Analyse
09:09 Uhr, 25.09.2026

Ölpreis Brent - Rücksetzer oder Startrampe?

Der Ölpreis gibt zwar heute etwas nach, aber die letzten beiden Tage brachten einen starken Anstieg mit sich. Kommt da noch mehr?

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  • ISIN: XC0009677409Kopiert
    Kursstand: 105,941 $/bbl. (GBE brokers) - Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung
  • Kursstand: 5,159 % (Bonds) - Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung
  • Brent Crude Öl - WKN: 967740 - ISIN: XC0009677409 - Kurs: 105,941 $/bbl. (GBE brokers)
  • US 10Y Bond Yield - Kurs: 5,159 % (Bonds)

Rund zehn Prozent in 48 Stunden: Brent hat den Rücksetzer auf das Juli-Hoch genutzt und ist dynamisch nach oben gedreht. Heute Morgen sorgt ein neuer Hormus-Vorschlag aus Teheran für Gewinnmitnahmen. Gleichzeitig steigt die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen auf 5,18 Prozent, und das deutsche Konsumklima stürzt auf −30,6 Punkte ab. Was das für die Märkte bedeutet und welche Marken bei Brent jetzt entscheiden, zeigt der heutige Überblick mit ausführlicher Chartanalyse.

Die wichtigsten Themen am Markt

Renditen: Die lange Laufzeit gibt den Ton an

Der Anleihemarkt bleibt der größte Belastungsfaktor für die Aktienmärkte. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen kletterte am Donnerstag um 5 Basispunkte auf 5,16 Prozent, obwohl das Finanzministerium mit Rückkäufen gegenzusteuern versuchte. Zurückgekauft wurden langfristige Papiere für 4,08 Milliarden USD, weniger als die möglichen 6 Milliarden. Am Freitagmorgen legte die Rendite um weitere 2 Basispunkte auf 5,18 Prozent zu.


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Bemerkenswert ist, wo der Druck entsteht. Die zweijährige Rendite blieb bei 4,90 Prozent unverändert, die 30-jährige stieg dagegen auf den höchsten Stand seit 2004. Die Zinskurve wird damit steiler: Die Erwartungen an die Leitzinsen verschieben sich kaum, doch Anleger verlangen deutlich mehr Aufschlag dafür, dem US-Staat langfristig Geld zu leihen.

Die Geldpolitik liefert dafür den Hintergrund. Die Fed hatte ihr Zielband am 16. September um 25 Basispunkte auf 3,75 bis 4,00 Prozent angehoben, die erste Erhöhung seit Juli 2023. Laut der aktualisierten Projektion neigt die große Mehrheit der Notenbanker zu einem weiteren Schritt bis Ende 2026. Neue Nahrung bekamen die Zinssorgen am Donnerstag von Philadelphia-Fed-Präsidentin Anna Paulson. Sie sagte, die Notenbank habe noch keine Daten gesehen, die auf eine Inflation unter Kontrolle hindeuteten. Auch in Europa zeigt die Richtung nach oben: Die EZB hat im Juni und September jeweils um 0,25 Prozentpunkte erhöht, der Einlagensatz liegt nun bei 2,50 Prozent. Die nächste Entscheidung fällt am 29. Oktober.

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Konsumklima: Energiepreise drücken auf die Stimmung

Aus Deutschland kommt am Morgen ein deutliches Warnsignal. Das NIM-Konsumklima powered by GfK fiel für Oktober auf −30,6 Punkte, 3,8 Zähler weniger als im revidierten Vormonat (−26,8). Erwartet worden waren −27,2 Punkte.

Haupttreiber ist der Einbruch bei den Einkommensaussichten. Der Einkommensindikator verlor 16,7 Zähler und rutschte auf −15,0 Punkte, den tiefsten Stand seit April 2026, kurz vor Einführung des Tankrabatts. Nach Einschätzung des NIM rechnet die Mehrheit der Haushalte damit, dass die hohen Energiepreise ihre Kaufkraft schmälern. Hinzu kommt eine wachsende Vorsicht: Die Sparneigung stieg um 6,0 Zähler auf 21,5 Punkte. Einen ähnlich hohen Wert gab es zuletzt während der Finanzkrise 2008.

