MÄRKTE EUROPA/Komplexe Zollthematik macht Anleger vorsichtig
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DOW JONES--Die europäischen Aktienmärkte sind wie erwartet am Montag mit moderaten Einbußen gestartet. Allgemein herrscht Verunsicherung bezüglich der US-Zollpolitik nach dem Urteil des Obersten Gerichtshofs am Freitag. Der DAX liegt rund 0,5 Prozent tiefer bei 25.144 Punkten. Damit gibt er die Gewinne aus dem späten Handel am Freitag wieder ab, die er in erster Reaktion auf das Urteil eingefahren hatte. Der Euro-Stoxx-50 handelt 0,3 Prozent tiefer bei 6.113 Punkten. Der Blick auf die Branchen positionieren sich die Marktteilnehmer defensiver positionieren.
Branchenseitig werden Finanzwerte favorisiert, Bank- und Versichereraktien gewinnen etwa 0,7 Prozent, gemessen an ihren Stoxx-Subindizes. Am Ende rangieren Technologieaktien (-1,4%) sowie Rüstungstitel (-1,5%).
Nach der Entscheidung des Gerichts, dass Präsident Trump mit der Einführung pauschaler Importzölle auf Basis eines Notstandsgesetzes seine Befugnisse überschritten habe, verkündete Trump umgehend neue Zölle. Ebenso, wie es am Freitag zu keinem Euphorieausbruch an den Börsen kam, halten sich damit zunächst aber auch die neuen Sorgen im Hinblick auf eine neue Phase der Unsicherheit in Grenzen. Trump beruft sich nun auf Abschnitt 122 des Handelsgesetzes von 1974 und erhebt einen globalen Basiszoll von 15 Prozent, der zunächst 150 Tage eingesetzt werden kann, um außenwirtschaftliche Ungleichgewichte zu korrigieren.
Laut Ulrich Stephan, Chefanlagestratege für Privat- und Firmenkunden der Deutschen Bank, führt dies zu kurzfristigen Vorteilen für Staaten mit bislang höheren "reziproken Zöllen", während bestehende sektorale Ausnahmen - etwa für energie- oder technologiebezogene Produkte - voraussichtlich bestehen blieben.
Nach Einschätzung von Kallum Pickering, Chefvolkswirt bei Peel Hunt, könnte sich das Urteil mit etwas Glück als Nettovorteil für die US-Wirtschaft und die Weltwirtschaft erweisen. Obwohl Trump am Ende wahrscheinlich einen Weg finden dürfte, die Zölle hochzuhalten, könnten die tatsächlichen Zölle auf US-Importe niedriger bleiben als zuvor. Dies könne dazu beitragen, den Inflationsdruck in den USA geringfügig zu senken und Störungen der globalen Lieferketten durch den US-Protektionismus abzumildern.
Zugleich weist er aber auch auf schwer abzuschätzende Folgen der Spannungen zwischen den USA und Iran hin. Störungen in der Straße von Hormus - der globalen Schifffahrtsstraße, durch die 20 Prozent der weltweiten Ölströme fließen - stellten ein Versorgungsrisiko dar, das den optimistischen globalen Ausblick für dieses Jahr fundamental infrage stellen könne.
Die Ölpreise geben aktuell dennoch um gut 1 Prozent nach, nachdem sie zuletzt bereits stark gestiegen sind. Ein möglicher US-Schlag gegen den Iran dürfte die Ölpreise nur begrenzt beeinflussen, glaubt derweil Analyst Joshua Aguilar von Morningstar. Die globalen Öl-Referenzsorten seien seit Jahresbeginn deutlich gestiegen und der Markt preise eine höhere Wahrscheinlichkeit einer US-Intervention ein als politische Experten. Weiter aufwärts geht es mit dem Goldpreis, aktuell um 0,5 Prozent auf 5.130 Dollar. Das Edelmetall erhält Zulauf als sicherer Hafen, wie es heißt.
