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12:33 Uhr, 30.06.2026

Methoden der Unternehmensbewertung einfach erklärt

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Die Methoden der Unternehmensbewertung sollen eine zentrale Frage beantworten: Was ist ein Unternehmen beziehungsweise seine Aktie wert? Einen objektiv richtigen Wert gibt es allerdings nicht. Jede Berechnung beruht auf Annahmen und liefert deshalb nur eine begründete Schätzung.

Grundsätzlich kannst du Unternehmen relativ bewerten, einen inneren Wert berechnen oder vorhandene Vermögenswerte betrachten. Dabei hängt die passende Methode vor allem vom Geschäftsmodell ab.

Das Wichtigste in Kürze

  • Relative Verfahren vergleichen eine Aktie mit Wettbewerbern oder ihrer eigenen Vergangenheit.
  • Intrinsische Verfahren berechnen einen theoretischen inneren Wert.
  • Die DCF-Methode basiert auf zukünftigen Cashflows.
  • Substanzwert und Buchwert eignen sich vor allem für vermögensreiche Unternehmen.
  • Nicht jede Bewertungsmethode passt zu jeder Branche.
  • Am besten kombinierst du mehrere Verfahren und arbeitest mit Bewertungsspannen.

Welche Methoden der Unternehmensbewertung gibt es?

Die wichtigsten Verfahren lassen sich in drei Gruppen einteilen:

Bewertungsansatz Grundidee Beispiele
Relative Bewertung Vergleich mit anderen Unternehmen oder historischen Werten KGV, KUV, KBV, EV/EBIT
Intrinsische Bewertung Berechnung des inneren Wertes anhand zukünftiger Erträge DCF-Methode, Dividendendiskontierung
Substanzorientierte Bewertung Vermögenswerte abzüglich Schulden Buchwert, Nettovermögenswert

Darüber hinaus kann für Mischkonzerne eine Sum-of-the-Parts-Bewertung sinnvoll sein. Dabei werden die einzelnen Geschäftsbereiche getrennt bewertet.

Relative Unternehmensbewertung

Bei der relativen Bewertung vergleichst du die Aktie mit:

  • direkten Wettbewerbern,
  • dem Branchendurchschnitt,
  • ihrer eigenen Bewertungshistorie,
  • oder einem Aktienindex.

Typische Kennzahlen sind das KGV, KUV, KBV und EV/EBIT. So lassen sich Unternehmen schnell und vergleichsweise einfach einordnen.

Allerdings zeigt die relative Bewertung nur, ob eine Aktie im Vergleich günstig oder teuer erscheint. Sind alle Unternehmen einer Branche überbewertet, kann auch die scheinbar günstigste Aktie noch teuer sein.

Auf den Goldesel-Aktienseiten findest du Bewertungskennzahlen, historische Entwicklungen und Analystenschätzungen übersichtlich zusammengefasst. Und so lassen sich Unternehmen leichter miteinander vergleichen.

Welche Kennzahl passt zu welchem Unternehmen?

Unternehmenstyp Häufig geeignete Kennzahlen
profitables Unternehmen KGV, EV/EBIT, Kurs-Cashflow-Verhältnis
unprofitables Wachstumsunternehmen KUV, Free-Cashflow-Marge
Bank oder Versicherung KBV, Eigenkapitalrendite
kapitalintensives Unternehmen EV/EBIT, EV/EBITDA
Immobiliengesellschaft Nettovermögenswert, Buchwert

Dennoch reicht eine einzelne Kennzahl selten aus. So berücksichtigt das KGV beispielsweise die Verschuldung kaum, während das KUV nichts über die Profitabilität aussagt.

Intrinsische Bewertung mit der DCF-Methode

Die bekannteste intrinsische Bewertungsmethode ist das Discounted-Cashflow-Verfahren, kurz DCF.

Dabei schätzt du zunächst die freien Cashflows, die das Unternehmen künftig erwirtschaften kann. Anschließend werden diese auf ihren heutigen Wert abgezinst.

Die Grundidee lautet:

Geld, das ein Unternehmen erst in mehreren Jahren verdient, ist heute weniger wert als sofort verfügbares Geld.

