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13:54 Uhr, 18.03.2026

Marktstimmung:"Krieg und Krise werden zur Gewohnheit"

Die volatile Lage wirkt zunehmend normaler, weshalb der Optimismus zwar leicht abnimmt, aber dennoch hoch bleibt. Ob dies eine Bremse nach oben sein könnte und wie es an der Unterseite aussieht, weiß Joachim Goldberg.

Zusammenfassung

Mit steigender Risikoaversion und sinkendem Appetit internationaler Investoren auf europäische Aktien ist die Marktstimmung hiesiger Anlegerinnen und Anleger ebenfalls etwas schlechter geworden. Von den Profis haben 4 Prozent von long auf short gedreht. Ehemalige Dip-Käufer, denen die geringe Handelsspanne der vergangenen Woche nicht gereicht hat, vermutet Joachim Goldberg. Bei den Privaten ging es in die gleiche Richtung. Beide Sentiment-Indizes stehen mit +25 Punkten allerdings noch recht hoch.

Der Verhaltensökonom nimmt wahr, dass sich die Anlegerinnen und Anleger an die fragile Situation gewöhnt hätten. Außerdem sieht er die Mehrheit der Long-Positionen im Minus und rechnet ab 24.450 und 24.500 DAX-Punkten mit Verkäufen. Nach unten erwartet er ab 23.200/250 Stützungskäufe.

18. März 2026. FRANKFURT (Goldberg & Goldberg). Wieder hat sich der DAX seit unserer vergangenen Sentiment-Erhebung als vergleichsweise widerstandsfähig erwiesen. Zudem ist die Handelsbandbreite von knapp 2,6 Prozent angesichts der Geschehnisse im Iran-Krieg und der volatilen Entwicklung der Ölpreise durchaus bemerkenswert.

Bemerkenswert ist aber auch die gestern veröffentlichte Fondsmanager-Umfrage der Bank of America, die erste seit Beginn des Ölpreis-Schocks. Denn die internationalen Vermögensverwalter haben ihre Übergewichtung in globalen Aktien zurückgefahren, wenngleich in überschaubarem Maße. Immer noch netto 37 Prozent von ihnen gaben an, übergewichtet zu sein – ein Minus von gerade einmal 11 Prozentpunkten gegenüber Februar. Allerdings sprang die Kassenquote deutlich auf 4,3 Prozent; es handelt sich immerhin um den größten Zuwachs seit März 2020.

Kurzum: Risikoaversion und -bewusstsein gegenüber Aktien ist durchaus gestiegen, gerade wenn man bedenkt, dass geopolitische Konflikte zur Zeit als größtes Extremrisiko eingestuft werden. Regional betrachtet haben sich die internationalen Fondsmanager vor allem aus Aktien der Eurozone zurückgezogen: Nur noch netto 21 Prozent von ihnen gaben im März an, dort noch übergewichtet zu sein, im Vormonat waren es noch 35 Prozent.

Nur leichte Risikoaversion

Unterdessen wurde auch der hohe Optimismus hierzulande bei den institutionellen Investoren mit mittelfristigem Handelshorizont gegenüber der Vorwoche etwas abgebaut. Denn unser Deutsche Börse Sentiment-Index ist um 8 Punkte auf einen neuen Stand von +25 gefallen. Im Großen und Ganzen geht das aufs Konto einer Gruppe von Investoren – es handelt sich um 4 Prozent aller Befragten – zurück, die ihre Position um 180 Grad von Long auf Short gedreht haben. Diese wahrscheinlich eher kurzfristig orientierte Verhaltensweise mag auf frühere Dip-Käufer zurückzuführen sein, denen die Erholung des DAX von 1,1 Prozent im Wochenvergleich vermutlich nicht schnell genug ging, um noch an substanzielle Gewinne zu glauben.

Eine ganz ähnliche Entwicklung stellen wir bei den Privatanlegern fest, unter denen der Optimismus gegenüber der Vorwoche insgesamt ebenfalls zurückgegangen ist. Wir stellen in diesem Panel einen parallelen Rückgang im Deutsche Börse Sentiment-Index von 8 Punkten auf einen neuen Stand von +25 fest. Im Gegensatz zu den institutionellen Investoren ist das Bullenlager um 6 Prozentpunkte und damit etwas stärker geschrumpft, wobei zwei Drittel der Wechselwilligen zu den neutral gestimmten Investoren wechselten, der verbleibende Rest zu den Bären.

Parallelen zwischen Privaten und Profis

Betrachtet man diejenigen Anlegenden, die wir nicht über Social Media befragt haben, gleicht dieser Wechsel noch stärker dem Verhalten der institutionellen Investoren. Die überwiegende Mehrzahl der dort abwandernden Bullen (6 Prozent aller Befragten) sind nämlich direkt auf die Bärenseite gewechselt, haben ihre Engagements also um 180° gedreht. Der Sentiment-Index in dieser Untergruppe hat sich immerhin um elf Punkte auf einen neuen Stand von +17 verringert.

Dass der Gesamtindex am Ende doch noch genauso hoch wie bei den institutionellen Pendants notiert, liegt an den Anlegenden, die wir über Social Media befragten. Denn deren Stimmung ist gegenüber der Vorwoche gegen den Trend sogar gestiegen.

Somit hat sich zwischen Privatanlegern und institutionellen Investoren auch in dieser Woche keine Stimmungskluft aufgetan. Dass der Deutsche Börse Sentiment-Index bei den institutionellen Investoren mit einem Stand von +25 immer noch von einem ordentlichen Optimismus zeugt, ließe sich einerseits dadurch erklären, dass man sich mittlerweile an die volatile Situation bei den Ölpreisen und an die geopolitischen Einflussfaktoren gewöhnt zu haben scheint. Viel gravierender dürfte indes sein, dass viele Optimisten die Einstandspreise der bereits vor einigen Wochen begründeten bullishen Engagements bislang noch nicht wieder gesehen haben. Diese vermuten wir nunmehr zwischen 24.450 und 24.500 DAX-Zählern, so dass wir in diesem Bereich im Falle eines weiteren Kursanstiegs dort mit deutlichem Angebot rechnen.

Auf der Unterseite hat sich die Nachfragesituation von 23.200/250 DAX-Zählern genauso wie die Lage des DAX insgesamt etwas verbessert. Unterhalb davon sähe die heimische Aktienwelt allerdings wieder schlechter aus.

von Joachim Goldberg

18. März 2026, © Goldberg & Goldberg für Deutsche Börse

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Sentiment-Index institutioneller Anleger*innen

Bullish Bearish Neutral
Total 54% 29% 17%
ggü. letzter Erhebung -4% +4% +0%

DAX (Veränderung zu vergangener Erhebung): 23.850 Punkte (+250 Punkte zur letzten Erhebung)
Deutsche Börse Sentiment-Index institutionell Anlegende: 25 Punkte (-8 Punkte zur letzten Erhebung)

Sentiment-Index privater Anleger*innen

Bullish Bearish Neutral
Total 53% 28% 19%
ggü. letzter Erhebung -6% +2% +4%

DAX (Veränderung zu vergangener Erhebung): 23.850 Punkte (+250 Punkte zur letzten Erhebung)
Deutsche Börse Sentiment-Index privat Anlegende: 25 Punkte (-8 Punkte zur letzten Erhebung)

Über den Deutsche Börse Sentiment-Index

Der Deutsche Börse Sentiment-Index bewegt sich zwischen -100 (totaler Pessimismus) und +100 (totaler Optimismus), der Übergang von positive in negative Werte markiert die neutrale Linie.