OpenAI Umsatz 20 Milliarden unter Erwartung: Oracle und Chipwerte ziehen Nasdaq ins Minus
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Der OpenAI Umsatz liegt laut Financial Times annualisiert bei knapp 50 Milliarden US-Dollar – rund 20 Milliarden weniger als zuletzt geschätzt. Die Meldung drückte am Donnerstag vor allem Oracle und die Halbleiterwerte, der Nasdaq Composite notierte zwischenzeitlich über 1,4 Prozent tiefer.
Das Wichtigste zum OpenAI Umsatz in Kürze
- OpenAI hat Investoren laut Financial Times einen annualisierten Umsatz von knapp 50 Milliarden US-Dollar per Ende September genannt. In vorherigen Schätzungen war noch von fast 70 Milliarden die Rede.
- Die Lücke ist kein Umsatzeinbruch, sondern ein Rechenfehler im Markt: Investoren hatten OpenAIs Zahlen an die Methodik von Anthropic angepasst und dabei zu hoch gegriffen.
- Oracle verlor 5,6 Prozent und war der prominenteste Verlierer. Micron, AMD und Nvidia gaben zwischen 2,9 und 4,8 Prozent ab.
- Der Nasdaq Composite fiel um 345 Punkte auf 27.193 Zähler. Hohe Anleiherenditen und ein steigender Ölpreis belasteten zusätzlich.
50 statt 70 Milliarden: woher die Lücke kommt
OpenAI hat seinen Investoren mitgeteilt, dass der annualisierte Umsatz Ende September auf 50 Milliarden US-Dollar zusteuerte. Das berichtet die Financial Times unter Berufung auf Finanzunterlagen (TechCrunch). Gut eine Woche zuvor hatten Medien noch fast 70 Milliarden gemeldet.
Die Differenz entstand durch einen Vergleich mit dem Konkurrenten Anthropic. Anthropic rechnet Erlöse ein, die über Cloud-Partner wie Amazon Web Services und Google Cloud laufen. OpenAI lässt diese Verkäufe außen vor und weist Netto-Umsätze aus.
Investoren hatten OpenAIs Zahl hochgerechnet, um beide Unternehmen vergleichbar zu machen, und kamen so für August auf 40 Milliarden Dollar. Als OpenAI später ein Wachstum von mehr als 70 Prozent meldete, wurde dieser Wert auf die überhöhte Basis aufgeschlagen (Yahoo Finance). Die 70 Milliarden stammten laut einer mit den Unterlagen vertrauten Person nie von OpenAI selbst (CNN).
OpenAI hat also keine 20 Milliarden Dollar Umsatz verloren. Mit knapp 50 Milliarden läge das Unternehmen aber hinter Anthropic, dessen annualisierter Umsatz mit 65 Milliarden Dollar angegeben wird. Im Gesamtjahr 2025 hatte OpenAI 13,07 Milliarden Dollar umgesetzt. Zum FT-Bericht äußerte sich das Unternehmen nicht.
Oracle: der Großkunde wird zum Risiko
Die Oracle-Aktie schloss 5,6 Prozent tiefer und zählte damit zu den größten Verlierern unter den US-Standardwerten. Im Handelsverlauf lag das Minus zeitweise bei rund 6 Prozent.
Der Grund ist die Abhängigkeit von einem einzigen Kunden. Rund 300 Milliarden von Oracles 664 Milliarden Dollar an verbleibenden Leistungsverpflichtungen entfallen auf OpenAI, also knapp 45 Prozent. Diese Aufträge sind noch kein Umsatz: Oracle muss die Rechenzentren erst bauen und vorfinanzieren, OpenAI muss die Kapazität später bezahlen können.
Genau deshalb reagiert die Aktie so empfindlich auf jede OpenAI-Zahl. Am 29. September hatte die 70-Milliarden-Meldung Oracle noch um 3,9 Prozent nach oben getrieben. Dieser Gewinn ist mit dem heutigen Rücksetzer mehr als aufgezehrt.