Für eine vereinfachte DCF-Bewertung benötigst du Annahmen zu:

  1. Umsatzwachstum,
  2. Gewinnmargen,
  3. zukünftigen freien Cashflows,
  4. dem Abzinsungssatz,
  5. und dem langfristigen Wachstum.

Nach der Berechnung ziehst du die Schulden ab und addierst liquide Mittel. Teilst du den verbleibenden Eigenkapitalwert durch die Zahl der Aktien, erhältst du einen theoretischen Wert je Aktie.

Warum ist eine DCF-Bewertung unsicher?

Allerdings reagiert das Ergebnis empfindlich auf die verwendeten Annahmen. Bereits kleine Änderungen bei Wachstum, Margen oder Abzinsungssatz können den fairen Wert deutlich verschieben.

Deshalb solltest du mindestens drei Szenarien berechnen:

Szenario Annahmen
Vorsichtig niedrigeres Wachstum und schwächere Margen
Basis realistische Erwartungen
Optimistisch stärkeres Wachstum und stabile Margen

Weitere Methoden der Unternehmensbewertung

  • Dividendendiskontierungsmodell: Berechnet den Unternehmenswert anhand künftig erwarteter Dividenden und eignet sich besonders für stabile Dividendenzahler mit verlässlicher Ausschüttungspolitik.
  • Substanzwert: Bewertet Vermögenswerte wie Immobilien, Maschinen und Beteiligungen abzüglich Schulden und ist vor allem bei kapitalintensiven Unternehmen sinnvoll.
  • Sum-of-the-Parts-Bewertung: Zerlegt Konzerne in einzelne Geschäftsbereiche, bewertet diese separat und addiert die Ergebnisse zu einem Gesamtwert.

Methoden der Unternehmensbewertung im Vergleich

Methode Vorteil Schwäche
KGV und Multiples schnell und verständlich abhängig von Vergleichsunternehmen
DCF-Methode berücksichtigt zukünftige Cashflows stark abhängig von Annahmen
Substanzwert Vermögenswerte stehen im Mittelpunkt unterschätzt oft immaterielle Werte
SOTP berücksichtigt unterschiedliche Sparten vergleichsweise hoher Aufwand

Welche Bewertungsmethode solltest du wählen?

Gehe in drei Schritten vor:

  1. Geschäftsmodell prüfen: Eine Bank benötigt andere Kennzahlen als ein Softwareunternehmen.
  2. Mehrere Methoden nutzen: Verbinde beispielsweise einen Branchenvergleich mit einer DCF-Bewertung.
  3. Bewertungsspanne festlegen: Arbeite nicht mit einem einzigen vermeintlich exakten Wert.

Dadurch verringerst du das Risiko, dass eine unpassende Kennzahl oder eine zu optimistische Prognose deine gesamte Einschätzung verzerrt.

Häufige Fehler bei der Unternehmensbewertung

  • Nur auf eine Kennzahl schauen: Keine Kennzahl zeigt allein das vollständige Bild.
  • Unpassende Unternehmen vergleichen: Geschäftsmodell, Wachstum und Branche sollten ähnlich sein.
  • Zu optimistisch rechnen: Hohe Wachstumsannahmen führen schnell zu überhöhten Werten.
  • Schulden ignorieren: Der Börsenwert allein zeigt nicht die gesamte finanzielle Belastung.
  • Berechnungen als Wahrheit betrachten: Jede Bewertung bleibt eine Schätzung.

Zusammenfassung: Das solltest du mitnehmen

✅ Die Methoden der Unternehmensbewertung liefern keine exakt richtigen Werte, sondern nachvollziehbare Schätzungen.

✅ Relative Verfahren vergleichen eine Aktie mit Wettbewerbern oder historischen Bewertungen.

✅ Die DCF-Methode berechnet einen inneren Wert anhand zukünftiger Cashflows.

✅ Substanzwert und SOTP eignen sich vor allem für bestimmte Geschäftsmodelle.

✅ Jede Methode besitzt Stärken und Schwächen.

✅ Besonders sinnvoll ist die Kombination mehrerer Verfahren und Szenarien.

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