Das Bild steht im Kontrast zum Vortag. Da waren der ifo-Index besser als erwartet ausgefallen und die Wachstumsprognose der führenden Wirtschaftsforschungsinstitute angehoben worden. Die Unternehmen blicken also etwas zuversichtlicher nach vorn, die Verbraucher nicht.

Wall Street: Erholung nach schwachem Start

An den US-Börsen begann der Donnerstag mit deutlichen Abgaben. Besonders der Nasdaq 100, der am Dienstag noch ein Rekordhoch markiert hatte, geriet unter Druck. Eine Stunde vor dem Auftakt taxierte der Broker IG den Index knapp ein Prozent tiefer bei 30.177 Punkten. Der Dow Jones fiel zeitweise bis auf 51.100 Punkte und damit auf den niedrigsten Stand seit Juni. Zunächst hatten Sorgen vor einer weiteren Eskalation in Nahost die Ölpreise nach oben getrieben und damit Inflationsängste und Renditen geschürt.

Im Verlauf stabilisierten sich die Indizes jedoch. Der Nasdaq 100 schloss praktisch unverändert bei rund 30.479 Punkten, der Dow Jones gab 0,3 Prozent auf etwa 51.350 Punkte nach, und der S&P 500 schloss seitwärts bei 7.704,13 Punkten. Unterstützung kam von der Datenseite: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, Leistungsbilanz und Neubauverkäufe lagen im Rahmen der Erwartungen oder fielen besser aus. Bei den Einzelwerten stand Oracle unter Druck. Die Aktie verlor 3,5 Prozent, nachdem Bloomberg berichtet hatte, der Konzern wolle Zahlungen für ein Rechenzentrumsprojekt in New Mexico unter Berufung auf höhere Gewalt verschieben, falls sich dieses verzögert.

Edelmetalle: Gold vor zweitem Wochenverlust

Das Umfeld steigender Renditen setzt auch dem Goldpreis zu. Das Edelmetall steuert im frühen Freitagshandel auf einen Wochenverlust von derzeit 2,7 Prozent zu, es wäre der zweite in Folge. Am Morgen blieb es ruhig: Der Dezember-Future gab bis gegen 7:30 Uhr leicht um 3 auf 4.295 USD je Feinunze nach.

Belastend wirken vor allem die hohen US-Anleiherenditen, ein festerer Dollar und die wachsende Erwartung weiterer Zinserhöhungen der Fed. Das CME FedWatch-Tool beziffert die Wahrscheinlichkeit eines weiteren Schritts im Oktober inzwischen auf 72 Prozent. Für unverzinstes Gold ist das kurzfristig ein schwieriges Umfeld, auch wenn geopolitische Risiken und die steigende Staatsverschuldung langfristig stützen.

Silber zeigte sich am Donnerstag schwächer und verlor knapp ein Prozent auf 63,88 USD. Seit Jahresbeginn beträgt das Minus rund 16,7 Prozent.

Bitcoin: Rücksetzer nach Achtmonatshoch

Auch Bitcoin spürt den Gegenwind vom Anleihemarkt. Zu Wochenbeginn hatte die Kryptowährung noch auf 87.300 USD zugelegt, den höchsten Stand seit acht Monaten. Getragen wurde die Rally von kräftigen Zuflüssen in US-Spot-ETFs: An einem einzigen Tag flossen 999 Millionen USD in die Fonds, so viel wie seit Oktober 2025 nicht mehr.

Am Donnerstag folgte der Rückschlag. Nach einem unerwartet starken Konjunkturbericht fiel Bitcoin von 87.200 auf 83.500 USD zurück. Am Freitagmorgen notiert die Kryptowährung bei rund 84.160 USD und damit 0,2 Prozent tiefer. Bis zum Allzeithoch von 126.080 USD fehlt weiterhin rund ein Drittel.

Öl: Diplomatie gegen Risikoprämie

Der Ölmarkt bleibt der Taktgeber. Brent verteuerte sich binnen 48 Stunden um rund 10 Prozent und erreichte am Donnerstagnachmittag ein Tageshoch von mehr als 108 USD. Dazwischen gab es einen kurzen Rücksetzer: Ein Reuters-Bericht über Gespräche zwischen den USA und Iran zu einem schrittweisen Plan für die Straße von Hormus drückte den Preis zeitweise Richtung 104 USD.

