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12:31 Uhr, 24.09.2026

Neues mRNA-Unternehmen Arife: BioNTech-Gründer gehen eigene Wege

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Das Wichtigste in Kürze

  1. 01Neugründung Arife: Uğur Şahin und Özlem Türeci haben in Mainz die Arife SE mit 120.000 Euro Grundkapital für mRNA-Therapien gegründet.
  2. 02Rückzug bis Jahresende: Das Gründerpaar verlässt BioNTech spätestens Ende 2026 operativ, bleibt dem Unternehmen jedoch weiterhin als Aktionär verbunden.
  3. 03Neuer BioNTech-Chef: Der frühere Sobi-Vorstandsvorsitzende Guido Oelkers übernimmt spätestens am 1. Februar 2027 die Führung von BioNTech.

Arife SE: Was hinter der Neugründung in Mainz steckt

Die Gründer von BioNTech schaffen vollendete Tatsachen für ihre berufliche Zukunft nach dem geplanten Ausstieg. Uğur Şahin und Özlem Türeci haben in Mainz ein neues Pharmaunternehmen ins Leben gerufen, das den Namen Arife SE trägt. Die Gründung der Europäischen Gesellschaft erfolgte am 1. September 2026 mit einem Grundkapital von 120.000 Euro. Als offizielle Geschäftsadresse ist der Philipp-von-Zabern-Platz 1 in Mainz eingetragen. Damit bleibt das Forscherpaar der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt treu, schlägt jedoch organisatorisch ein völlig eigenständiges Kapitel auf.

Der inhaltliche Zweck der neuen Gesellschaft ähnelt den Kernkompetenzen, mit denen die beiden Wissenschaftler weltbekannt wurden. Arife soll pharmazeutische Produkte erforschen, entwickeln, herstellen und vermarkten. Im Mittelpunkt stehen dabei erneut Therapien auf Basis von Boten-Ribonukleinsäure (mRNA). Details zur Gründung und zur Namensgebung wurden unter anderem durch einen Bericht von Bloomberg öffentlich, wonach das Forscherpaar eigene Projekte künftig in dieser neuen Rechtsform bündeln will.

Auch personell zeichnen sich bei der Neugründung erste Verbindungen zur bisherigen Führungsebene ab. Nach Medienberichten soll der frühere Finanzvorstand von BioNTech, Michael Maximilian Kring, das Finanzmanagement der Arife SE übernehmen. Die personelle Besetzung verdeutlicht, dass Şahin und Türeci bei ihrem Vorhaben auf ein vertrautes Umfeld setzen, um die operative Arbeit außerhalb gewohnter Konzernstrukturen schnell voranzutreiben.

Die Rechtsform der Europäischen Gesellschaft

Arife wurde als Europäische Gesellschaft (Societas Europaea, kurz SE) eingetragen. Diese Rechtsform erleichtert Unternehmen die grenzüberschreitende Tätigkeit innerhalb der Europäischen Union und erfordert ein Mindestkapital von 120.000 Euro.

Abschied bei BioNTech und der Übergang bis 2027

Der operative Schritt folgt auf eine Richtungsentscheidung, die das Gründerpaar bereits im Frühjahr 2026 öffentlich gemacht hatte. Şahin und Türeci planen, BioNTech spätestens zum Ende des Jahres 2026 zu verlassen. Bis zu diesem Zeitpunkt führen sie ihre laufenden Aufgaben fort, während parallel die Weichen für die Führung nach ihrem Ausstieg gestellt werden. Trotz des Rückzugs aus dem operativen Management bleiben beide dem Unternehmen als Aktionäre verbunden. Damit behalten sie ein erhebliches finanzielles Interesse an der weiteren Entwicklung des von ihnen aufgebauten Konzerns.

Für die Zeit nach dem Gründerduo hat der Aufsichtsrat bereits eine dauerhafte Nachfolge verpflichtet. Spätestens zum 1. Februar 2027 übernimmt Guido Oelkers den Vorstandsvorsitz von BioNTech. Die Personalentscheidung gab das Unternehmen über eine offizielle Mitteilung von BioNTech bekannt. Oelkers war seit 2017 Chief Executive Officer des schwedischen Biopharmaunternehmens Sobi (Swedish Orphan Biovitrum AB) und verfügt über langjährige Managementerfahrung in der internationalen Arzneimittelindustrie.

Şahin und Türeci wollen BioNTech spätestens Ende 2026 verlassen, dem Unternehmen aber als Aktionäre verbunden bleiben.

