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Kommentar
08:48 Uhr, 18.06.2026

Rohstoffe: Ölpreis fällt wie ein Stein

Der Ölpreis ist gegenüber seinen Hochs um mehr als ein Drittel gesunken. Auch die Edelmetalle sind weit von ihren Rekorden entfernt. Sowohl Öl- als auch Gold-ETCs stehen auf den Verkaufslisten.

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18. Juni 2026. FRANKFURT (Deutsche Börse). An den Rohstoffmärkten sind die Ausschläge dieses Jahr hoch: Aktuell geht es für den Ölpreis kräftig nach unten. Hintergrund: das mittlerweile unterzeichnete Rahmenabkommen zwischen den USA und Iran und die für den morgigen Freitag in Aussicht gestellte Öffnung der Straße von Hormus. Der Brent-Preis, Anfang Mai noch bei fast 120 US-Dollar das Barrel, liegt am Donnerstagmorgen nur noch bei 77 US-Dollar.

Nach Einschätzung von Leon Ferdinand Bost von Metzler ist mit viel niedrigeren Preisen vorerst aber nicht zu rechnen. „Denn selbst wenn die Einigung Bestand hat, wird es wohl noch eine ganze Weile dauern, bis der Verkehr durch die Meerenge sich vollständig normalisiert“, meint er. So müsse die Straße von Hormus von Minen befreit werden. Auch die Versicherungskosten blieben vorerst noch hoch. Bost geht davon aus, dass erst ab 2027 eine sich verringernde Angebots- und Nachfragedifferenz die Preise weiter nach unten drücken könnte.

„Reger Handel in beide Richtungen“

Am Markt hatten viele offenbar mit niedrigeren Ölpreisen gerechnet: Öl- und Gas-ETCs verzeichneten in den vergangenen Wochen jedenfalls Abflüsse, wie Emittent WisdomTree berichtet. „Starke Schwankungen führten aber zu einem regen Handel in beide Richtungen“, meldet Mobeen Tahir.

Im ETC-Handel an der Deutschen Börse spielten Öl-ETCs eine viel wichtigere Rolle als üblich: Sehr viel um ging in den beiden Preis-Trackern WisdomTree Brent Crude Oil (<JE00B78CGV99>) und WisdomTree WTI Crude Oil (<GB00B15KXV33>) sowie den WisdomTree-Produkten mit dreier Hebel (<IE00BMTM6B32>, <XS2819844387>). Aus dem ETC-Handel berichtet Sven Seipp von der ICF Bank von hohen Umsätzen im WisdomTree WTI Crude Oil 3x Daily Leveraged (IE00BMTM6B32). Auch bei Lang & Schwarz wird viel auf WTI- und Brent-ETCs mit Hebel gesetzt, long und short.

Gold: „Deutlicher Preisanstieg möglich“

Viel Bewegung gibt es auch bei den Edelmetallen. Der Goldpreis ist seit seinem Hoch bei 5.570 US-Dollar im Januar stark gefallen, die Feinunze wird am Donnerstagmorgen zu knapp 4.300 US-Dollar gehandelt. Der Silberpreis hat sich seit seinem Hoch bei fast 122 US-Dollar fast halbiert. Ein Grund: Vor dem Rahmenabkommen hatte sich die Erwartung höherer Leitzinsen durchgesetzt – nachteilig für das zinslose Gold.

Das könnte sich jetzt ändern: Die DWS prognostiziert – unter der Voraussetzung einer zumindest teilweisen Öffnung der Straße von Hormus – für die USA per Juni 2027 eine um 0,5 Prozentpunkte niedrigere Leitzinsspanne und einen Anstieg des Goldpreises. „Auf Sicht von zwölf Monaten halten wir einen deutlichen Preisanstieg für möglich“, erklärt Vincenzo Vedda. Neben den erwarteten US-Zinssenkungen sprächen dafür auch ein wahrscheinlich schwächerer US-Dollar sowie die nach wie vor hohe Nachfrage der Zentralbanken. Das Kursziel per Juni 2027: 5.400 Dollar pro Feinunze.

Abkehr von Edelmetall-ETCs

Edelmetall-ETCs verzeichneten in den vergangenen Wochen hohe Abflüsse, wie WisdomTree meldet. Auch Seipp sieht deutliche Flows aus dem Edelmetall-Sektor, etwa aus dem Invesco Physical Gold EUR Hedged (<XS2183935274>) und dem WisdomTree Physical Silver (<JE00B1VS3333>). Umsatzspitzenreiter im ETC-Handel auf Xetra waren erneut Xetra-Gold (<DE000A0S9GB0>) und Goldpreis-Tracker von iShares (<IE00B4ND3602>) oder Invesco (<IE00B579F325>). Der Goldbestand von Xetra-Gold bewegt sich seitwärts auf hohem Niveau. Aktuell sind es 171 nach knapp 173 Tonnen per Jahresende 2025.

Seit Januar: Tausch von Silber in Gold

Während Gold-ETCs am europäischen ETC-Markt seit Jahresanfang bis Ende Mai noch deutliche Nettozuflüsse von 2,1 Milliarden Euro verzeichneten, floss dieselbe Summe aus Silber-ETCs ab, wie das ETF-Analyse- und Handelshaus Crossflow berichtet. Zuflüsse gab es auch in gemischte Rohstoff-ETCs in Höhe von1,4 Milliarden Euro sowie Industriemetall-ETCs mit 900 Millionen Euro, während Energie-ETCs unter dem Strich abgestoßen wurden, ein Minus von 418 Millionen Euro).

Industriemetalle: Anstieg wegen Engpässen

Industriemetalle haben sich dieses Jahr klar verteuert, der WisdomTree Industrial Metals (<GB00B15KYG56>) weist nach oben. Der Preis für das wichtige Kupfer stieg seit Jahresanfang von 12.446 auf aktuell 13.772 US-Dollar. „Kupfer wurde weiterhin durch knappe Lagerbestände, Versorgungsengpässe und starke chinesische Nachfrageströme gestützt“, bemerkt Tahir.

Auch hier wird nicht mit einer schnellen Entspannung gerechnet, etwa bei Aluminium. „Auch wenn sich die Störungen allmählich legen, dürfte die Wiederaufnahme der Produktion schrittweise erfolgen, da die Hütten Zeit benötigen, um Rohstoffe zu beschaffen, die Stromversorgung zu stabilisieren und den Betrieb wieder aufzunehmen“, erklärt Ewa Manthey von der ING. Industriemetall-ETCs erlebten WisdomTree zufolge in den vergangenen Wochen leichte Zuflüsse.

Von Anna-Maria Borse, 18. Juni 2026, © Deutsche Börse AG

Über die Autorin

Anna-Maria Borse ist Finanz- und Wirtschaftsredakteurin mit den Schwerpunkten Finanzmarkt/Börse und volkswirtschaftliche Themen.

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