Kommentar

US-Immobilienwirtschaft wieder im Aufwärtstrend

Der Crash am Immobilienmarkt gilt als Auslöser der globalen Finanzkrise im Jahr 2008. Lange Jahre lag seither die Immobilienbranche darnieder. Doch seit rund zwei Jahren ist der US-Immobilienmarkt wieder auf Erholungskurs. Mancher warnt bereits schon wieder vor erneuten Blasen.

Erwähnte Instrumente

  • iShares STOXX North America 60
    Kursstand: 13,65 € (XETRA Funds) - Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung
    VerkaufenKaufen

Der harte Winter setzte der Immobilienbranche zuletzt wieder etwas zu. Zum dritten Mal in Folge gaben die Hauspreise der 20 größten Ballungsgebiete um 0,1 Prozent nach. Auch die Zahl der Wohnbaubeginne fiel im Februar nach bereits deutlichen Rückgängen im Januar nochmals um 1,1 Prozent. Als Frühindikator gelten jedoch die Baugenehmigungen. Und diese stiegen überraschend deutlich an von 945.000 auf nun 1.018 Millionen. Analysten hatten nur mit einem leichten Anstieg auf 970.000 gerechnet. Und auch wenn die Hauspreise zuletzt geringfügig zurückgingen und damit eine kleine Verschnaufpause einlegten, stiegen die Häuserpreise laut der jüngsten Veröffentlichung des Case Shiller-Index binnen Jahresfrist um rund 13 Prozent, auch wenn der Schwung zuletzt ein wenig nachließ. Bereits im Vorjahr kam es zu einer deutlichen Erholung. Der Hausmarktindex der National Association of Home Builders (NAHB) stieg auf 52 Punkte, den höchsten Wert seit dem Jahr 2007.

Anforderungen an Kreditvergabe sinken wieder

Der noch niedrige US-Leitzins bei einer gleichzeitigen Erholung der US-Wirtschaft verleitet mittlerweile auch wieder bonitätsschwache Schichten zum Hauskauf, darunter auch viele davon, die ihr einstiges Häuschen infolge der Finanzkrise verloren, weil sie ihre Kredite nicht mehr bedienen konnten. Lange Zeit erhielten diese Käuferschichten keine Kredite mehr. Schließlich ist die zurückliegende Immobilienkrise darauf zurückzuführen, dass wenig solvente Kreditnehmer Hypothekenkredite erhielten, die sie dann im Zuge eines Zusammenbruchs des Marktes nicht mehr bedienen konnten. Zuvor wurden die Kredite durch die Preissteigerungen gedeckt. Die Risiken verpackten die Banken dann in undurchsichtige Kreditderivate. Doch mit der nun langfristigen Zurückhaltung bei der Kreditvergabe ist es bei einigen Banken wie Premiere Mortgage Lending oder Wells Fargo inzwischen wieder vorbei. Zwar müssen Käufer mittlerweile aufgrund verschärfter Gesetze zumindest 30 Prozent des Kapitals anzahlen, für die Kredite werden dann allerdings hohe Zinsen von neun Prozent monatlich fällig.