Unternehmensangaben zum Übergang an der Konzernspitze

Mit diesem Wechsel an der Spitze endet bei BioNTech eine prägende Phase. Das Mainzer Unternehmen hatte während der weltweiten Corona-Pandemie zusammen mit dem US-Pharmakonzern Pfizer den mRNA-Impfstoff Comirnaty entwickelt und damit Milliardenerlöse erzielt. Seit dem Abflauen der Sonderkonjunktur arbeitet BioNTech daran, die Technologieplattform breiter aufzustellen. Ein besonderer Schwerpunkt liegt hierbei auf der Onkologie, wo klinische Studien zu neuartigen Krebsmedikamenten vorangetrieben werden. Guido Oelkers wird ab Anfang 2027 die Aufgabe haben, diese Pipeline in marktreife Produkte zu überführen.

Offene Fragen zu Patenten, Ressourcen und Personal

Die parallele Existenz zweier mRNA-Spezialisten am selben Standort Mainz wirft für den Markt praktische Abgrenzungsfragen auf. Da Arife denselben Technologiezweig bedienen soll wie BioNTech, stellen sich konkrete Fragen zum Schutz geistigen Eigentums. Bislang ist öffentlich nicht geregelt, wie künftige Patente, bestehende Lizenzvereinbarungen und wissenschaftliche Forschungsressourcen zwischen beiden Gesellschaften getrennt oder geteilt werden. Es ist denkbar, dass Arife gezielt Projekte verfolgt, die außerhalb der aktuellen Prioritäten von BioNTech liegen.

Neben Patentfragen betrifft die Trennung auch personelle Ressourcen. In der Biotechnologie hängt der Erfolg maßgeblich an spezialisierten Forschungsteams und Laborfachkräften. Wenn führende Köpfe eine neue Firma gründen und ehemalige Führungskräfte wie Michael Maximilian Kring einbinden, entsteht im regionalen Umfeld ein Wettbewerb um qualifizierte Mitarbeiter. Für BioNTech kommt es darauf an, zentrale Talente in der Krebsforschung an Bord zu halten, während Arife eigene Entwicklungskapazitäten aufbaut.

Auch die finanzielle Dimension bleibt ein zentraler Beobachtungspunkt. Bislang existieren keine Veröffentlichungen über Kooperationsverträge oder wechselseitige Beteiligungen abseits der privaten Aktienpakete der Gründer. Sollten sich Forschungsbereiche überschneiden, bedarf es klarer vertraglicher Linien, um Konflikte zwischen den Pflichten der bisherigen Vorstände und ihren neuen unternehmerischen Freiheiten zu vermeiden. Die künftige Zusammenarbeit wird zeigen, ob beide Firmen kooperieren oder unabhängig voneinander um Forschungserfolge konkurrieren.

Auswirkungen auf BioNTech und die Pharma-Landschaft

Für BioNTech bedeutet die Gründung von Arife eine klare Zäsur in der Unternehmensgeschichte. Nach dem globalen Erfolg mit Comirnaty befindet sich das Mainzer Unternehmen im Übergang von einem Impfstoff-Pionier zu einem breit aufgestellten Onkologie-Entwickler. Anleger und Branchenbeobachter achten in dieser Übergangsphase darauf, wie reibungslos die Übergabe an Guido Oelkers verläuft. Der künftige Vorstandschef übernimmt ein Unternehmen mit solider Kapitalausstattung, muss aber beweisen, dass die Onkologie-Pipeline auch ohne die tägliche wissenschaftliche Leitung der beiden Gründer die erhofften Durchbrüche erzielt.

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Die veränderte Konstellation betrifft mehrere börsennotierte Konzerne, die direkt oder indirekt mit den Beteiligten verflochten sind:

BioNTech SE bleibt das direkte Anlageinstrument, das den operativen Chefwechsel und die neue Konkurrenzsituation in Mainz bewältigen muss. Die Aktie spiegelt die Erwartungen an künftige Krebsmedikamente wider, während der frühere Impfstoffpartner Pfizer Inc. nach wie vor eng mit den bisherigen mRNA-Fortschritten verknüpft ist. Bei Sobi AB wiederum hinterlässt der Wechsel von Guido Oelkers nach dessen neunjähriger Amtszeit als CEO eine Lücke, die das schwedische Unternehmen neu füllen musste. Arife selbst ist als Neugründung mit einem Grundkapital von 120.000 Euro nicht börsennotiert, beeinflusst aber das strategische Umfeld der etablierten Akteure.

Meine Meinung dazu:

Der Start von Arife zeigt, dass Şahin und Türeci vor allem Forscher geblieben sind. Für BioNTech ist der geordnete Übergang zu einem erfahrenen Branchenmanager wie Guido Oelkers jedoch die richtige Weichenstellung für die nächste Phase. – Patrick E. – Team Goldesel