Fundamentale Nachricht

Studie der OECD zeigt, was im Kampf um Chancengleichheit wichtig ist

Die in 27 OECD-Ländern erhobenen Daten geben einen Einblick in die Einstellung der Menschen zur Chancengleichheit und welche Rolle Unternehmen, Institutionen und weitere Akteure haben, um sie für alle Menschen sicherzustellen.

Ungleichheit ist seit Jahren weltweit ein wichtiges Thema. Die Corona-Pandemie hat die Unterschiede noch weiter in den Vordergrund gerückt. Die OECD stellt ab sofort eine Reihe von Kurzberichten auf ihrer Website vor, in denen die wichtigsten Ergebnisse der von Amundi unterstützen OECD-Umfrage "Risks that Matter Survey 2022" vorgestellt werden. Die Kurzberichte zeigen, welche Bedeutung Menschen verschiedenen Aspekten von Ungleichheit beimessen. Im Fokus stehen dabei Faktoren, die sich der Kontrolle des Einzelnen entziehen und Chancenungleichheit prägen, die Rolle bestimmter Akteure bei der Verringerung der Ungleichheit sowie der Blick auf politische Maßnahmen.

Jean-Jacques Barbéris, Director of the Institutional and Corporate Clients Division & ESG bei Amundi, sagt: „Die in 27 OECD-Ländern erhobenen Daten zeigen, wie besorgt die Menschen über das derzeitige Ausmaß an wirtschaftlicher Ungleichheit sowie über fehlende Möglichkeiten zur gesellschaftlichen Veränderung sind. Der Großteil der Befragten fordert mehr kollektive Maßnahmen zur Verringerung von Ungleichheit und eine aktivere Rolle der Privatwirtschaft, um diese Probleme zu verringern. Die größten Herausforderungen liegen dabei noch vor uns."

Romina Boarini, Director at the OECD Centre on Well-being, Inclusion, Sustainability and Equal Opportunity (WISE), ergänzt: „Mit der Unterstützung von Amundi konnten wir neue Daten über die Wahrnehmung der Ungleichheit erheben und so viele Wissenslücken schließen, die im Mittelpunkt der öffentlichen Debatte in vielen OECD-Ländern stehen. So haben unsere Daten beispielsweise gezeigt, dass der öffentliche Sektor und die Privatwirtschaft genauso wie die Gesellschaft und das Individuum eine zentrale Rolle bei der Bekämpfung von Ungleichheit und mangelnden Chancen spielen. Die Sorge über diese Ungleichheit schlägt sich auch in der Befürwortung verschiedener Maßnahmen auf politischer Ebene nieder, die weit über Steuern und Sozialtransfers hinausgehen."

Die wichtigsten Ergebnisse der am 28. November vom WISE-Centre der OECD veröffentlichten Studie "People's perceptions of equal opportunity" werden in drei „Policy Insights“ kurz vorgestellt:

Harte Arbeit, Privilegien oder Glück: Was ist wichtig, um im Leben weiterzukommen?

Die wichtigsten Erkenntnisse:

  • Im Durchschnitt sind zwei von drei Befragten der Meinung, dass mehr für die Chancengleichheit getan werden sollte.
  • Die Mehrheit der Befragten (im Durchschnitt 60 %) ist der Ansicht, dass „harte Arbeit“ für die soziale Stellung wesentlich oder sehr wichtig ist, während die meisten Menschen aber auch denken, dass dies nicht der einzige Erfolgsfaktor ist.
  • Knapp 43 % der Befragten sind der Meinung, dass Faktoren, auf die man keinen Einfluss hat, wie zum Beispiel das Geburtsland oder die Tatsache, dass man gut ausgebildete Eltern hat, ausschlaggebend für den eigenen Erfolg sind.
  • Das Schicksal scheint beim Einkommen eher für die negativen Entwicklungen zuständig zu sein: Umstände, die sich der Kontrolle der Menschen entziehen – wie zum Beispiel Glück, haben in der Wahrnehmung mehr Einfluss auf schlechte als auf gute Ergebnisse.
  • Diejenigen, die „harte Arbeit“ betonen, sehen Einkommensunterschiede als Belohnung für die Anstrengung.


Welche Rolle haben verschiedene Akteure bei der Bekämpfung von Ungleichheit?

Die wichtigsten Erkenntnisse:

  • Fast 70 % der Befragten sind besorgt über das derzeitige Ausmaß der wirtschaftlichen Ungleichheit in der Gesellschaft und hinterfragen die Verteilung von Ressourcen. Die Ungleichheit ist nicht nur wirtschaftlicher Natur; sie geht weit über das Einkommen hinaus und betrifft alle Lebensbereiche von Menschen, wie z. B. die politische Macht der Bürger, die jeweilige Repräsentanz und Bildung.
  • Für die große Mehrheit der Befragten (70 %) liegt die Verantwortung für die Verringerung der wirtschaftlichen Ungleichheit bei einer Vielzahl von Akteuren. Hier zeigen sich auch deutliche Altersunterschiede: Junge Befragte sehen eher die Regierungen, NGOs und alle Bürgerinnen und Bürger in der Pflicht. Ältere Befragte (54 Jahre und älter) fordern eher die Beteiligung des privaten Sektors und wohlhabender Einzelpersonen, um wirtschaftliche Ungleichheit zu bekämpfen.

Maßnahmen gegen Ungleichheit

  • Die Befragten sprechen sich nachdrücklich für konkrete Maßnahmen zur Förderung der Chancengleichheit aus:
    • 46 % sind für einen besseren Zugang zur Bildung
    • 52 % befürworten die Erhöhung des Mindestlohns.
  • Umverteilungsmaßnahmen wie die Besteuerung von Spitzenverdienern oder die Ausweitung von Leistungen für Geringverdiener werden von weniger als 40 % befürwortet.
  • Die Maßnahmen der Privatwirtschaft werden als ein wichtiger Hebel angesehen:
    • Zwei Drittel der Befragten sind der Meinung, dass die Privatwirtschaft eine wichtige Rolle bei der Verringerung der Einkommensungleichheit spielen kann, indem sie den am schlechtesten bezahlten Mitarbeitenden faire Löhne bietet.
    • Mehr als 40 % der Befragten sind der Meinung, dass die Privatwirtschaft ebenfalls gegen Lohnunterschiede vorgehen sollte.
  • Die Präferenzen für politische Maßnahmen variieren je nach dem Grad der Ungleichheit und der sozialen Mobilität innerhalb eines Landes.
    • In Umfeldern mit einem hohen Maß an Ungleichheit bevorzugen die Befragten Maßnahmen, die auf einkommensschwache Haushalte abzielen.
    • In Ländern mit eingeschränkter sozialer Mobilität zwischen den Generationen neigen die Befragten zu Maßnahmen, die Spitzenverdiener belasten, wie z. B. eine Erhöhung der Einkommenssteuer.
  • Einkommen und Alter beeinflussen die Antworten erheblich.
    • Wohlhabendere Befragte neigen dazu, Maßnahmen zur Verbesserung der Chancengleichheit den Vorzug zu geben, während die Unterstützung für Umverteilung mit dem Einkommen abnimmt.
    • Die Befragten befürworten hier auch eher die Maßnahmen, die auf Wettbewerb abzielen, und höhere Steuern für Spitzenverdiener, wenn diese älter werden.

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