Stockstreet-Neujahrsaktion +++ Das Arbeitsmarkt-Rätsel, das keines ist
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Das Arbeitsmarkt-Rätsel, das keines ist
Am Freitag gab es in den USA die Arbeitsmarktzahlen für Dezember. Danach wurden dort im vergangenen Monat 50.000 neue Jobs geschaffen. Die Zahlen der beiden Vormonate wurden um -68.000 (Oktober; von -105.000 auf -173.000) bzw. -8.000 (November; von +64.000 auf +56.000) revidiert.
Der DODGE-Effekt auf dem US-Arbeitsmarkt
Damit sieht das aktuelle Bild bei den neu geschaffenen Stellen so aus:
Zwei Dinge fallen auf: Erstens, der starke Rückgang der Stellen im Oktober, der – wie gerade erwähnt – zudem durch die aktuelle Revision nochmals verstärkt wurde. Und zweitens, der offenbar schwache Stellenaufbau seit Mai (gelbes Rechteck).
Ersteres ist der sogenannte DODGE-Effekt. Zur Erinnerung: Nach der Amtsübernahme von Präsident Trump wurde Elon Musk als Chef der DODGE-Behörde eingesetzt, welche die behördlichen Abläufe optimieren sollte. Wesentlicher Teil dieser Maßnahmen war die Entlassung Tausender Staatsangestellter, denen ein Ausscheiden per Ende September 2025 "nahegelegt" wurde.
Diese Personen bzw. ihre Stellen gingen also im Oktober als einmaliger starker Stellenabbau in die Statistik ein.
Eine außergewöhnliche Diskrepanz
Aber selbst, wenn man diesen Effekt unberücksichtigt lässt, ergibt sich seit Mai nur ein äußerst schwacher Stellenaufbau von durchschnittlich 38.000 pro Monat. Zuvor waren es in der Nach-COVID-Phase ab März 2023 durchschnittlich 167.000 pro Monat.
Diese Diskrepanz wird in den Medien und von vielen Ökonomen bis hin zur Fed als "Arbeitsmarktschwäche" interpretiert. Entsprechend werden Konjunkturängste geschürt (und die Zinsen gesenkt).
Die Frage ist nur, ob diese Interpretation korrekt ist – schließlich sind echte Bremsspuren in der Wirtschaft noch nicht zu erkennen. Und diese müssten ja den Arbeitsplatzverlusten bzw. einem geringeren Jobaufbau vorausgehen. Doch die Gewinne der Unternehmen sprudeln kräftig, von Konjunkturdelle oder gar Rezession keine Spur!
No hiring, no firing
Hinzu kommt, dass offenbar auch nicht übermäßig viele Menschen entlassen werden. Die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe bleiben jedenfalls auf relativ niedrigem Niveau; sie steigen vor allem nicht. Das wäre aber bei steigender Arbeitslosigkeit der Fall, wie die Historie zeigt:
In vielen Fälle steigt sogar schon die Zahl der Erstanträge (rote Kurve) seit ihrem Tief deutlich, bevor die Arbeitslosenquote (blaue Kurve) zu steigen beginnt (siehe rote Ellipsen). Aktuell ist es jedoch so, dass die Erstanträge auf ihrem niedrigen Niveau seitwärts laufen, während die Arbeitslosenquote steigt. Und am äußersten rechten Rand geht die "Schere" sogar schon deutlich auf.
Es gibt also einerseits deutlich weniger Neueinstellungen, andererseits auch keine stärkeren Entlassungen. (Dass die Arbeitslosenquote dennoch steigt, hat vermutlich andere Gründe; dazu gleich mehr.) Beobachter beschreiben diese Situation daher treffend als "No hiring, no firing".
Der ICE-Effekt auf dem US-Arbeitsmarkt
Hintergrund ist der "ICE-Effekt", also die Migrations- und Einwanderungspolitik der US-Regierung, die nicht nur kaum noch jemanden ins Land lässt, sondern vor allem massenhaft Abschiebungen vornimmt.
Dadurch sinkt das Angebot an Arbeitskräften, sodass trotz vielfach fehlender Beschäftigter neue Stellen nicht mehr besetzt werden können. Die Zahl neu geschaffener Stellen also sinkt zwangläufig (blaue Säulen in der ersten bzw. der folgenden Grafik). Das ist jedoch kein Zeichen für einen schwachen Arbeitsmarkt, sondern für die sinkende Zahl von Jobsuchenden!
Die sogenannte Breakeven-Beschäftigung, also die nötige Zahl neuer Jobs, damit die US-Wirtschaft wächst, sinkt so ebenfalls. Schätzungen der Fed bzw. anderer Institutionen (gelbe Kurve/rote Punkte) sehen einen drastischen Rückgang dieses Parameters.
Warum die US-Politik die Wirtschaft schwächen statt stärken könnte
Das Rätsel, warum der Arbeitsmarkt in den USA scheinbar schwächelt, aber andere Konjunkturprobleme nicht auszumachen sind, ist also keines. Das Phänomen ist eine zwangsläufige Folge der US-Politik.
Und da sich dadurch auch die Gesamtzahl der Arbeitskräfte ändert sowie die Zahl derer, die überhaupt noch Arbeit suchen (weil sie sich eventuell verstecken müssen) unterliegt womöglich auch die Arbeitslosenquote einem systemischen Fehler. Zumal diese Größe durch eine Haushaltsumfrage ermittelt wird – und da dürften diejenigen, die von Abschiebung bedroht sind wohl auch kaum noch mitmachen…
Diese Diskussion hat jedoch nicht nur eine statistisch-akademische Komponente, sondern am Ende vielleicht auch gravierende volkswirtschaftliche Folgen: Weniger Arbeitskräfte schaffen weniger, die Gesamt-Lohnsumme sinkt und damit wächst auch das Bruttoinlandsprodukt (BIP) nicht mehr so stark – oder sinkt sogar. Statt die Wirtschaft anzukurbeln, könnte sie also durch die Politik der US-Regierung sogar zu schwächeln beginnen.





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