Europa bei KI abgehängt, Novo Nordisk, SpaceX & wir haben diese Aktien gekauft
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In der aktuellen Ausgabe des Podcasts “Aktientalk” sprechen unser Goldesel Michael Flender und Daniel von Investflow über die aktuelle Bewertung von SpaceX und die Sorge, dass Europa in Sachen KI vollständig abgehängt oder sogar abgeschnitten werden könnte.
Außerdem beleuchten unsere Experten die aktuelle Lage bei Novo Nordisk, Redcare Pharmacy und Qualcomm sowie den KI-Aspiranten aus China DeepSeek.
Letztlich geht es noch um eine Aktie, die Daniel für die Tenbagger-Challenge gekauft hat und um einen sehr schönen Newstrade von Michael.
Wie absurd die Bewertung von SpaceX mittlerweile ist, warum Europa sogar von KI abgeschnitten werden könnte und welche Aktie Daniel gekauft hat, das und vieles mehr erfahrt ihr in der aktuellen Podcast-Episode bei Apple Podcasts, Spotify oder direkt bei YouTube.
Marktlage: Fed im Blick, Ölpreis entspannt sich, Konsumtitel atmen auf
Die Woche wird zwar von der Fed-Sitzung begleitet, große Zinsschritte erwartet aber kaum jemand. Viel spannender ist eher, was in den begleitenden Aussagen mitschwingt. Also weniger die nackte Entscheidung und mehr der Tonfall zu Konjunktur, Inflation und den nächsten Monaten.
Daneben gab es zuletzt noch ein zweites großes Thema: die Entspannung rund um den Iran. Ganz vom Tisch ist das Thema sicher nicht, denn bei solchen Abkommen bleibt oft offen, wie stabil sie am Ende wirklich sind. Trotzdem hat der Markt zunächst erleichtert reagiert, und das sieht man besonders deutlich beim Ölpreis.
Die starken Ausschläge nach oben, vor denen manche gewarnt hatten, sind bisher ausgeblieben. Stattdessen ist Öl wieder spürbar zurückgekommen. Das hilft vor allem den typischen Profiteuren niedriger Energiekosten:
- Airlines
- Tourismuswerte
- Konsumtitel
- Unternehmen mit hoher Transport- oder Energiekostenquote
Der Mechanismus ist simpel: Wenn Tanken und Energie günstiger werden, bleibt bei Verbrauchern mehr Geld für andere Ausgaben. Genau deshalb reagieren Konsumbranchen oft positiv, wenn der Ölpreis nicht weiter eskaliert.
SpaceX: Hype, Knappheit und eine Bewertung, die jede Vorstellung sprengt
Über SpaceX kommt man aktuell nicht hinweg. Die Aktie beziehungsweise das handelbare Vehikel rund um das Thema hat nach dem Börsenstart weiter massiv zugelegt. Das ist auf den ersten Blick absurd, auf den zweiten aber zumindest teilweise erklärbar.
Ein Kernpunkt ist der geringe Free Float. Wenn nur ein kleiner Teil der Aktien überhaupt frei handelbar ist, reichen starke Nachfrage und ein bisschen FOMO aus, um gewaltige Kursbewegungen auszulösen. Genau das passiert hier gerade.
Dazu kommen natürlich die typischen Zukunftsvisionen, die bei Elon Musk immer eine große Rolle spielen. Im Raum stehen gewaltige Umsatzfantasien für die kommenden Jahre. Ob solche Ziele realistisch sind, ist kurzfristig fast zweitrangig. In Hype-Phasen zählt oft zuerst die Story und erst später die Realität.
Wichtig ist aber, zwei Dinge sauber zu trennen:
- Kurzfristig kann das Chance-Risiko-Verhältnis bei einer Zeichnung interessant gewesen sein.
- Langfristig ist eine Bewertung in Billionenhöhe eine komplett andere Diskussion.
Genau da liegt der Unterschied, den viele verwechseln. Wer auf einen Zeichnungsgewinn oder einen frühen Impuls gesetzt hat, konnte damit richtig liegen. Wer dagegen jetzt nach einer gewaltigen Rally noch hinterherspringt, obwohl vorher alles zu riskant schien, läuft eher der Bewegung hinterher.
Besonders spannend ist dabei ein anderer Gedanke: Selbst wenn die Bewertung aktuell überzogen sein sollte, hat SpaceX durch die Kapitalaufnahme nun enorme Mittel zur Verfügung. Und mit diesem Geld kann man reale Dinge bauen. Raketen, Infrastruktur, Rechenzentren, Satellitensysteme. Das ist nicht nur Papierfantasie, sondern schafft tatsächlich neue Kapazitäten.
