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Kommentar
10:11 Uhr, 22.06.2026

RWE vor Amprion-Coup?

Der Energiekonzern RWE könnte vor einer strategisch bedeutsamen Erweiterung seines Engagements im deutschen Stromnetz stehen. Laut einem Bericht von Bloomberg führt RWE fortgeschrittene Gespräche über den Erwerb weiterer Anteile am Übertragungsnetzbetreiber Amprion. Im Fokus stehen dabei Beteiligungen von bis zu 17 % des Versicherers Swiss Life sowie rund 24 % der Beteiligungsgesellschaft AEBG. Da diese Anteile über die Holding M31 gehalten werden, könnte sich die wirtschaftliche Beteiligung von RWE an Amprion von derzeit 25,1 % auf etwa 55 % erhöhen.

Die kolportierte Bewertung von Amprion liegt bei rund 10 Mrd. Euro Eigenkapitalwert. Auf Basis des bereinigten Jahresüberschusses von 672 Mio. Euro für 2025 entspräche dies einem KGV von rund 15. Angesichts des erwarteten Wachstums der regulierten Vermögensbasis (RAB) von durchschnittlich 27 % pro Jahr bis 2030 dürfte das Bewertungsniveau auf Basis der 2026er-Gewinne auf etwa 12,5 sinken. Damit würde Amprion weiterhin unter der Bewertung vergleichbarer europäischer Netzbetreiber gehandelt.

Für RWE wäre die Transaktion vor allem finanziell attraktiv. Analysten von Jefferies schätzen, dass die zusätzliche Beteiligung bereits 2026 einen positiven Ergebnisbeitrag von rund 90 Mio. Euro liefern könnte. Das entspräche einer Gewinnsteigerung von etwa 5 % gegenüber den bisherigen Schätzungen. Trotz eines potenziellen Kaufpreises von rund 3 Mrd. Euro würde sich die Verschuldung lediglich von aktuell 2,6 auf etwa 3,1 Mal EBITDA erhöhen und damit weiterhin innerhalb der von RWE angestrebten Bandbreite von 3,0 bis 3,5 bewegen.

Strategisch würde RWE damit sein Engagement in einem besonders attraktiven Bereich des Energiesektors ausbauen. Übertragungsnetze profitieren von langfristig regulierten Erträgen und erheblichen Investitionen in den Ausbau der Strominfrastruktur. Angesichts des anhaltenden Ausbaus erneuerbarer Energien und der Elektrifizierung von Industrie und Verkehr dürfte der Investitionsbedarf in den kommenden Jahren weiter deutlich steigen.

Fazit: Sollte die Transaktion zustande kommen, wäre sie aus Investorensicht klar positiv. RWE könnte freie Bilanzkapazitäten in ein wachstumsstarkes und defensives Infrastrukturgeschäft investieren, das attraktive Renditen bei vergleichsweise geringem Risiko verspricht und gleichzeitig das Gewinnwachstum des Konzerns unterstützt.

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