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12:24 Uhr, 03.03.2026

Investoren verkaufen wegen Inflationssorgen weltweit Anleihen

Von Emese Bartha

DOW JONES--Investoren haben am Dienstag US-amerikanische, europäische und britische Staatsanleihen verkauft. Hintergrund war die Sorge, dass steigende Ölpreise infolge des Nahostkonflikts auf die Inflation übergreifen und weitere Zinssenkungen möglicherweise verzögern oder verhindern könnten. Das Ausmaß der Nahost-Krise hat sich seit den ersten Angriffen der USA und Israels auf den Iran am Samstag ausgeweitet. Luftangriffe auf Militärflugplätze und Flughäfen in der gesamten Region haben zu zivilen Opfern und materiellen Schäden geführt.

"Der parallele Anstieg der Öl- und Erdgaspreise inmitten der Spannungen um die Straße von Hormus verstärkt die Inflationssorgen weiter", sagte Terence Hove, Finanzmarktstratege bei Exness. "Höhere Energiekosten bergen das Risiko, das Tempo der Disinflation zu verlangsamen, die Kernraten hoch zu halten und die Renditen auf einem höheren Niveau zu verankern."

Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen notierte zuletzt 4 Basispunkte höher bei 4,093 Prozent. Die Renditen kurzlaufender Staatsanleihen stiegen noch stärker, wie Tradeweb mitteilte.

Deutsche und britische Renditen erreichten ein Zweieinhalbwochenhoch. Die Rendite zehnjähriger Bundesanleihen erhöhte sich um 7 Basispunkte auf 2,785 Prozent. Die Rendite zehnjähriger britischer Staatsanleihen (Gilts) kletterte im Vorfeld der Haushaltsvorlage der britischen Regierung um 13 Basispunkte auf 4,498 Prozent.

Brent verteuert sich um 5 Prozent auf 81,62 US-Dollar

Der Preis für ein Barrel Rohöl der Sorte Brent stieg um knapp 8 Prozent auf 83,90 US-Dollar. Der Dollar notierte gegenüber den wichtigsten Währungen behauptet. Der DXY-Dollarindex erreichte ein Sechswochenhoch von 99,126.

"Die Preisentwicklung zu Beginn dieser Woche unterstreicht einmal mehr, dass Bundesanleihen und US-Staatsanleihen nicht mehr als sichere Häfen fungieren", schrieb Christoph Rieger, Leiter des Bereichs Rates and Credit Research bei der Commerzbank, in einer Mitteilung. "Wir würden erwarten, dass [US-Staatsanleihen] steigen und die Renditen fallen, aber das ist das Gegenteil von dem, was wir am ersten Handelstag nach den Luftangriffen gesehen haben", sagte John Velis von BNY.

Die Inflationserwartungen für die Eurozone zum Jahresende seien auf 2 Prozent gestiegen, nach 1,85 Prozent am Freitag, sagte Rieger von der Commerzbank. "Infolgedessen haben sich auch die Zinserwartungen der Europäischen Zentralbank nach oben verschoben, und der Markt hat die Hoffnungen auf eine Zinssenkung in diesem Jahr aufgegeben."

In den USA preisen die Geldmärkte weiterhin eine nächste Zinssenkung durch die Federal Reserve für September ein, allerdings mit einer geringeren Wahrscheinlichkeit, wie Daten der LSEG zeigen. In ähnlicher Weise preisen die Märkte derzeit Zinssenkungen von etwa 55 Basispunkten bis Juni 2027 ein, verglichen mit rund 68 Basispunkten vor den Angriffen auf den Iran.

In Großbritannien haben Investoren die Erwartungen einer Zinssenkung der Bank of England im März drastisch reduziert. Die Geldmärkte preisen nun nur noch eine Wahrscheinlichkeit von rund 30 Prozent für eine Zinssenkung in diesem Monat ein, nach 83 Prozent in der vergangenen Woche, wie LSEG-Daten zeigen.

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