Weitere Verlierer: Chips und KI-Infrastruktur
Der Verkaufsdruck traf die gesamte Lieferkette des KI-Ausbaus, von Speicherchips bis zu Cloud-Anbietern.
| Aktie | Tagesveränderung | Bezug zu OpenAI |
|---|---|---|
| Intel | rund −6 % (im Handelsverlauf) | Chipfertiger, profitiert vom KI-Ausbau |
| Oracle | −5,6 % | Cloud-Vertrag über rund 300 Mrd. Dollar |
| Micron | −4,8 % | Speicherchips für KI-Rechenzentren |
| AMD | −3,9 % | KI-Beschleuniger |
| Nvidia | −2,9 % | Wichtigster Lieferant von KI-Chips |
| Microsoft | −1,4 % | Großinvestor bei OpenAI |
Auch Broadcom, CoreWeave und Cerebras gaben nach. Die großen Halbleiter-ETFs von iShares und VanEck verloren zwischen 2 und 3 Prozent. Der Bitcoin fiel um rund 2 Prozent, was zusätzlich die Aktien der Krypto-Miner belastete. Viele von ihnen vermieten inzwischen Rechenzentrumsfläche an KI-Kunden.
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Nasdaq: OpenAI Umsatz-Meldung der Auslöser, nicht die einzige Ursache
Der Nasdaq Composite schloss 1,25 Prozent tiefer bei 27.193 Punkten, ein Minus von 345 Zählern. Der S&P 500 gab 0,5 Prozent auf 7.765 Punkte nach. Der Dow Jones hielt sich dank Chevron und Home Depot mit plus 0,1 Prozent bei 51.231 Punkten.
Der Technologieindex stand schon vor dem FT-Bericht unter Druck. Nach der Veröffentlichung am Mittag beschleunigte sich der Abverkauf: Der Nasdaq 100 verlor binnen etwa einer halben Stunde mehr als 300 Punkte. Für S&P 500 und Nasdaq war es der zweite Verlusttag in Folge.
Zwei weitere Faktoren belasten die hoch bewerteten Wachstumswerte:
- Anleiherenditen: Die zehnjährige US-Staatsanleihe rentiert bei 5,23 Prozent. Die 30-jährige Rendite markierte im Handelsverlauf den höchsten Stand seit 24 Jahren.
- Ölpreis: WTI stieg um 3,6 Prozent auf 91,49 Dollar je Barrel, nachdem Medien über mögliche US-Militärschläge gegen den Iran berichtet hatten. Präsident Trump erklärte am Nachmittag, vor den Zwischenwahlen werde es keinen Angriff geben.
Trotz der beiden Verlusttage notieren S&P 500 und Nasdaq weiter nahe ihrer Rekordhochs von Anfang der Woche.
Einordnung: eine Zahl, an der Billionen hängen
Der annualisierte Umsatz von OpenAI und Anthropic gilt am Markt als wichtigster Gradmesser für die tatsächliche KI-Nachfrage. An ihm hängt die Frage, ob sich die Milliardeninvestitionen in Chips und Rechenzentren rechnen. Eine Korrektur um 20 Milliarden Dollar trifft deshalb genau die Aktien, deren Bewertung auf diesem Ausbau beruht.
Für die Gegenposition spricht das Tempo. Auch 50 Milliarden Dollar bedeuten ein Vielfaches der 13 Milliarden aus dem Vorjahr. Ein Tech-Analyst sagte dem Sender CNBC, eine Verdreifachung des Umsatzes in diesem Jahr bereite ihm keine Sorgen (CNBC).
Offen bleibt, wie belastbar die Kennzahl überhaupt ist. Annualisierte Umsätze sind Hochrechnungen aus wenigen Wochen, keine geprüften Jahreszahlen, und jedes Unternehmen rechnet anders. Mehr Klarheit dürften erst die Börsenprospekte bringen: Anthropics Unterlagen werden in Kürze erwartet, OpenAI hat seinen Börsengang auf frühestens 2027 verschoben.
Für Oracle-Aktionäre bleibt die Lage zweischneidig. Der Auftragsbestand ist riesig, aber fast zur Hälfte von der Zahlungsfähigkeit eines Kunden abhängig, dessen Umsatz der Markt gerade neu einschätzen muss.
Offenlegung wegen möglicher Interessenkonflikte
Der Autor ist in den besprochenen Wertpapieren bzw. Basiswerten zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Analyse nicht investiert.
