Analyse
13:30 Uhr, 09.09.2026

Mit der CHEVRON-Aktie die große Venezuela-Wette spielen?

Chevron macht ausgerechnet Venezuela zu einem der wichtigsten Wachstumspfeiler des kommenden Jahrzehnts. Der US-Ölkonzern will seine dortige Förderung innerhalb von fünf Jahren mehr als verdoppeln und das Geschäft ähnlich industriell aufziehen wie die Schieferölproduktion im Permian Basin.

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  • Chevron Corp. - WKN: 852552 - ISIN: US1667641005 - Kurs: 209,800 $ (NYSE)

Die wirtschaftlichen Aussichten sind verlockend. Das politische Risiko bleibt aber auch gewaltig.

Derzeit fördert Chevron in Venezuela rund 280.000 Barrel Öl pro Tag. Bis 2031 soll die Produktion auf 600.000 Barrel steigen. Als langfristiges Plateau nennt das Unternehmen eine Spanne von 600.000 bis 700.000 Barrel täglich, die aufgrund der großen Ressourcenbasis fünf bis zehn Jahre gehalten werden könnte.

Dafür sind über fünf Jahre Bruttoinvestitionen von rund 7 Mrd. USD vorgesehen. Entscheidend für die Rendite ist die niedrige Kostenbasis. Nach Angaben des Konzerns liegen die Gesamtkosten bei weniger als 20 USD je Barrel. Selbst bei deutlich sinkenden Ölpreisen dürfte die Förderung damit profitabel bleiben.

Venezuela soll zum zweiten Permian Basin werden

Chevron will die Zahl der eingesetzten Bohranlagen mehr als verdoppeln. Große neue Infrastrukturprojekte seien dafür nicht erforderlich, erklärte Chevron-Managerin Eimear Bonner auf der Barclays Energy and Power Conference. Die bestehende Infrastruktur sei in gutem Zustand und in den vergangenen Jahren kontinuierlich gewartet worden.


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"Wir wollen das Geschäft so entwickeln, wie wir das Permian Basin entwickelt haben", sagte Bonner. Geplant sei ein standardisierter Produktionsprozess mit zahlreichen kleineren Bohrungen, Pipelineanschlüssen und Erweiterungen. Statt eines einzelnen milliardenschweren Großprojekts entsteht damit eine industrielle Förderplattform, die schrittweise hochgefahren werden kann.

Chevron bringt dafür reichlich Erfahrung mit. Im Permian Basin steigerte der Konzern die Produktion seit 2019 von rund 450.000 auf etwa eine Million Barrel täglich. Inzwischen geht es dort weniger um weiteres Mengenwachstum als um die Maximierung des freien Cashflows. Die Kapitalintensität soll 2026 rund 25 % niedriger liegen als im Vorjahr. Gleichzeitig bohrt Chevron nach eigenen Angaben inzwischen doppelt so schnell wie noch vor zwei Jahren.

Neue Konditionen verändern die Rechnung

Der eigentliche Durchbruch in Venezuela waren jedoch nicht neue Bohrtechnologien, sondern bessere wirtschaftliche und rechtliche Rahmenbedingungen. Nach einer Reform des venezolanischen Kohlenwasserstoffrechts konnte Chevron niedrigere Abgaben und Steuern sowie zusätzliche Förderflächen aushandeln. Dazu gehören die Blöcke Carabobo 1 und 2.

Vertragliche Stabilitätsklauseln sollen verhindern, dass eine spätere Regierung die vereinbarten Konditionen nachträglich verschlechtert. Zudem erhielt Chevron das Recht, Konflikte vor internationalen Schiedsgerichten auszutragen. Nach Darstellung des Konzerns entsprechen diese Schutzmechanismen den Standards anderer Förderländer.

Damit adressiert Chevron das größte Problem der Investition, beseitigt es aber nicht. Venezuela blickt auf Verstaatlichungen, politische Eingriffe und wiederholte Vertragsbrüche zurück. Auch starke Klauseln sind nur so viel wert wie ihre tatsächliche Durchsetzbarkeit. Der Abschlag für das Länderrisiko bleibt deshalb berechtigt.

