Kommentar
08:50 Uhr, 27.10.2011

Palladium – Das Edelmetall im Schatten von Silber und Gold

Mit der Verleihung des Nobelpreises an ein Forscher-Trio im Jahr 2010 geriet das Edelmetall Palladium erneut in den Fokus der Weltöffentlichkeit. Mit Palladium als Katalysatormaterial war es drei Forschern gelungen, Kohlenstoff zu komplexen Molekülen zu verbinden und damit die Katalysatorentechnik zu revolutionieren.

Betrachtet man die Angebotsseite des Edelmetalls, so wird schnell deutlich, dass das Angebot von wenigen Ländern abhängig ist. Die Abbaugebiete befinden sich in Äthiopien, in Australien, im Ural sowie in Nord- und Südamerika. Allerdings sind diese bereits weitestgehend erschöpft, so dass der Hauptteil des momentan geförderten Palladiums aus Nickel- und Kupfererzen gewonnen wird. Rund 40 Prozent dieser Fördermenge stammen momentan aus Russland. Ob diese Lieferungen auch in den nächsten Jahren gesichert sein werden, erscheint sehr fraglich. In der vergangenen Woche verkündete Russland, dass das Land in den kommenden Jahren deutlich weniger Palladium exportieren werde. Die russische Palladiummenge würde sich entsprechend auf 4 bis 4,5 Tonnen pro Jahr reduzieren (ca. 130.000-150.000 Unzen). Die Exportmenge im vergangenen Jahr betrug hingegen noch rund eine Million Unzen. Im Jahr 2013 soll der russische Lagerabbau von Palladium vollkommen eingestellt werden, da Russlands staatliche Palladiumbestände, Schätzungen zufolge im Laufe dieses Jahres, aufgebraucht sein werden. Im Anbetracht des Förderanteils, den Russland an der weltweiten Fördermenge aufweist, dürfte sich das Angebot in den kommenden Jahren deutlich verringern. Sollte sich die entsprechende Nachfrage nicht ändern oder sogar zunehmen, so ist die Wahrscheinlichkeit für ansteigende Preise gegeben. In den vergangenen Jahren war der russische Lagerverkauf von Palladium der Garant für ein Gleichgewicht auf dem Rohstoffmarkt und konnte rasante Preissprünge verhindern. Neben dem Abbau gibt es eine weitere Möglichkeit der Palladiumgewinnung: Durch das Recycling konnte die Menge des zur Verfügung stehenden Palladiums in den vergangenen Jahren deutlich gesteigert werden. Diese Methodik könnte im Falle eines steigenden Edelmetallpreis in Zukunft immer lukrativer werden und diesen Anteil deutlich ansteigen lassen.

Die Nachfrageseite von Palladium wird insbesondere durch die Automobil- und Elektroindustrie bestimmt. Dabei wird es - wie Platin auch – hauptsächlich bei der Herstellung von Katalysatoren verwendet. Aber auch die Feinelektronik sowie die Schmuckindustrie sind bedeutende Nachfrager des Edelmetalls. Die Bedeutung der Autoindustrie für die Palladiumnachfrage zeigt sich dadurch, dass mehr als die Hälfte des Palladium-Jahresverbrauches auf diesen Industriezweig entfällt. Auf die Feinindustrie und die Schmuckindustrie entfallen jeweils rund 13 Prozent.

Neben der Möglichkeit, das Edelmetall in physischer Form zu erwerben, besteht die komfortable Möglichkeit, mit Zertifikaten in dieses Edelmetall zu investieren. Auch die steigende Bedeutung von Exchange Traded Commodities (ETC), lässt die physische Nachfrage nach diesem Edelmetall weiter steigen. ETCs sind Wertpapiere, die an die Wertentwicklung eines oder mehrerer Rohstoffpreise gekoppelt sind, da diese Produkte durch die Hinterlegung von Rohstoffen abgesichert werden. Die Investmentbranche hat im Jahr 2010 gut eine Million Unzen Palladium überwiegend für die physische Hinterlegung von ETFs beziehungsweise ETCs nachgefragt.

Anleger, die von einem weiteren Anstieg des Palladiumpreises ausgehen und auf eine physische Lieferung des Rohstoffes verzichten können, haben die Möglichkeit, mit dem Partizipations-Zertifikat auf Palladium (WKN: SG9F3T), die Wertentwicklung des Edelmetalls nahezu eins zu eins abzubilden. Weiterhin beinhaltet dieses Produkt eine Absicherung gegen eventuelle Wechselkursschwankungen. Diese Absicherung ist allerdings mit Kosten verbunden, der sogenannten Quantogebühr. Gegenwärtig beträgt diese pro Jahr 3,49 Prozent. Anlegern, die auf eine Währungsabsicherung verzichten wollen, bietet die Société Générale das entsprechende Partizipations-Zertifikat (WKN: SG0AYJ) auch ohne diese an.

Auch in Zukunft wird Palladium eine wichtige Rolle für die Automobilindustrie spielen. Aufgrund seiner chemischen Eigenschaften eignet sich das Material nicht nur für Katalysatoren in modernen Otto-Motoren. Durch seine hohe Reaktionsfreude kann es eine große Anzahl an Wasserstoff absorbieren und eignet somit gut zur Herstellung von Wasserstoffspeichern, beispielsweise für Wasserstoffautos. Auch in der Brennstoffzelle kommt Palladium in Form von Elektrodenmaterial vor.

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