch Wachstum zu entledigen. Bislang lautete die Strategie, Long-Positionenauf den japanischen Aktienindex Nikkei 225 und Short-Positionenauf den Yen einzugehen. Die große Frage ist jedoch, was mit den japanischen Zinsen geschieht. Angesichts der Unsicherheit bezüglich der Entwicklungsrichtung der Zinsen, bieten sich ein paar attraktive Gelegenheiten im Hinblick auf Zinsvolatilität. Insgesamt hat die Welt zu großes Vertrauen in die Notenbanken gesetzt, obgleich etwa die Hälfte aller bisherigen Rezessionen durch eine fehlerhafte Notenbankpolitik ausgelöst wurde. Daher werden wir im Laufe der nächsten drei bis fünf Jahre, wenn die Notenbanken ihre quantitativen Lockerungsmaßnahmen einstellen, aufmerksam nach Volatilitäts-Ausschlägen Ausschau halten“, so Kearns.
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