Das heißt nicht, dass die Bewertung gerechtfertigt ist. Aber es bedeutet, dass mit dem eingesammelten Kapital etwas geschaffen werden kann, das langfristig Wirkung entfaltet. Genau das ist auch ein Unterschied zu manch anderem Markt-Hype.
Europa und KI: Die Anthropic-Nachricht ist ein Warnsignal
Eine der wichtigsten Entwicklungen der Woche kam aus dem KI-Bereich und war auf den ersten Blick vor allem schlecht für Anthropic. Die US-Regierung hat den Zugriff auf bestimmte neue Modelle für Nicht-US-Bürger untersagt. Sogar ausländische Mitarbeiter des Unternehmens waren davon betroffen.
Das klingt zunächst wie ein spezieller Einzelfall. Tatsächlich steckt darin aber ein viel größeres Thema: Europas Abhängigkeit von amerikanischer KI-Infrastruktur und amerikanischen Modellen.
Wenn ein Land oder eine Regierung den Zugang zu Schlüsseltechnologie beschränken kann, dann wird brutal sichtbar, wer die Kontrolle besitzt und wer nicht. Und genau da sieht es für Europa düster aus.
Im KI-Wettlauf ist die Hierarchie ziemlich klar:
- USA
- mit Abstand lange nichts
- China
- Europa mit wenigen Ausnahmen
Natürlich gibt es auch in Europa starke Einzelunternehmen. ASML ist das beste Beispiel. Aber im großen technologischen Machtgefüge reicht ein einzelner Champion eben nicht aus, wenn die entscheidenden Modelle, Plattformen und Cloud-Kapazitäten woanders entstehen.
Das eigentliche Problem ist nicht nur der Rückstand. Das Problem ist die Abhängigkeit. Wenn die USA den Zugang zu zentralen Technologien einschränken, hat Europa aktuell kaum etwas in der Hand, das wirklich gleichwertig wäre.
Gerade für Anleger ist das eine unangenehme, aber wichtige Erkenntnis. Wer langfristig auf die größten Technologiewellen setzen will, kommt an den USA kaum vorbei. Europa hat interessante Nischen, Hidden Champions und einige starke Industriefelder. Im Bereich KI und Plattformtechnologie ist das Kräfteverhältnis aber derzeit sehr eindeutig.
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DeepSeek sammelt Milliarden ein und zeigt Chinas Ambitionen
Während Europa um Anschluss ringt, wird in China weiter aufgerüstet. DeepSeek, das Modell, das vor einiger Zeit schon einmal für erhebliche Unruhe gesorgt hatte, sammelt nun offenbar 7,4 Milliarden Dollar ein. Das ist eine gewaltige Finanzierungsrunde und ein klares Signal.
Damit wird zweierlei deutlich:
- China nimmt das Rennen um leistungsfähige KI-Modelle sehr ernst.
- Der Wettbewerb wird nicht nur technologisch, sondern auch finanziell extrem aggressiv geführt.
Ein weiterer Punkt ist der Kostenfaktor. Große Sprachmodelle sind teuer. Nicht nur in der Entwicklung, sondern auch in der Nutzung. Tokenkosten können gerade bei hochwertigen Modellen schnell ausufern. Deshalb schauen viele Unternehmen inzwischen sehr genau darauf, welche Modelle leistungsfähig und gleichzeitig effizient sind.
Wenn chinesische Modelle deutlich günstiger angeboten werden, entsteht automatisch Druck auf die westlichen Anbieter. Natürlich bleibt dabei immer die Frage nach Datenschutz, Sicherheit und Verlässlichkeit. Aber allein die Preisstruktur macht klar, dass sich dieser Wettbewerb noch deutlich verschärfen wird.
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Novo Nordisk: Die guten Nachrichten hören nicht auf
Novo Nordisk hat in den vergangenen anderthalb Jahren an der Börse einiges an Frust produziert. Umso spannender ist, dass sich operativ zuletzt wieder mehr positive Signale häufen.
Besonders im Fokus steht die Wegovy-Pille. Das Thema trifft einen Nerv, denn es ist ziemlich offensichtlich, was Patienten lieber hätten: eine Tablette statt einer Injektion. Genau deshalb überrascht die hohe Nachfrage im Grunde nicht.
