Krypto-Gesetz gescheitert: Circle und Coinbase stürzen nach Senat-Debakel ab
- Lesezeichen für Artikel anlegen
- Artikel Url in die Zwischenablage kopieren
- Artikel per Mail weiterleiten
- Artikel auf X teilen
- Artikel auf WhatsApp teilen
- Ausdrucken oder als PDF speichern
Erwähnte Instrumente
- VerkaufenKaufen
Schnell. Sicher. Direkt.Trading über stock3 war noch nie so einfach.
Mehr erfahren Nein, danke - VerkaufenKaufen
Goldesel Kompakt
Das Wichtigste in Kürze
- 01Abstimmung im Senat: Der US-Senat lehnte die Verfahrensvorlage zum CLARITY Act mit 49 zu 50 Stimmen ab; nötig waren 60.
- 02Krypto-Aktien im Minus: Circle gab am Dienstag über 11 Prozent nach, Coinbase mehr als 10, Riot 6, Strategy über 5 und Robinhood mehr als 3 Prozent.
- 03ETF-Abflüsse: US-Spot-Bitcoin-ETFs verzeichneten am 15. September Nettoabflüsse von 450,33 Millionen USD, Ethereum-ETFs von 141 Millionen USD.
Der US-Senat hat das wichtigste Krypto-Gesetz der laufenden Legislaturperiode gestoppt. Die Verfahrensbeschluss-Vorlage zum Digital Asset Market Clarity Act scheiterte am Dienstag mit 49 zu 50 Stimmen, benötigt wurden 60. Alle Demokraten sowie vier Republikaner stimmten gegen die Vorlage. Die Folgen zeigten sich sofort: Circle fiel um mehr als 11 Prozent, Coinbase verlor über 10 Prozent, Riot rund 6, Strategy über 5 und Robinhood mehr als 3 Prozent.
Der CLARITY Act hätte erstmals klare Zuständigkeiten zwischen den Aufsichtsbehörden SEC und CFTC festgelegt und der Commodity Futures Trading Commission mehr Befugnisse über die Krypto-Kassamärkte übertragen. Das Repräsentantenhaus hatte denselben Entwurf bereits im Juli 2025 mit 294 zu 134 Stimmen verabschiedet, damals mit Unterstützung von 78 Abgeordneten der Demokraten. Vierzehn Monate später ist das Gesetz im Senat gescheitert.
Warum Trump im Zentrum der Kritik steht
Senatorin Elizabeth Warren argumentierte im Plenum, der CLARITY Act berge massive Risiken für Familien, die Wirtschaft und die nationale Sicherheit. Sie sagte laut CBS News, keiner habe persönlich mehr von dem Gesetz zu gewinnen als der Präsident der Vereinigten Staaten. Zentral ist für die Demokraten die Frage der Ethikregeln: Sie monieren, dass die zuletzt eingearbeiteten Änderungen nicht weit genug gehen, um den Präsidenten und seine Familie von Gewinnen aus eigenen Krypto-Vorhaben auszuschließen.
This bill poses a massive risk to families, to our economy and to national security.
Elizabeth Warren, US-Senatorin, laut CBS News
Zur Einordnung: Laut CBS News erzielte Donald Trump im Vorjahr 1,4 Milliarden USD an Krypto-Einnahmen, unter anderem durch sein Memecoin-Geschäft und das Krypto-Unternehmen seiner Familie. Der Krypto-Journalist Brady Dale brachte das Scheitern des Gesetzes in einem Beitrag auf X direkt mit der Ausgabe des $TRUMP-Tokens in Verbindung. Das ist eine Einschätzung einzelner Beobachter, keine offizielle Erklärung des Abstimmungsergebnisses.
Die Branche verliert ihre legislative Perspektive
Für die Branche ist das Scheitern ein Rückschlag nach Jahren Lobbyarbeit für einen bundesweiten Regulierungsrahmen. Ohne Gesetz bleibt die Rechtslage zersplittert: SEC und CFTC haben die Durchsetzung im Kryptobereich bislang teils verwirrend aufgeteilt. Senate Majority Leader John Thune hatte vor der Abstimmung das Gesetz als logischen nächsten Schritt nach dem Genius Act für Stablecoins verteidigt und auf mehr als 100 Änderungen auf Wunsch der Demokraten verwiesen.
