ifo-Index - Rückgang ist kein Warnsignal<br />
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1. Das deutsche ifo-Geschäftsklima sank im November von 98,8 auf 97,8 Punkte. Damit wurden die Erwartungen der von Bloomberg befragten Volkswirte enttäuscht (Median: 98,6 Punkte), unsere hingegen fast getroffen (98,0 Punkte). Der Rückgang der Stimmung war wie von uns erwartet nicht auf eine Komponente beschränkt: Sowohl die Beurteilung der Geschäftslage als auch die Geschäftserwartungen nahmen ab (von 98,9 auf 97,8 Punkte beziehungsweise von 98,6 auf 97,7 Punkte). Der Zeiger der ifo-Uhr bewegt sich damit wieder zum Rande des „Boombereichs“ in Richtung des Ursprungs.
2. Diese Stimmungseintrübung sollte aber aus mehreren Gründen nicht beunruhigen.
• Erstens ist der Novemberwert immer noch der zweithöchste seit Januar 2001. Dies zeugt von der anhaltend guten Stimmung in der gewerblichen Wirtschaft. Uns erschien die Stimmung in letzter Zeit sogar zu gut, denn sie war schwer mit den Indikatoren und den Prognosen für das Bruttoinlandsprodukt in Einklang zu bringen. Was wir im November gesehen haben, ist also nichts weiter als eine Normalisierung, denn im Tempo der vergangenen Monate konnte es nicht weitergehen. Dies trifft im besonderen Maße für die Beurteilung der Geschäftslage zu, während die Geschäftserwartungen einigermaßen mit den weltwirtschaftlichen Indikatoren einhergehen. So zeigte der von uns ermittelte globale Einkaufsmanagerindex der deutschen Handelspartnerländer in den letzten Monaten ähnlich deutlich nach oben. Dies und die – wie vom ifo-Institut mitgeteilt – stabilen hohen Exporterwartungen zeigen, dass die Hoffnungen weiterhin auf der weltweiten Nachfrage nach deutschen Exportgütern ruht.
• Zweitens lasteten die Koalitionsvereinbarungen auf den Stimmungswerten. Wie die Ergebnisse von der Wirtschaft beurteilt werden, zeigten Äußerungen führender Wirtschaftslenker. Auch der deutliche Rückgang des Einzelhandelklimas weist darauf hin. Der Einzelhandel reagiert – wie die Äußerungen des Hauptverbandes des Einzelhandels zeigen – fast schon allergisch auf das Thema Mehrwertsteuererhöhung. Allerdings ist das zunächst noch unbegründet, denn das kommende Jahr wird dem Einzelhandel aufgrund von Vorzieheffekten wegen der Mehrwertsteuererhöhungen erst einmal gute Geschäfte bescheren. Problematisch wird erst das Jahr 2007, wenn zu den Nachfrageausfällen auch die Notwendigkeit der Überwälzung der Mehrwertsteuer auf die Verbraucher kommt. Es steht in der Tat zu befürchten, dass dies dem Einzelhandel nur teilweise gelingt und er so auf einem Teil der Mehrwertsteuererhöhung sitzen bleibt. Dies führt dann zu Gewinneinbußen. Da aber von der Umsetzung der im Koalitionsvertrag vereinbarten Maßnahmen in den kommenden 13 Monaten keine bremsenden Effekte ausgehen werden, ist die Reaktion der Unternehmen eher ein Zeichen für enttäuschte Hoffnungen als für Konjunkturgefahren.
3. Es gibt schließlich auch Positives im Beobachtungszeitraum zu vermerken: Der sinkende Ölpreis, weiterhin gute globale Konjunkturindikatoren und ein tendenziell leicht nachgebender Euro.
4. All dies zeigt, dass die Stimmungseintrübung der Unternehmen kaum auf ein pessimistischeres Konjunkturbild für die Gegenwart und die kommenden sechs Monate zurückzuführen ist, sondern Ausdruck von enttäuschten Hoffnungen und die Folge einer Korrektur von zu hohen Stimmungswerten ist. Es spricht also nichts gegen eine Fortsetzung der konjunkturellen Erholung in den kommenden Monaten.
Quelle: DekaBank
Die DekaBank ist im Jahr 1999 aus der Fusion von Deutsche Girozentrale - Deutsche Kommunalbank- und DekaBank GmbH hervorgegangen. Die Gesellschaft ist als Zentralinstitut der deutschen Sparkassenorganisation im Investmentfondsgeschäft aktiv. Mit einem Fondsvolumen von rund 130 Mrd. Euro gehört die DekaBank zu den größten Finanzdienstleistern Deutschlands. Im Publikumsfondsgeschäft hält der DekaBank-Konzern einen Marktanteil von etwa 20 Prozent.
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