Kommentar
08:43 Uhr, 05.01.2026

Von Venezuela über Grönland zum Ende der NATO und einem Chaos-Jahr 2026?

Der Militärschlag der USA in Venezuela hatte sich über Wochen angedeutet und ist verhältnismäßig unblutig geglückt. Aber welche Tür wurde da nun aufgemacht?

Die Börsen lässt Venezuela heute praktisch kalt. Wenn es ein isoliertes Ereignis wäre, könnte man das auch so sehen, zumal es um einen Diktator wie Maduro nicht schade ist. Das werden sich zumindest viele denken.

Die gestern wiederholte Forderung Trumps, dass die USA "Grönland haben müssen", beinhaltet aber massivsten Sprengstoff. Hat man vielleicht davor geglaubt, dass dies eben eines der Trump-Spielchen ist, muss man heute wohl davon ausgehen, dass es auch wirklich passieren wird. Die Frage ist nur, wie ?

Vielleicht schafft Trump es über das aufgebaute Drohszenario (und massive finanziellen Anreize), dass die Grönländer sich "freiwillig" in die Obhut der USA begeben, auf welchem rechtlichen Weg auch immer. Denkbar wäre zum Beispiel ein Referendum, um den USA beizutreten. Oder aber es findet sich eine andere Form der faktischen US-Kontrolle, bei der Grönland formal eigenständig bliebe.

Aber falls nicht, und es käme zu einem Militäreinsatz, einer Besetzung des Territoriums des Nato-Mitglieds Dänemark? Dann wäre die Nato vermutlich am Ende. Und was soll die EU dann machen?

Grönland ist weitgehend autonomes Gebiet, gehört aber auch zu Dänemark. Die Dänen sind unter anderem zuständig für Außen- und Sicherheitspolitik und Verteidigung. Die Grönländer sind EU‑Bürger, Grönland gehört aber nicht zur EU.

Kaum vorstellbar, dass die EU dann die USA nicht sanktionieren würde. ABER: Auch kaum vorstellbar, dass die EU dann die USA sanktionieren würde. Wirtschaftlich katastrophale Folgen wären möglich.

Das ist aber noch nicht alles. Was ist mit der Ukraine und möglichen anderen russischen Opfern in Osteuropa? Putin wird sich jetzt noch viel mehr als vorher denken, dass er genauso tun und lassen kann, was er will – eben wie Trump.

Und was ist mit Taiwan? Die neueste Entwicklung wird sicher nicht dazu beitragen, dass Xi von seinem Plan ablässt, Taiwan zur Not auch militärisch zu erobern - auch wenn die erneut zur Schau gestellte Überlegenheit des US-Militärs Peking erstmal erschrecken dürfte.

Vielleicht fällt auch noch anderen Autokraten in der Welt ein, dass dies doch ein tolles Jahr ist, um zu zeigen, dass das Recht des Stärkeren gilt.

1 Kommentar

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  • masi123
    masi123

    Ob es die Börsen wirklich kalt lässt, muss sich erst noch zeigen. Der endgültige Bruch mit der Nachkriegsordnung (WW II) und die Rückkehr zum archaischen Recht des Stärkeren wird jedenfalls langfristige, negative Folgen auch für die Welt-Wirtschaft haben.

    10:11 Uhr, 05.01.