IBM: Wenn Großkunden plötzlich umschichten
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IBM meldet für das zweite Quartal 2026 einen Umsatz von 17,2 Mrd. USD, ein Plus von 1 % gegenüber dem Vorjahr. Das verfehlt die Erwartungen, die das Management selbst im April noch formuliert hatte.
Beim Gewinn zeigt sich eine Zweiteilung: Das GAAP-verwässerte EPS sinkt von 2,31 auf 2,27 USD, ein Rückgang von 2 %. Das operative Non-GAAP-EPS, das Akquisitionskosten und pensionsbezogene Posten herausrechnet, steigt hingegen von 2,80 auf 2,93 USD, ein Zuwachs von 5 %, und ist für die Bewertung des operativen Geschäfts die maßgebliche Messlatte. Die operative Non-GAAP-Vorsteuermarge verbessert sich leicht von 18,8 auf 19,2 %, während die GAAP-Bruttomarge von 58,8 auf 57,7 % nachgibt. Das Muster ist eindeutig: Das Kerngeschäft läuft effizienter, doch wachsende Akquisitionslasten drücken auf das GAAP-Bild.
Infrastructure: ein Sondereffekt mit Ansage, aber größer als erwartet
Der eigentliche Schwachpunkt des Quartals ist das Infrastructure-Segment, dessen Umsatz um 7 % fällt. IBM-Chef Arvind Krishna erklärt den Rückgang offen: Großkunden hätten ihre Investitionsbudgets in den letzten Juniwochen kurzfristig in Richtung Server, Speicher und Arbeitsspeicher umgeschichtet, um sich knappe Hardware vor erwarteten Preiserhöhungen zu sichern. Dieser Kapitalausgaben-Schwenk traf das Z-Mainframe-Geschäft und den dazugehörigen Software-Stack, insbesondere Transaction Processing, härter als vorhergesehen. Hinzu kamen branchenweite Cybersicherheitsbedenken, die Kaufentscheidungen verzögerten. Krishna räumt ungewohnt selbstkritisch ein, das Team habe nicht schnell genug reagiert, weshalb zahlreiche Großabschlüsse nicht wie geplant zustande kamen.
Dabei hatte IBM selbst einen Rückgang im Infrastructure-Bereich erwartet, weil der Vergleichszeitraum vom starken z17-Launch geprägt war. Überrascht hat lediglich das Ausmaß des Einbruchs. Bemerkenswert: Das z17-Programm liegt kumuliert bei rund 130 % des Vorgängerprogramms z16, das seinerseits das stärkste in der IBM-Geschichte war. Die Nachfrage ist also nicht verschwunden, sie hat sich nur verschoben.
Software und neue Wetten tragen das Bild
Das Software-Segment wächst um 5 % und bleibt der stabilisierende Pfeiler. Innerhalb des Segments beschleunigt sich das Red-Hat-Wachstum sequenziell auf 11 %, und die jüngsten Zukäufe HashiCorp und Confluent liefern nach Unternehmensangaben starke Beiträge. Das Consulting-Segment tritt mit einem Plus von 1 % währungsbereinigt praktisch auf der Stelle, was angesichts des schwierigen Umfelds keine Überraschung ist, aber auch keinen Schwung signalisiert.
Strategisch setzt IBM zwei große Akzente: Mit Lightwell, einem 5-Mrd.-USD-Programm zur Absicherung von Open-Source-Software-Schwachstellen, gewinnt der Konzern namhafte Finanzinstitute als frühe Nutzer. Beim Quantencomputing kündigt IBM eine Investition von mehr als 10 Mrd. USD über fünf Jahre an und plant gemeinsam mit dem US-Handelsministerium die erste reine Quanten-Wafer-Fabrik der Welt. Es sind langfristige Wetten, die kurzfristig keine Umsatzbeiträge liefern, aber die strategische Richtung unterstreichen.
Beim freien Cashflow meldet IBM für die ersten sechs Monate 4,76 Mrd. USD, was die operative Substanz des Geschäfts trotz des schwachen Quartals bestätigt.
Ausblick
Die vollständige Jahresprognose will IBM erst auf dem regulären Quartalscall am 22. Juli 2026 kommunizieren, da die Zahlen noch vorläufig sind. Das ist ein ungewöhnlicher Schritt, der den Druck auf das Management erhöht: Die Anleger warten auf eine Einordnung, ob das Verfehlen im zweiten Quartal die Jahresziele gefährdet. Die Finanztabelle weist für das Gesamtjahr 2026 einen erwarteten Umsatz von 71,51 Mrd. USD und ein Non-GAAP-EPS von 12,45 USD aus. Angesichts des schwachen zweiten Quartals und der offenen Frage, ob sich die verschobenen Großabschlüsse im zweiten Halbjahr nachholen lassen, dürfte das Management die Jahresziele auf dem Call zumindest teilweise nach unten anpassen müssen. Ein positives Gegengewicht liefert die Distributed-Infrastructure-Sparte, die um 37 % zulegte und mit einem Auftragsbestand von rund 500 Mio. USD aus dem Quartal geht.
Kennzahlen im Überblick
| Kennzahl | 2025 | 2026e* | 2027e* |
|---|---|---|---|
| Umsatz | 67,53 Mrd. USD | 71,51 Mrd. USD | 74,65 Mrd. USD |
| EPS | 11,17 USD | 12,45 USD | 13,41 USD |
*e = erwartet, Erwartungen basieren bei US-Unternehmen auf Non-GAAP-Daten
Fazit: Besser als ein Absturz, aber klar unter den eigenen Erwartungen. Der Non-GAAP-Margenanstieg und der solide freie Cashflow zeigen, dass die operative Basis intakt ist, doch das Verfehlen im Mainframe-Geschäft und die verschobenen Großabschlüsse hinterlassen einen Vertrauensschaden, der sich erst auf dem Jahrescall am 22. Juli beziffern lässt. Solange unklar ist, wie viel vom zweiten Quartal im zweiten Halbjahr aufgeholt wird, fehlt der IBM-Aktie ein belastbarer Kurstreiber.
Dieser Beitrag ist unter Einsatz Künstlicher Intelligenz entstanden.

