Expertenkommentar

US-Arbeitsmarktdaten: Gut und schlecht zugleich

Seit Veröffentlichung des Arbeitsmarktberichts für November am vergangenen Freitag wird darüber debattiert, ob die Zahlen gut oder schlecht waren. Sie waren beides.

Der vollständige Arbeitsmarktbericht enthält so viele Zahlen, dass man am Ende hineinlesen kann, was man will. Die größte Aufmerksamkeit erhält jedoch nur eine Zahl. Das ist die Zahl der neu geschaffenen Stellen. Diese lag bei 210.000. Erwartet wurden über 500.000. Auf den ersten Blick war der Bericht enttäuschend. Kaum waren die Zahlen veröffentlicht, meldeten sich Analysten und sogar Notenbanker zu Wort, dass diese eine Zahl das Gute verschleiert. Die Zahl der neu geschaffenen Stellen wird aufgrund von einer Umfrage ermittelt, die an Unternehmen geht. Es gibt jedoch auch noch eine zweite Umfrage, die an Privathaushalte geht. Bei dieser zweiten Umfrage sehen die Zahlen deutlich besser aus. Geht es nach den Unternehmen, wurden 210.000 Stellen geschaffen. Geht es nach der Haushaltsumfrage waren es ca. 1 Mio. Jobs, die entstanden sind. Das ist der beste Wert seit Oktober 2020.

Mittelfristig müssen die Werte aus beiden Umfragen übereinstimmen. Entweder hat jemand einen Arbeitsplatz oder er hat ihn nicht. Kurzfristig stimmen die Zahlen nicht unbedingt überein. Dafür gibt es viele Gründe. Privathaushalte könnten z.B. anders interpretieren, was es heißt, einen Job zu haben.

Seit Beginn der Pandemie gab es immer wieder Abweichungen. Insgesamt liegen die Werte beider Umfragen jedoch nah beieinander. Geht es nach den Haushalten, fehlen zum Vorkrisenniveau noch 3 Mio. Jobs. Unternehmen geben 2,7 Mio. an. Das sind Werte, die relativ nah beieinanderliegen (Grafik 2).


Einige Analysten argumentieren, dass man der Haushaltsumfrage aktuell mehr Vertrauen schenken sollte. Als Grund wird die Saisonbereinigung genannt. Saisonal werden im Januar Stellen gestrichen. Die Feiertage sind vorüber, sodass etwa im Gastgewerbe einige Stellen wegfallen. Winterwetter führt zudem zu einer geringeren Nachfrage etwa im Bau.

Da dieser Saisoneffekt vorhersehbar ist und jedes Jahr auftritt, werden die Zahlen geglättet. Anstatt eines Jobverlustes steht im Januar ein Stellenaufbau (Grafik 3). An dieser Saisonbereinigung hat sich grundsätzlich nichts verändert.


Seit Beginn der Pandemie versuchen die Statistiker auch die Covid-Effekte zu bereinigen. Das führt zu größeren Adjustierungen in den einzelnen Monaten (Grafik 4). Die Volatilität nimmt zu und keiner weiß tatsächlich, ob richtig adjustiert wurde.


Aus diesem Grund schenken viele der Haushaltsumfrage mehr Beachtung. Dort sieht die Lage gut aus. Inzwischen geben nur noch 1,2 Mio. an, dass sie eine Vollzeitstelle wollen. Zu Beginn der Pandemie waren es 17 Mio. Der Arbeitsmarkt hat aus dieser Perspektive die Folgen der Pandemie fast wettgemacht.

Die Zahlen wirken schlecht, doch insgesamt ist die Beschäftigungslage gut und die Pandemie fast vergessen. Das ist die gute Nachricht. Sie ist auch gleichzeitig die schlechte. Vertraut man der Haushaltsumfrage ist die Lage auf dem Arbeitsmarkt für Unternehmen sehr angespannt. Es herrscht mehr oder minder Vollbeschäftigung, Arbeitgeber finden keine Arbeitnehmer und Lohnforderungen werden immer höher. Die schlechte Nachricht ist ein angespannter Arbeitsmarkt, dessen Lage sich verschlechtert, nicht verbessert. Für die Inflation bedeutet das weiter Öl ins Feuer.

Clemens Schmale


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Über den Experten

Clemens Schmale
Clemens Schmale
Finanzmarktanalyst

Clemens Schmale hat seinen persönlichen Handelsstil seit den 1990er Jahren an der Börse entwickelt.

Dieser gründet auf zwei Säulen: ein anderer Analyseansatz und andere Basiswerte. Mit anders ist vor allem die Kombination aus Global Makro, fundamentaler Analyse und Chartanalyse sowie Zukunftstrends gemeint. Während Fundamentaldaten und Makrotrends bestimmen, was konkret gehandelt wird, verlässt sich Schmale beim Timing auf die Chartanalyse. Er handelt alle Anlageklassen, wobei er sich größtenteils auf Werte konzentriert, die nicht „Mainstream“ sind. Diese Märkte sind weniger effizient als andere und ermöglichen so hohes Renditepotenzial. Sie sind damit allerdings auch spekulativer als hochliquide Märkte. Die Haltedauer einzelner Positionen variiert nach Anlageklasse, beträgt jedoch meist mehrere Tage, oft auch Wochen oder Monate.

Rohstoffe, Währungen und Volatilität handelt er aktiv, in Aktien und Anleihen investiert er eher langfristig. Die Basiswerte werden direkt – auch über Futures – oder über CFDs gehandelt, in Ausnahmefällen über Optionen und Zertifikate.

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