Datenseitig steht der Ifo-Geschäftsklimaindex aus Deutschland um 10.00 Uhr auf dem Programm. Er wird einen Tick höher erwartet als zuletzt. Die Vorgaben für den Februarwert sind laut den Marktstrategen der Helaba mit Blick auf diverse andere bereits bekannte Konjunkturdaten günstig. Der konjunkturelle Erholungspfad in Deutschland scheine stabiler zu werden.
Unternehmensseitig ist die Nachrichtenlage zum Wochenstart extrem dünn. Infineon will für bis zu 200 Millionen eigene Aktien über die Börse zurückkaufen. Die Aktie gibt dennoch mit dem Markt um 0,6 Prozent nach.
Die RBC hat die Aktie der spanischen Bank Santander auf "Outperform" von "Sectorperform" angehoben. Der Kurs legt darauf um 1,2 Prozent zu.
Für Airbus haben die Analysten von JP Morgan ihre Prognosen für den Gewinn im Zeitraum 2026 bis 2030 um jährlich 4 bis 11 Prozent gesenkt. Sie nehmen eine etwas vorsichtigere Haltung bezüglich des Hochlaufens der Flugzeugproduktion ein und bewerten angesichts der Erfahrungen der vergangenen Jahre den operativen Hebel zurückhaltender. Airbus kommen um 1,6 Prozent zurück.
Adidas gewinnen 1,1 Prozent, im MDAX legen Puma um 0,8 Prozent zu. Beide Unternehmen lassen in Südostasien produzieren, in Ländern, die von der neuen Zollsituation leicht profitieren, weil sie zuvor besonders hohe Zölle auferlegt bekommen hatten.
INDEX zuletzt +/- % +/- abs. Schluss Vortag +/- % YTD Euro-Stoxx-50 6.112,91 -0,3 -18,40 6.131,31 16,8 Stoxx-50 5.242,89 -0,3 -15,77 5.258,66 11,9 DAX 25.144,60 -0,5 -116,09 25.260,69 19,9 MDAX 31.709,51 -0,4 -113,88 27.039,42 15,3 TecDAX 3.698,83 -0,6 -22,67 3.091,28 4,8 SDAX 17.937,28 -0,5 -86,64 13.062,07 22,4 CAC 8.502,67 -0,2 -12,82 8.515,49 10,0 SMI 13.855,95 -0,0 -3,81 13.859,76 11,4 ATX 5.798,72 -0,2 -8,72 5.807,44 38,3 DEVISEN zuletzt +/- % +/- abs. Schluss Vortag Fr, 18:58 EUR/USD 1,1816 +0,3 0,0036 1,1780 1,1777 EUR/JPY 182,72 +0,0 0,0700 182,65 182,5800 EUR/CHF 0,9131 -0,1 -0,0008 0,9139 0,9131 EUR/GBP 0,8742 +0,0 0,0001 0,8741 0,8731 USD/JPY 154,63 -0,3 -0,4200 155,05 154,9900 GBP/USD 1,3513 +0,2 0,0031 1,3482 1,3487 USD/CNY 6,908 +0,1 0,0070 6,9080 6,9080 USD/CNH 6,8825 -0,2 -0,0136 6,8961 6,8987 AUS/USD 0,708 -0,0 -0,0003 0,7083 0,7074 Bitcoin/USD 65.705,72 -2,8 -1.901,17 67.606,89 67.541,80 ROHOEL zuletzt +/- % +/- abs. Schluss Vortag WTI/Nymex 65,60 -1,3 -0,88 66,48 Brent/ICE 71,04 -1,0 -0,72 71,76 Metalle zuletzt +/- % +/- abs. Schluss Vortag Gold 5.123,74 +0,4 20,25 5.103,49 Silber 86,03 +1,7 1,46 84,57 Platin 2.143,80 -0,6 -12,75 2.156,55
Kontakt zum Autor: maerkte.de@dowjones.com
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