Aktuell deuten die Meldungen darauf hin, dass das Interesse an der Tablettenform massiv ist. Teilweise ist von einem Vielfachen der Nachfrage im Vergleich zur Spritzenvariante die Rede. Es gibt Wartelisten, und schon jetzt steht die Frage im Raum, ob die verfügbaren Mengen überhaupt ausreichen werden.
Für Novo Nordisk ist das aus mehreren Gründen wichtig:
- Die Akzeptanz für das Produkt dürfte deutlich steigen.
- Die Marktdurchdringung kann sich beschleunigen.
- Als früher Anbieter hat das Unternehmen einen Marken- und Vertrauensvorsprung.
Dazu kommt die internationale Expansion. Neue Märkte wie die Vereinigten Arabischen Emirate und das Vereinigte Königreich bringen zusätzliche Reichweite. Noch spannender ist aber der Zulassungsantrag in China. Wenn dort grünes Licht kommt, eröffnet das einen riesigen zusätzlichen Absatzmarkt.
Deshalb verdichtet sich der Eindruck, dass bei Novo Nordisk operativ deutlich mehr geht, als der Aktienkurs zuletzt signalisiert hat. Wenn sich der starke Newsflow fortsetzt und die Nachfrage tatsächlich so hoch bleibt, wäre auch eine Prognoseanhebung keine große Überraschung.
Interessant ist in solchen Phasen oft auch die Stimmung. Wenn über eine Aktie in sozialen Medien immer weniger gesprochen wird, kann das ein Zeichen sein, dass die ungeduldigen Marktteilnehmer bereits raus sind. Nicht immer, aber oft ist das die Phase, in der sich das Chance-Risiko-Verhältnis wieder verbessert.
Qualcomm setzt auf AI Devices jenseits des Smartphones
Bei Qualcomm gab es ebenfalls spannende Aussagen. Das Unternehmen arbeitet laut eigener Aussage an mehr als 40 neuen AI Powered Devices. Gemeint sind nicht nur klassische Gadgets, sondern eine ganze Palette neuer Hardwarekategorien:
- Smart Glasses
- Wearables
- Uhren
- Kameras
- Pins und andere kleine Assistenzgeräte
Die dahinterliegende Idee ist groß: KI soll nicht nur in Apps stattfinden, sondern direkt in Geräten, die man ständig bei sich trägt oder im Alltag beiläufig nutzt. Wenn das funktioniert, könnte sich auch die Rolle des Smartphones verändern.
Die These lautet also nicht, dass das Smartphone morgen verschwindet. Eher geht es darum, dass bestimmte Aufgaben künftig über spezialisierte KI-Hardware erledigt werden und das Handy damit an Bedeutung verliert.
Natürlich darf man nicht vergessen, dass Qualcomm ein Eigeninteresse hat, diese Entwicklung hervorzuheben. Trotzdem passt das gut in den größeren Trend. KI wandert vom Rechenzentrum auf Endgeräte. Und wenn dort neue Formfaktoren entstehen, kann das ein sehr spannender Wachstumsmarkt werden.
Salesforce übernimmt Informatica-ähnlichen Agentenfokus mit Fin
Im Softwaresektor bleibt die Lage an der Börse weiter schwierig, obwohl viele Unternehmen operativ gar nicht schlecht liefern. Salesforce ist dafür ein gutes Beispiel. Nach ordentlichen Zahlen konnte die Aktie zunächst zulegen, fiel später aber wieder deutlich zurück. Das zeigt: Der Markt traut den Geschichten noch nicht so recht.
Nun hat Salesforce die Übernahme von Fin für 3,6 Milliarden Dollar angekündigt. Strategisch passt das gut in die Ausrichtung rund um Agentforce und den Ausbau KI-gestützter Softwarelösungen.
Worum geht es bei Fin? Im Kern um KI-Agenten für Kundenanfragen, die über viele Kanäle hinweg arbeiten können, etwa:
- Livechat
- SMS
- Telefon
- Slack
Der entscheidende Punkt ist dabei nicht die bloße Automatisierung einfacher Standardfragen. Wirklich interessant wird es erst dann, wenn solche Agenten auch komplexere Supportfälle zuverlässig lösen können. Denn genau daran scheitern viele heutige Chatbots noch ziemlich spektakulär.
Salesforce stärkt damit also einen Bereich, der bereits stark wächst. Trotzdem reagiert der Markt auf viele Softwaretitel weiterhin reserviert. Das sieht man nicht nur bei Salesforce, sondern auch bei SAP, ServiceNow oder Adobe. Gute Zahlen allein reichen aktuell oft nicht. Es braucht offenbar noch mehr Beweise dafür, dass KI nicht nur Fantasie erzeugt, sondern nachhaltig Umsatz, Margen und Produktivität verbessert.