Für Chevron ist das Chance-Risiko-Verhältnis offenbar dennoch attraktiv genug. Der Konzern ist seit rund 100 Jahren im Land aktiv und betreibt dort drei Gemeinschaftsunternehmen. Die Kombination aus riesigen Reserven, niedrigen Förderkosten und verbesserten Konditionen bietet eine Wachstumsoption, die in stabileren Ländern kaum noch zu finden ist.

Kosten sinken schneller als geplant

Unterdessen verschafft sich Chevron finanziellen Spielraum. Das angekündigte Programm zum Abbau der strukturellen Kosten um 3 Mrd. USD wurde sechs Monate früher als geplant abgeschlossen. Rund 70 % der Einsparungen stammen nach Unternehmensangaben aus Effizienzsteigerungen und sollen damit dauerhaft sein.

Neben Portfoliobereinigungen und einer vereinfachten Organisation setzt Chevron verstärkt auf Drohnen, Robotik, Echtzeitüberwachung und künstliche Intelligenz. Anlagenprobleme sollen erkannt werden, bevor sie zu Produktionsausfällen führen. Wartungsarbeiten und große Anlagenstillstände werden zudem konzernweit standardisiert.

Auch beim Großprojekt Tengiz in Kasachstan zeigen sich die Effekte. Durch vergleichsweise kleine technische Anpassungen konnte Chevron die Kapazität einer Verarbeitungsanlage von 260.000 auf 320.000 Barrel täglich erhöhen. Weitere Verbesserungen sollen schrittweise folgen.

Die Fortschritte stärken zugleich die Ausschüttungsfähigkeit. Chevron hat die Dividende inzwischen 39 Jahre in Folge erhöht. Für Aktienrückkäufe gilt weiterhin ein jährlicher Rahmen von 10 bis 20 Mrd. USD. Angesichts der starken Schwankungen des Ölpreises hält sich das Management derzeit allerdings mit einer höheren Rückkaufrate zurück. Überschüssige Mittel fließen zunächst verstärkt in den Schuldenabbau nach der Hess-Übernahme.

Neue Wachstumsmärkte jenseits des Öls

Chevron erweitert gleichzeitig seine Explorationsbasis. Allein im vergangenen Jahr wuchs die verfügbare Fläche um 35 %, 2026 kamen weitere zehn Millionen Acres hinzu. Der Konzern ist unter anderem in Guyana, Nigeria, Angola, Namibia und im östlichen Mittelmeer aktiv.

Im Irak verhandelt Chevron exklusiv über drei Projekte. Dazu gehören das produzierende Feld West Qurna 2, das benachbarte Nassiriya-Gebiet und möglicherweise eine Beteiligung an einer Exportpipeline. Konkrete Verträge stehen allerdings noch aus.

Zusätzlich positioniert sich der Konzern als Stromlieferant. Im Permian Basin plant Chevron ein Kraftwerk im Gigawattmaßstab und hat dafür nach eigenen Angaben einen Abnahmevertrag über 20 Jahre mit einem Großkunden geschlossen. Der Konzern verfügt in Texas über eigene Gasvorkommen und betreibt weltweit bereits Kraftwerkskapazitäten von rund fünf Gigawatt.

Fazit: Chevron entwickelt sich von einem klassischen Ölkonzern zu einer breiter aufgestellten Energieplattform mit niedrigeren Kosten und mehreren Wachstumsoptionen. Venezuela könnte dabei zum größten Hebel werden. Gelingt der Ausbau auf 600.000 Barrel täglich zu Kosten von weniger als 20 USD je Barrel, dürfte das Projekt erheblichen freien Cashflow liefern. Die Chevron-Aktie steht nicht zuletzt aufgrund der guten Ölpreisentwicklung auf Allzeithoch. Natürlich hängt der Kurs kurzfristig stark an der Entwicklung im Iran. Anleger sollten also lieber nach und nach ein paar Stücke einsammeln, als gleich in die Vollen zu gehen.

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Jahr 2025 2026e* 2027e*
Umsatz in Mrd. USD 189,00 228,30 212,57
Ergebnis je Aktie in USD 7,29 16,13 13,47
KGV 29 13 16
Dividende je Aktie in USD 6,84 7,13 7,44
Dividendenrendite 3,26% 3,40% 3,54%

*e = erwartet, Berechnungen basieren bei
US-Unternehmen auf Non-GAAP-Daten

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