KI-Aktien brechen ein: Kann Bitcoin davon profitieren?
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Bitcoin hat sich binnen weniger Tage deutlich erholt. Nach einem Rückfall auf knapp 58.000 US-Dollar am Dienstag stieg die Kryptowährung zurück in Richtung 62.000 US-Dollar. Zur selben Zeit gerieten Halbleiter- und KI-Aktien massiv unter Druck. Der abrupte Stimmungswechsel wirft nun eine berechtigte Frage auf: Fließt endlich wieder Kapital aus dem überfüllten KI-Trade in den Krypto Space?
Der KI-Trade verliert an Zugkraft
Halbleiterwerte starteten mit deutlichen Verlusten in das zweite Halbjahr. Der VanEck Semiconductor ETF (SMH) gab innerhalb von zwei Handelstagen rund sieben Prozent nach und verzeichnete den stärksten Rückgang seit Jahren.
Auch in Asien nahm der Verkaufsdruck zu. Der südkoreanische Leitindex KOSPI verlor zeitweise fast acht Prozent. Aktien von SK Hynix und Samsung brachen sogar zweistellig ein. Die Ausgangslage ist weiter angespannt, denn Halbleiterunternehmen standen zuletzt für knapp 20 Prozent der gesamten Marktkapitalisierung des S&P 500 – ein historischer Höchststand. Ein Blasenindikator der Bank of America erreichte für den US-Halbleitersektor den höchsten Stand seit seiner Einführung. Technologieprodukte bündeln inzwischen rund die Hälfte des Vermögens in US-Aktienfonds.
Solche Marktphasen enden oft abrupt, weil hohe Bewertungen neue Käufer anziehen und die Dynamik verstärken. Erste Gewinnmitnahmen reichen dann aus, um den Prozess in die andere Richtung zu bewegen. Anleger reduzieren ihre Positionen und der Verkaufsdruck beschleunigt sich. Aber die aktuelle Lage macht Hoffnung, denn durch die Gewinnmitnahmen wird wieder mehr Kapital frei und sucht sich neue Ziele. Gold und Bitcoin zählen aktuell zu den potentiellen Profiteuren dieser Entwicklung.
Der US-Arbeitsmarktbericht verändert die Erwartungen
Der größere Treiber hinter der Bitcoin-Erholung kam jedoch aus einer anderen Richtung: Die US-Wirtschaft schuf im Juni lediglich 57.000 neue Stellen außerhalb der Landwirtschaft, während Analysten mit deutlich höheren Werten gerechnet hatten. April und Mai wurden zudem um insgesamt 74.000 Stellen nach unten revidiert und die privaten Payrolls legten nur um 49.000 Stellen zu, was den dritten Rückgang in Folge bedeutet.
Die Reaktion an den Märkten ließ nicht lange auf sich warten. Die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im September sank durch diese schwachen Zahlen deutlich und Anleger reduzierten ihre Erwartungen an weitere Straffungsschritte der US-Notenbank. Künftig könnte wieder mehr billiges Geld ins System fließen könnte, was als Rückenwind für Risk-On Assets wie Bitcoin und andere Krypto-Assets gilt.
Weiters verlor der Dollar an Boden. Gold sprang innerhalb eines Handelstages um mehr als 100 US-Dollar nach oben. Auch US-Staatsanleihen legten zu und Bitcoin schloss sich dieser Bewegung an. Die restriktive Haltung der US-Notenbank hatte den Krypto-Markt im Juni stark belastet, aber ein schwächerer Arbeitsmarkt nimmt der Fed Argumente für eine noch straffere Geldpolitik, was die Rahmenbedingungen für Risikoanlagen verbessert.
Fed-Chef Kevin Warsh hatte wenige Tage zuvor noch vor anhaltendem Inflationsdruck gewarnt. Der Arbeitsmarktbericht verschob die Diskussion dann innerhalb von 48 Stunden in eine komplett andere Richtung.
ETF-Zuflüsse stützen den Anstieg
Die Kapitalbewegungen am Krypto-Markt lieferten zusätzliche Hinweise. Die US Spot ETFs auf Bitcoin verzeichneten zuletzt Nettozuflüsse von 224 Millionen US-Dollar, womit eine Serie von zehn Handelstagen mit Abflüssen endete.
Diese Entwicklung spricht für eine eigenständige Nachfrage nach Bitcoin. Die Erholung beschränkt sich nicht auf technische Gegenbewegungen oder kurzfristige Händler. Auch institutionelle Investoren kehren zumindest teilweise zurück und Aktie von Strategy, dem Treasury-Platzhirsch reagierte positiv und legte parallel zum Bitcoin-Kurs um knapp 20 Prozent auf Wochensicht zu.
Der Russell 2000 und der Dow Jones erreichten auch neue Höchststände. Value-Aktien entwickelten sich seit Jahresbeginn besser als klassische Wachstumswerte, sodass Anleger ihre Mittel derzeit breiter streuen und sich sich von den großen Gewinnern der vergangenen Quartale lösen
Bitcoin profitiert, bleibt aber abhängig von der Fed
Die Erholung bei Bitcoin fällt zeitlich mit dem Rücksetzer im KI-Sektor zusammen, doch der Arbeitsmarktbericht hatte einen direkten Einfluss auf die Zinserwartungen. Dieser Effekt dürfte für den Kursanstieg wichtiger gewesen sein als die Rotation aus Halbleiterwerten. Der Markt reagiert also empfindlich auf Signale der Notenbank.
Eine Entwarnung gibt es daher nicht, denn der Dollar notiert weiter nahe seines Mehrmonatshochs. Langlaufende US-Renditen bewegen sich in der Nähe wichtiger Schwellenwerte und die Debatte über weitere Zinsschritte ist nach wie vor offen.
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Der nächste Belastungstest folgt bereits in den kommenden Wochen, denn neue Inflationsdaten könnten die Diskussion um zusätzliche Zinserhöhungen rasch zurückbringen. Das würde den Druck auf Risikoanlagen erneut erhöhen.
Die Käufer verteidigten zuletzt die Zone knapp unter 60.000 US-Dollar erfolgreich. Diese Marke bleibt vorerst die wichtigste Unterstützung. Ob daraus eine nachhaltige Trendwende entsteht, entscheidet sich vor allem durch die Geldpolitik der US-amerikanischen Zentralbank.
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