Aktien bewerten: Praxisbeispiel Schritt für Schritt
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Ein starkes Unternehmen ist nicht automatisch eine gute Aktie. Wenn du Aktien bewerten möchtest, musst du deshalb neben der Unternehmensqualität auch Wachstum, Risiken und den aktuellen Aktienkurs prüfen.
Deshalb führen wir jetzt alle bisherigen Lektionen zusammen. Am Beispiel von Coca-Cola zeigen wir Schritt für Schritt, wie du Aktien bewerten kannst – vom Geschäftsmodell über Profitabilität und Bilanz bis zur abschließenden Investmentthese.
Dabei geht es nicht um eine Kaufempfehlung. Vielmehr sollst du lernen, wie aus vielen einzelnen Informationen ein nachvollziehbares Gesamtbild entsteht.
Das Wichtigste in Kürze
- Eine vollständige Aktienanalyse verbindet Geschäftsmodell, Branche, Kennzahlen, Bilanz und Bewertung.
- Einzelne Zahlen reichen für eine fundierte Entscheidung nicht aus.
- Coca-Cola besitzt ein verständliches Geschäftsmodell und starke Wettbewerbsvorteile.
- Gleichzeitig müssen Wachstum, Verschuldung und Bewertung kritisch geprüft werden.
- Am Ende steht eine Investmentthese mit klaren Chancen und Risiken.
- Die Analyse ist eine Momentaufnahme und sollte regelmäßig aktualisiert werden.
Schritt 1: Das Geschäftsmodell verstehen
Bevor du Kennzahlen prüfst, musst du verstehen, wie das Unternehmen Geld verdient.
Coca-Cola verkauft nicht nur fertige Getränke. Der Konzern produziert außerdem Konzentrate und Sirupe, die von Abfüllpartnern weiterverarbeitet und vertrieben werden. Dadurch benötigt das Unternehmen für einen Teil seines Geschäfts weniger eigene Produktionsanlagen als ein klassischer Getränkehersteller.
Zum Angebot gehören neben der Marke Coca-Cola zahlreiche weitere Getränke aus Bereichen wie Wasser, Sportgetränke, Säfte, Kaffee und Tee.
Die wichtigsten Fragen lauten:
- Welche Produkte sorgen für den Umsatz?
- Wie regelmäßig kaufen Kunden diese Produkte?
- Welche Kosten und Investitionen sind notwendig?
- Kann das Unternehmen seine Preise erhöhen?
- Von welchen Produkten oder Regionen ist es abhängig?
Das Geschäftsmodell ist grundsätzlich einfach zu verstehen. Allerdings solltest du zusätzlich prüfen, wie sich das Konsumverhalten verändert und ob neue Produktbereiche das Wachstum unterstützen.
Schritt 2: Branche und Markt einordnen
Coca-Cola gehört zur nichtzyklischen Konsumgüterbranche. Getränke werden auch während wirtschaftlich schwächerer Phasen gekauft, weshalb die Nachfrage meist stabiler bleibt als bei Autos, Luxusgütern oder Reisen.
Dennoch ist die Branche nicht frei von Risiken. Dazu gehören:
- steigende Rohstoff- und Verpackungskosten,
- Steuern auf zuckerhaltige Getränke,
- strengere Umweltvorgaben,
- veränderte Gesundheitsgewohnheiten,
- Währungsschwankungen,
- sowie der Wettbewerb mit PepsiCo und regionalen Marken.
Der Markt wächst zwar meist langsamer als junge Technologiebranchen, bietet dafür aber eine vergleichsweise beständige Nachfrage.
Schritt 3: Wettbewerbsvorteile prüfen
Coca-Cola besitzt mehrere mögliche Wettbewerbsvorteile:
| Vorteil | Bedeutung für Coca-Cola |
|---|---|
| Markenstärke | Kunden erkennen und kaufen die Produkte weltweit |
| Vertriebsnetz | Getränke sind in zahlreichen Ländern und Verkaufsstellen erhältlich |
| Größenvorteile | Einkauf, Marketing und Vertrieb können effizient organisiert werden |
| Preissetzungsmacht | Starke Marken erleichtern Preiserhöhungen |
| Produktportfolio | Mehrere Getränkekategorien verringern die Abhängigkeit von einem einzelnen Produkt |
Diese Vorteile bilden einen wirtschaftlichen Burggraben. Allerdings ist keine Marktstellung unangreifbar. Verändert sich der Geschmack der Kunden, muss Coca-Cola sein Sortiment entsprechend weiterentwickeln.
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Bekanntheit allein reicht nicht
Eine bekannte Marke ist erst dann ein echter Wettbewerbsvorteil, wenn sie Kunden bindet, höhere Preise ermöglicht und dauerhaft starke Gewinne unterstützt.Deshalb solltest du Markenstärke immer gemeinsam mit Marktanteilen, Margen und Umsatzentwicklung betrachten.
Schritt 4: Wachstum analysieren
Als Nächstes prüfst du, wie sich der Umsatz über mehrere Jahre entwickelt hat.
Dabei solltest du unterscheiden:
- Wächst die verkaufte Menge?
- Werden höhere Preise durchgesetzt?
- Haben Währungen oder Übernahmen den Umsatz beeinflusst?
- Welche Regionen und Produktgruppen wachsen?