Großinvestoren beherrschen mittlerweile das Immobiliengeschäft

Ein Großteil des Preisanstiegs ist jedoch auf den Kauf zwangsversteigerter Häuser und Immobilien durch Großinvestoren wie die Investmentgesellschaft Blackstone oder den Finanzinvestor Colony Capital zurückzuführen. So kaufte zum Beispiel Blackstone für 3,5 Mrd. US-Dollar 20.000 leerstehende oder zur Zwangsversteigerung angemeldete Einfamilienhäuser, um sie nun gewinnbringend zu verkaufen, wie die „Wirtschaftswoche“ vor kurzem berichtete. Rund die Hälfte der Haustransaktionen erfolgt mittlerweile über Großinvestoren. Ende 2012 waren dies nur 18 Prozent. Zudem geht laut dem Bericht der Wirtschaftswoche das Derivategeschäft unverändert weiter. Verpackt würden derzeit nicht mehr wie vor der Krise die Risiken bei den ausfallstarken Immobilienkäufen sondern die zu erwartenden Mieteinnahmen, mit ebenfalls erheblichen Risiken. Schon mancher Kritiker warnt daher vor der nächsten Immobilienblase. Bis zum Platzen der nächsten Blase dürfte jedoch voraussichtlich noch etwas Zeit vergehen. Denn insgesamt ist das Niveau des Immobilienmarktes noch weit unterhalb des Niveaus des Niveaus von 2005. Wurden beispielsweise in diesem Jahr in den USA rund 2 Millionen Neubauten verzeichnet, so wurden im vergangenen Jahr gerade einmal rund 900.000 gebaut. Zwischenzeitlich fiel die Anzahl sogar auf 500.000. Zudem gibt es noch zahlreiche leerstehende bestehende Häuser, die ebenfalls einen neuen Käufer suchen. An eine Überhitzung ist derzeit also noch nicht zu denken. Und selbst die Ratingagentur Moody’s hat erst vor kurzem empfohlen, die Kreditvergabe weiter zu erleichtern, um den Häusermarkt weiterhin anzukurbeln.

ETF auf US-amerikanischen Immobilienmarkt

Über den iShares STOXX Americas 600 Real Estate Cap UCITS ETF (WKN. A0H076) können Anleger an der erwarteten Erholung des Immobilienmarktes partizipieren. Der Index STOXX Americas 600 Real Estate Index enthält derzeit die 28 größten nordamerikanischen Immobilienaktien und Real Estate Investment Trusts (REITs). Unter letzterem versteht man Anlagevehikel mit dem Geschäftszweck, mittels Verwaltung und Finanzierung von Immobilien möglichst hohe Renditen zu erzielen. Die Gewinne werden hierbei zu einem großen Teil an die Anleger ausgeschüttet. Das macht solche REITS interessant für Investoren. Und REITs wie American Tower REIT, Public Storage REIT oder Equity Residential REIT sind aktuell auch stark im Index gewichtet. Und seit Jahresbeginn ist der ETF bereits mit über 7 Prozent im Plus. Auf 5-Jahressicht erzielte er sogar eine Rendite von +182,97 Prozent.

Fazit: Vorsicht bleibt allerdings trotz der zurückliegenden beeindruckenden Performance geboten. Ein Einbruch der US-Konjunktur dürfte auch den Immobilienmarkt negativ belasten. Und die Rückkehr zu alten Gewohnheiten vor der Krise lässt Zweifel offen für eine nachhaltige Entwicklung des US-Immobilienmarktes. Derzeit scheint sich ein Investment vor allem in US-REITS allerdings zu lohnen.

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Über den Experten

Markus Jordan
Markus Jordan
Finanzmarktanalyst

Markus Jordan ist seit knapp 20 Jahren im Wertpapierbereich aktiv. Er ist ein ausgewiesener Experte für Exchange Traded Funds (ETFs) und darauf basierende Anlagestrategien. Seit 2008 veröffentlicht er Deutschlands zudem das führende Magazin im Bereich Exchange Traded Funds (ETFs) – das EXtra-Magazin. Auf dem Internetportal www.extra-funds.de veröffentlicht er regelmäßig Fachbeiträge und News zum Thema passive Anlagestrategien. In zahlreichen Vorträgen und Webinare hat er in den vergangenen Jahren tausende Anleger von den Vorteilen passiver Anlageinstrumente überzeugt. Er steht für passive Anlagestrategien, Portfoliostrukturierungen mit ETFs und bietet Wissen und Strategien für einen langfristigen Kapitalaufbau und ist damit eine perfekte Ergänzung zu den aktiven Handelsstrategien vieler anderer Experten auf Guidants.

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