Analyse
11:55 Uhr, 19.05.2026

UNIPER - Bund will aussteigen und nur die Sperrminorität (25%) behalten

Dreieinhalb Jahre nach der Teil-Verstaatlichung des Energieversorgers bereitet die Bundesregierung den Exit vor, berichtet die Süddeutsche Zeitung. Gesucht werden strategische Partner, zur Not könnte auch der gestaffelte Exit über die Börse gesucht werden.

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Die Bundesregierung startet offiziell den Verkauf ihrer Anteile am Energiekonzern Uniper und peilt Einnahmen im hohen einstelligen Milliardenbereich an. Nach der staatlichen Rettung Ende 2022 hält der Staat aktuell 99,1 % der Papiere. Auf Vorgabe der EU-Kommission muss dieser Anteil bis Ende 2028 auf 25 % plus eine Aktie sinken. Der Börsenwert des Düsseldorfer Unternehmens beläuft sich auf gut 18 Mrd. EUR.

Im Q1/2026 hat Uniper 17,34 Mrd. EUR umgesetzt und dabei immerhin ein bereinigtes EBITDA von 407 Mio. EUR erzielt. Für das Gesamtjahr 2026 rechnet Uniper unverändert mit einem bereinigten EBITDA in einer Bandbreite von 1,0 Mrd. EUR bis 1,3 Mrd. EUR. Der bereinigte Konzernüberschuss soll zwischen 350 Mio. EUR und 600 Mio. EUR liegen.


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Strategische Investoren statt Aufspaltung

Interessenten können sich bis zum 12. Juni 2026 beim Finanzministerium melden. Die Regierung präferiert Energieunternehmen oder Pensionsfonds, die den Konzern als Ganzes bewahren wollen. Reine Finanzinvestoren, die auf schnelle Gewinne durch Zerschlagung spekulieren, schließt das Ministerium aus. Am Markt zirkulieren bereits Namen potenzieller Käufer, darunter die norwegische Equinor-Gruppe und der staatliche Energiekonzern Taqa aus Abu Dhabi.

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Im Juli und August führt der Bund erste Gespräche mit ausgewählten Kandidaten, heißt es in der SZ. Verlaufen diese Verhandlungen erfolgreich, arbeiten die Parteien im September und Oktober die Verträge aus. Der formelle Abschluss erfolgt dann im November., wenn alles glatt läuft.

Parallele Vorbereitung der Aktienplatzierung

Um den Preis in den Verhandlungen abzusichern, fährt das Finanzministerium eine Doppelstrategie. Parallel zur direkten Investorensuche bereiten die Beamten eine Platzierung von Aktien an der Börse für Anfang 2027 vor. Ein kompletter Verkauf über den Kapitalmarkt gilt freilich als sehr unwahrscheinlich. Der Markt absorbiert eine derartige Menge kaum ohne massive Preisabschläge.

Am wahrscheinlichsten bleibt ein Hybridmodell. Dabei gewinnt der Staat ein oder zwei strategische Ankerinvestoren und verkauft einen kleineren Teil der Anteile schrittweise über die Börse über einen längeren Zeitraum, und behält am Ende 25 %. Eine alternative Lösung aus dem Inland scheiterte endgültig. Die Politik verwarf die Fusion von Uniper mit dem ebenfalls verstaatlichten Gasimporteur Sefe. Wirtschaftsministerin Katherina Reiche und Finanzminister Lars Klingbeil stoppten das Vorhaben. Die EU-Kommission hätte weitreichende Verkäufe von Unternehmensbereichen gefordert. Zudem werteten die Minister bilanzielle Altrisiken bei Sefe als zu große Gefahr für einen neuen Gesamtkonzern.

Neuausrichtung aus eigener Kraft

Uniper profitiert von einer gestärkten Marktposition und einem rigorosen Risikomanagement. Um geopolitische Preisschocks abzufedern, verzichtet das Unternehmen vollständig auf Flüssigerdgas aus dem Nahen Osten. Uniper behauptet zudem seine Position als größter Gasimporteur und wichtigster Speicherbetreiber der Bundesrepublik. Das Management fokussiert sich auf die Ausschreibungen des Bundes für neue Gaskraftwerke ab Sommer 2026. Das bestehende Portfolio bleibt derweil unangetastet. Die bayerischen Wasserkraftwerke verbleiben dauerhaft im Konzernbesitz.

Happy End für die Steuerzahler?

Der Staat pumpte im Jahr 2022 knapp 13,5 Mrd. EUR an direkten Hilfen in das Unternehmen, um eine Gasmangellage abzuwenden. Mittlerweile zahlte Uniper 3,2 Mrd. EUR zurück. Hinzu kommen regelmäßige Dividenden für den Bund. Sollte der Bund es schaffen, seinen Anteil in etwa auf dem aktuellen Kursniveau oder auch leicht darunter zu platzieren, wird aus der damaligen Notrettung sogar noch ein hochprofitables Geschäft, obwohl 25 % in der Hand des Staates bleiben.

Wahrscheinlicher dürfte aber ein Kursabschlag sein. Wenn man sich die oben erwähnte Jahresprognose anschaut, kann man man in etwa mit einem Gewinn von rund 400-500 Mio. EUR für das Gesamtjahr 2026 rechnen. Der aktuelle Börsenwert beträgt 18 Mrd. EUR. Das passt nicht zusammen, zumal Uniper auch noch mit 4,4 Mrd. EUR netto verschuldet ist. Auf dem Niveau wird ein Verkauf schwierig bis unmöglich.

Für den Steuerzahler winkt also wirklich ein Happy End. Die verbliebenen freien Aktionäre sollten aber ein mögliches Aufbäumen des Kurses im Zuge der Verhandlungen eher zu einem unhappy exit nutzen.

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