Am Freitagmorgen geben die Notierungen etwas nach. Brent zur Lieferung im November fiel um gut 0,8 Prozent auf 105,72 USD. Auslöser ist ein neuer Vorstoß aus Teheran. Der iranische Außenminister Araghtschi sagte laut „New York Times“ und „Financial Times“, über Vermittler sei ein Plan vorgelegt worden, wonach die Straße von Hormus nach sieben Tagen wieder geöffnet werden könne, sofern bestimmte Bedingungen erfüllt seien. Das Weiße Haus sprach von positiven und konstruktiven Gesprächen.

Für eine nachhaltige Entspannung ist es aber zu früh. Ein Raketenangriff der Huthi-Rebellen auf Saudi-Arabien hält die geopolitischen Risiken hoch. Fundamental gibt es zugleich Gegengewichte: Die US-Rohölvorräte stiegen in der Woche bis zum 18. September um 3 Millionen Barrel, während Analysten mit einem Abbau um 641.000 Barrel gerechnet hatten. Außerdem hat Saudi-Arabien den Betrieb seiner Ost-West-Pipeline wieder aufgenommen, über die Rohöl unter Umgehung der Straße von Hormus zum Roten Meer gelangt.

Wie eng die Spanne ist, in der sich der Markt bewegt, zeigt eine Einschätzung von Karobaar Capital. Anlagechef Haris Khurshid erwartet Brent zwischen 100 und 110 USD, solange sich die Lage nicht grundlegend ändert. Eine glaubwürdige schrittweise Vereinbarung könnte den Preis rasch unter 100 USD drücken, neue Export- oder Logistikprobleme dagegen 120 USD ins Spiel bringen. Wo die entscheidenden Marken im Chart liegen, zeigt die folgende Analyse.

Brent

Brent bildete kurz nach Beginn des Ukrainekriegs ein Hoch bei 134,75 USD aus. Danach folgte eine mehrjährige Abwärtsbewegung. Am logarithmischen 38,2%-Retracement der Rally ab dem Coronatief setzte im April 2025 eine Bodenbildung ein. Im Dezember 2025 fiel der Ölpreis noch einmal auf dieses Retracement zurück.

Danach startete eine steile Rally, die mit Beginn des Irankrieges deutlich an Tempo gewann. Am 09. März erreichte der Ölpreis ein Hoch bei 119,65 USD.

Ende April und Anfang Mai 2026 scheiterte ein Ausbruchsversuch über dieses Hoch. Danach fiel der Ölpreis wieder auf das Niveau vor dem Kriegsbeginn.

Aber seit 02. Juli dominiert wieder eine Aufwärtsbewegung. Am 23. Juli erreichte der Ölpreis ein Hoch bei 97,80 USD. Dieses überwand er am 07. September. Nach einem Hoch bei 110,45 USD setzte Brent noch einmal auf das Hoch aus dem Juli zurück. Dort drehte der Ölpreis in den letzten beiden Tagen dynamisch nach oben. Heute kommt es zu leichten Gewinnmitnahmen.

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Wie könnte es jetzt weitergehen?

Der Ölpreis (Brent) könnte in Kürze erneut am Hoch vom 09. März 2026 bei 119,65 USD anklopfen. Ein Ausbruch darüber würde den Weg zum Hoch aus dem März 2022 bei 134,75 USD oder sogar an das Allzeithoch aus dem Juli 2008 bei 147,50 USD ebnen.

Ein Rückfall auf Tagesschlusskursbasis unter 97,80 USD wäre ein klarer Rückschlag für die Bullen. Ein Rückfall unter 95,08 USD wäre ein Verkaufssignal, das auf weitere Abgaben in Richtung 92,74 und 83,25 USD hindeuten würde.

Fazit: Trotz der heutigen Gewinnmitnahmen ist die Aufwärtsbewegung seit Anfang Juli intakt. Gerade nach den letzten beiden starken Tagen deutet sich eine Fortsetzung dieser Bewegung an.

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