Das kann nerven, eröffnet aber auch Chancen. Denn wenn sich die Stimmung einmal dreht, sind in diesen Aktien auch kräftige Erholungen möglich. Einige Titel haben bereits gezeigt, wie schnell solche Rebounds laufen können.
Ein konkreter Trade: Warum Redcare Pharmacy plötzlich spannend wurde
Neben den großen Technologiethemen gab es auch einen ganz klassischen Aktien-Trade, der sehr gut zeigt, wie nachrichtengetriebenes Trading funktionieren kann. Es geht um Redcare Pharmacy, vielen noch unter dem früheren Namen Shop Apotheke bekannt.
Die Ausgangslage war eigentlich ideal für einen positiven Überraschungseffekt:
- Die Stimmung rund um die Aktie war schwach.
- Es gab Sorgen wegen neuer Konkurrenz, unter anderem durch dm.
- Fragezeichen rund um verschreibungspflichtige Medikamente hatten belastet.
- Die Aktie war weit von früheren Hochs entfernt.
Dann kam die positive Wendung: Das zweite Quartal läuft deutlich besser als erwartet, und das Unternehmen hebt die Prognose an. Der Konzernumsatz soll nun stärker wachsen als zuvor angenommen. Besonders wichtig war dabei, dass sowohl der Bereich der verschreibungspflichtigen als auch der nicht verschreibungspflichtigen Medikamente besser läuft.
Genau solche Konstellationen sind im Trading oft spannend. Wenn die Erwartungen niedrig sind, die Stimmung schlecht ist und dann plötzlich ein klar positiver operativer Impuls kommt, kann das eine Trendwende auslösen.
Der Markt reagierte entsprechend kräftig. Für deutsche Verhältnisse waren die Kursbewegungen enorm. Solche Moves sieht man hier deutlich seltener als bei hochvolatilen US-Werten.
Das Grundprinzip hinter dem Trade lässt sich ziemlich gut zusammenfassen:
- Schlechte Stimmung
- Niedrige Erwartungen
- Überraschend starke operative News
- Prognoseanhebung
- Potenzial für Neubewertung
Das ist keine Garantie, aber ein nachvollziehbarer Ansatz. Gerade weil viele Marktteilnehmer dann noch falsch positioniert sind oder erst mit Verzögerung reagieren.
Neukauf in der Tenbagger-Depot-Challenge: MicroStrategy
Der zweite konkrete Kauf war deutlich kontroverser. Genau deshalb dürfte er einige feiern und andere komplett auf die Palme bringen: gekauft wurde MicroStrategy.
Die Logik dahinter ist klar. Wer langfristig von Bitcoin überzeugt ist, sucht manchmal nach Vehikeln, die bei steigenden Bitcoin-Kursen überproportional reagieren können. Und MicroStrategy ist genau so ein Fall, weil das Unternehmen in riesigem Umfang Bitcoin hält.
Vor kurzem hatte MicroStrategy erstmals seit langer Zeit eine kleine Menge Bitcoin verkauft. Das wurde als Belastung wahrgenommen. Inzwischen wurde aber wieder nachgelegt und erneut Bitcoin gekauft. Das unterstreicht, dass die grundsätzliche Strategie weiter intakt ist.
Der Kauf basiert also auf einer einfachen These:
- Bitcoin befindet sich aus Sicht des Käufers eher am unteren Ende einer interessanten Spanne.
- Bei einer Erholung des Bitcoin-Kurses kann MicroStrategy besonders stark anspringen.
- Für eine Tenbagger-Strategie ist genau dieses asymmetrische Potenzial interessant.
Wichtig ist aber auch hier die saubere Einordnung. MicroStrategy ist nicht dasselbe wie ein direktes Investment in Bitcoin. Wer direkt in Bitcoin investiert sein will, tut das am saubersten über die eigentliche Position im Wallet. MicroStrategy ist eher ein zusätzlicher Hebel auf die Bitcoin-Story, verbunden mit unternehmensspezifischen Risiken.
Genau deshalb ist die Aktie so umstritten. Aber für eine spekulativere Depot-Challenge kann sie eben genau deshalb attraktiv sein.
Offenlegung wegen möglicher Interessenkonflikte
Der Autor ist in den folgenden besprochenen Wertpapieren bzw. Basiswerten zum Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Analyse investiert: Novo Nordisk, Redcare Pharmacy.