- Wie zuverlässig erreicht das Unternehmen seine eigenen Ziele?
Das Widget zeigt dir die historische Entwicklung sowie die Erwartungen für kommende Geschäftsjahre. Moderate Wachstumsraten sind bei einem etablierten Konsumgüterkonzern nicht ungewöhnlich. Entscheidend ist jedoch, ob das Wachstum zuverlässig und profitabel entsteht.
Schritt 5: Profitabilität untersuchen
Steigende Umsätze sind nur dann wertvoll, wenn daraus auch höhere Gewinne und Cashflows entstehen.
Bei Coca-Cola solltest du deshalb besonders auf folgende Kennzahlen achten:
- Bruttomarge,
- EBIT-Marge,
- Nettomarge,
- Gewinnwachstum,
- Free Cashflow.
Stabile oder steigende Margen können auf Preissetzungsmacht und gute Kostenkontrolle hindeuten. Fallen die Margen dagegen dauerhaft, könnten höhere Kosten oder wachsender Wettbewerb das Geschäft belasten.
Vergleiche Umsatz und Gewinn miteinander. Steigt der Gewinn schneller als der Umsatz, verbessert sich in der Regel die Profitabilität. Bleibt er zurück, solltest du nach den Ursachen suchen.
Schritt 6: Bilanz und Verschuldung prüfen
Auch ein profitables Unternehmen kann finanzielle Risiken besitzen. Deshalb gehört die Bilanz zu jeder vollständigen Aktienanalyse.
Prüfe insbesondere:
- Wie hoch sind Finanzschulden und liquide Mittel?
- Steigt oder sinkt die Verschuldung?
- Reicht der operative Cashflow für Zinsen und Rückzahlungen?
- Wie viel Geld fließt in Dividenden und Aktienrückkäufe?
- Bleibt ausreichend Kapital für Investitionen?
Schulden sind nicht grundsätzlich negativ. Problematisch werden sie jedoch, wenn die Zinslast steigt oder das Unternehmen seine Ausschüttungen nur durch zusätzliche Kredite finanzieren kann.
Schritt 7: Aktien bewerten – ist der Preis fair?
Ein hochwertiges Unternehmen kann trotzdem zu teuer sein. Deshalb musst du die Geschäftsentwicklung mit der aktuellen Bewertung verbinden.
Bei Coca-Cola eignen sich unter anderem:
- Kurs-Gewinn-Verhältnis,
- Verhältnis von Unternehmenswert zu EBIT,
- Kurs-Cashflow-Verhältnis,
- Dividendenrendite.
Vergleiche die aktuelle Bewertung anschließend mit:
- der eigenen historischen Bewertung,
- direkten Wettbewerbern,
- dem erwarteten Gewinnwachstum.
Eine Premium-Bewertung kann wegen der starken Marke und defensiven Nachfrage gerechtfertigt sein. Allerdings sinkt die mögliche Rendite, wenn du einen zu hohen Preis für nur moderates Wachstum bezahlst.
Schritt 8: Chancen und Risiken gegenüberstellen
| Chancen | Risiken |
|---|---|
| starke globale Marken | veränderte Gesundheitsgewohnheiten |
| Preissetzungsmacht | steigende Rohstoff- und Verpackungskosten |
| stabiles, defensives Geschäft | Regulierung und Zuckersteuern |
| Wachstum in neuen Getränkekategorien | Währungsrisiken |
| kontinuierlicher Cashflow | möglicherweise hohe Bewertung |
Die Tabelle zwingt dich dazu, nicht nur Argumente für den Kauf zu sammeln. Eine gute Analyse sucht bewusst nach Gründen, warum die eigene Einschätzung falsch sein könnte.
Schritt 9: Investmentthese formulieren
Am Ende fasst du deine Analyse in wenigen Sätzen zusammen.
Eine mögliche Investmentthese könnte lauten:
Coca-Cola besitzt starke Marken, ein weltweites Vertriebsnetz und eine vergleichsweise stabile Nachfrage. Dadurch kann das Unternehmen langfristig verlässliche Gewinne und Cashflows erzielen. Attraktiv ist die Aktie allerdings nur, wenn die Bewertung zum moderaten Wachstum passt. Die Investmentthese wäre gefährdet, wenn Markenstärke, Margen oder Absatzmengen dauerhaft sinken.
Diese These ist keine Kaufempfehlung. Sie zeigt vielmehr, welche Annahmen hinter einer möglichen Investition stehen.
Aktien bewerten: Die vollständige Checkliste
| Bereich | Zentrale Frage |
|---|---|
| Geschäftsmodell | Verstehe ich, wie das Unternehmen Geld verdient? |
| Branche | Wächst der Markt und wie stark ist der Wettbewerb? |
| Burggraben | Warum können Konkurrenten das Unternehmen nicht leicht verdrängen? |
| Wachstum | Steigen Umsatz und Gewinn nachhaltig? |
| Profitabilität | Sind Margen und Cashflow stabil? |
| Bilanz | Sind Schulden und Liquidität beherrschbar? |
| Bewertung | Passt der Preis zu Qualität und Wachstum? |
| Risiken | Welche Entwicklung könnte meine These widerlegen? |
| Investmentthese | Kann ich den Kauf in wenigen Sätzen begründen? |
