pfp Advisory: "Was kann den AI-Boom aus der Kurve werfen?"
- Lesezeichen für Artikel anlegen
- Artikel Url in die Zwischenablage kopieren
- Artikel per Mail weiterleiten
- Artikel auf X teilen
- Artikel auf WhatsApp teilen
- Ausdrucken oder als PDF speichern
Erwähnte Instrumente
- VerkaufenKaufen
Schnell. Sicher. Direkt.Trading über stock3 war noch nie so einfach.
Mehr erfahren Nein, danke
1. September 2026. FRANKFURT (pfp Advisory). Wenn es um die Relevanz von Künstlicher Intelligenz (KI) geht, finden sich verschiedene Meinungen. Sie haben aber durchaus die Gemeinsamkeit, dass sie alle sehr klar sind. Die Vertreter des optimistischen, positiv gestimmten Lagers sehen in der KI eine bahnbrechende Technologie, die unser Leben und unsere Wirtschaft schon sehr zeitnah in fast allen Bereichen grundlegend verändern wird. Sie unterstreichen die Bedeutung der KI für die größten und wertvollsten Unternehmen der Welt und zeigen sich von der Dominanz der KI-Firmen an den Kapitalmärkten und den extrem hohen Renditen, die etwa die Speicherchiphersteller generieren, tief beeindruckt.
Aber auch die Skeptiker sehen sich nicht eines Besseren belehrt, sondern in breiter Hinsicht bestätigt. Skepsis in Richtung KI heißt in der Regel nicht, die (wachsende) Bedeutung kleinzureden. Vielmehr drehen sich kritische Töne zu diesem Thema meistens um zwei Aspekte:
1. Die Gefahr, die von der KI ausgeht und im schlimmsten Fall in einem Katastrophen-Szenario endet, wie es Filmfreunde seit den frühen 80er Jahren aus der „Terminator“-Filmreihe kennen. Diese Sorge, die ich durchaus nachvollziehen kann, will ich hier nicht weiter vertiefen.
2. Der Börsenhype um die KI-Werte wird als Blase gesehen, die über kurz oder lang platzen muss.
Genau diese These, so fällt mir auf, wird auf jedem Event mit Kapitalmarktprofis im offiziellen Programm und im Small Talk gleichermaßen kontrovers diskutiert. Dabei liegen die Argumente, hier deutlich verkürzt wiedergegeben, klar auf der Hand: Die Optimisten verweisen auf die fulminanten Wachstumsraten, Gewinne und Gewinnmargen, mit denen Konzerne wie vor allem der bereits absolut am teuersten bewertete Konzern der Welt, Nvidia, Quartal für Quartal glänzen. Anlegerinnen und Anleger beobachten hier zweifelsohne etwas Besonderes mit zum Teil historischen Ausmaßen.
Und genau hier sehen die Skeptiker auch die Ansätze für Bedenken: Derart hohe Gewinnmargen, wie sie etwa im Geschäft mit Hochleistungsspeicherchips erzielt werden, waren in der Wirtschaftsgeschichte selten nachhaltig. Und in der Qualität von Cash Flows und Gewinnzusammensetzung (mittlerweile stark von Bewertungsgewinnen in miteinander stark verbundenen Zirkeln beheimatet) finden sich viele durchaus diskutable Aspekte und Trends. Gerne wird auch der Vergleich zur Einführung früherer bahnbrechender Technologien gezogen, etwa die Anfangszeit der Eisenbahnen oder des Internets. Stets blieb die Technologie als solche der Welt erhalten, die im Nachhinein übertriebene Börseneuphorie indes fand ein jähes Ende.
Der Knackpunkt an diesem an sich nachvollziehbaren Szenario (also dass die KI sich in der Breite durchsetzt, die Euphorie der Märkte über die Pionierunternehmen sich aber stark abkühlen wird) habe, ist wie so oft an der Börse: Das Timing. Oftmals führen gerade starke Trends viel weiter, als Anleger es vorher geahnt haben. Ohne hellseherische Fähigkeiten wird es kaum möglich sein zu erkennen, wann die Schalter einmal nachhaltig umgelegt werden. Also sollte ich hier auch nicht spekulieren und mache es nicht.
Angeknüpft an das Thema, WANN es zum Trendbruch kommt, ist die Frage, WARUM die Märkte umsteuern werden (wenn man an das Szenario glaubt) vielleicht der etwas spannendere und visiblere Komplex. Dabei meine ich mit „warum“ nicht den fundamentalen Unterbau (der ist oben schon beschrieben etwa mit Bewertung, Euphorie, Zirkularität und nicht nachhaltigen Margen), sondern den Auslöser: Zumindest manchmal gibt es externe Schocks, die in der Breite dazu führen, dass sich Dinge ändern und Anleger auch als Reaktion umorientieren.
Bis vor Kurzem hätte ich dieses mögliche Ereignis immer technologisch verortet, analog dem „Deep-Seek-Schock“ im Januar 2025, der die Elite der KI-Industrie plötzlich und hart, allerdings nicht nachhaltig traf. Mit den Entwicklungen der vergangenen Wochen baut sich indes ein ganz anderes Feld auf, das nachhaltig beobachtungswürdig scheint: Der Bond-Markt. Nachdem der gefühlt unendliche Kapitalhunger der KI-Industrie dazu führte, dass die Masse an Anleihen so stark mit den US-Treasuries und anderen Staatsanleihen konkurrierte, dass die Renditen in die Höhe schossen und die Refinanzierung der meistens hoch verschuldeten westlichen Staaten deutlich erschwert wurde, war die Aufregung groß und sie wird es auch bleiben, denn es kann hier auch für die KI-Firmen zu teuer werden. Gleich, ob man optimistisch oder pessimistisch auf den ganzen KI-Hype schaut: Der Blick auf den Bondmarkt sollte sich auch in den kommenden Quartalen lohnen.
Von Roger Peeters, 1. September 2026, © pfp Advisory
Über den Autor
Roger Peeters ist geschäftsführender Gesellschafter der pfp Advisory GmbH. Gemeinsam mit seinem Partner Christoph Frank steuert der seit über 25 Jahren am deutschen Aktienmarkt aktive Experte den DWS Concept Platow (<LU1865032954>), einen 2006 aufgelegten und mehrfach ausgezeichneten Stock-Picking-Fonds, sowie den im August 2021 gestarteten pfp Advisory Aktien Mittelstand Premium (<LU2332977128>). Weitere Infos unter www.pfp-advisory.de. Peeters ist weiterhin Mitglied des Vorstands der Deutschen Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management (DVFA) e.V. Roger Peeters schreibt regelmäßig für die Börse Frankfurt.