✓
✕
”
Was der CLARITY Act hätte regeln sollen
Das Gesetz hätte festgelegt, welche Krypto-Assets als Wertpapiere unter der SEC und welche als Waren unter der CFTC gelten. Die CFTC hätte deutlich mehr Befugnisse über Krypto-Kassamärkte erhalten. Ohne das Gesetz bleiben die Zuständigkeiten zwischen beiden Behörden ungeklärt.
Einige Marktteilnehmer versuchen, die Lage zu relativieren. Ripple-Chefjurist Stuart Alderoty verwies auf ein Bundesgerichtsurteil von 2023, wonach XRP-Verkäufe an Börsen keine Wertpapierverkäufe sind, und auf eine gemeinsame Auslegung von SEC und CFTC vom März, die XRP als digitale Commodity einordnet. Strategy, früher MicroStrategy, erklärte, Bitcoin habe in den USA seit Jahren rechtliche Klarheit. Das Unternehmen hält 845.050 Bitcoin, gekauft für insgesamt 63,73 Milliarden USD, im Schnitt 75.412 USD je Coin.
Ausverkauf auch ohne Parlament: ETFs verlieren Geld
Nicht allein das Votum trieb die Kurse nach unten. Laut Crypto Daily wurde der Verkaufsdruck am Dienstag auch durch Risikoreduktion vor der Fed-Entscheidung am Mittwoch verstärkt. Die Datenlage an den ETF-Märkten passt dazu: US-Spot-Bitcoin-ETFs verzeichneten am 15. September Nettoabflüsse von 450,33 Millionen USD, kein einziger der zwölf Fonds hatte Zuflüsse. Fidelitys FBTC stand mit 214,75 Millionen USD und BlackRocks IBIT mit 161,69 Millionen USD an der Spitze der Abflüsse.
Auch die Ethereum-ETFs verloren: 141 Millionen USD flossen netto ab, davon 97,97 Millionen USD allein bei BlackRocks ETHA. Kapitalabflüsse in dieser Größenordnung zeigen, dass institutionelle Anleger ihr Krypto-Engagement zumindest kurzfristig zurückgefahren haben.
Was Coinbase, Circle und Robinhood jetzt umtreibt
Für Coinbase ist die verlorene Abstimmung doppelt unbequem: Als größte US-Börse für digitale Assets hängt ihr Geschäftsmodell nicht zuletzt an regulatorischer Planbarkeit. CEO Brian Armstrong erklärte nach dem Votum, er erwarte, dass SEC und CFTC nun auf Basis ihrer bestehenden Vollmachten zügig eigene Marktregeln erlassen. Weiteres Warten auf den Kongress sei nicht akzeptabel.
Die SEC und die CFTC können auf Basis ihrer bestehenden Vollmachten klare Regeln aufstellen; in jedem Fall wird es Klarheit geben.
Circle als Emittent des Stablecoin USDC profitierte zuletzt vom Genius Act, braucht aber für sein Kerngeschäft ebenfalls verlässliche Regeln. Robinhood ist als Broker über Krypto-Handelserlöse und neue Produktlinien direkt vom regulatorischen Umfeld abhängig. Strategy schließlich ist mit einem Bitcoin-Bestand von rund 63,73 Milliarden USD Kaufwert die kapitalmarktnächste Wette auf die älteste Kryptowährung, auch wenn das Unternehmen eine gesetzliche Abhängigkeit ausdrücklich bestreitet.
Die relevanten Titel zum Thema
Das Abstimmungsergebnis trifft die börsennotierten Krypto-Aktien unterschiedlich hart, alle genannten Titel sind aber unmittelbar betroffen. Coinbase verliert als Handelsplattform am stärksten unter dem unsicheren Regelwerk, Circle als Stablecoin-Emissent braucht Planbarkeit für partnerships und Reserven, Robinhood verzögerte Krypto-Produkte, und Strategy trägt das Kurrisiko seines riesigen Bitcoin-Bestands direkt an die Börse. Wer auf eine Verschnaufpause hofft, verweist auf Armstrongs Erwartung, dass die Aufsichtsbehörden eigenständig liefern, und darauf, dass der Entwurf nach der Vorlage des Repräsentantenhauses wieder eingebracht werden könnte. Bis dahin bleibt der Markt auf die Arbeit von SEC und CFTC angewiesen.
Diese Aktien gehören eher zu den Verlierern
Aus dem beschriebenen Anlass leiten sich für Anleger vor allem diese Börsentitel ab — mit unterschiedlichem Hebel.
Diese Aktien sind mögliche Profiteure
Aus dem beschriebenen Anlass leiten sich für Anleger vor allem diese Börsentitel ab — mit unterschiedlichem Hebel.
