Werbung
Kommentar
13:00 Uhr, 16.06.2026

Global Fondsmanager-Survey: "The Frozen Bulls"

Die Stimmung unter den großen institutionellen Investoren bleibt ausgesprochen positiv, auch wenn erste Anzeichen einer vorsichtigeren Positionierung sichtbar werden. Das zeigt die aktuelle globale Fondsmanagerumfrage der Bank of America. Der hauseigene Bull-&-Bear-Indikator stieg auf 8,9 Punkte und signalisiert damit erstmals wieder einen offiziellen „Sell Signal“-Bereich. Gleichzeitig erhöhte sich die durchschnittliche Kassenquote leicht von 3,9 % auf 4,1 %, was darauf hindeutet, dass einige Investoren nach der starken Rallye Gewinne sichern und mit Blick auf die traditionell schwächeren Sommermonate etwas Risiko aus den Portfolios nehmen.

Auffällig ist, dass sich die Konjunktur- und Gewinnperspektiven weiter verbessern. Die Erwartungen für das globale Wachstum und die Unternehmensgewinne erreichten den höchsten Stand seit drei Monaten. Gleichzeitig rechnen die Fondsmanager zunehmend mit einer restriktiveren Geldpolitik. Bereits 40 % erwarten in den kommenden zwölf Monaten Zinserhöhungen der US-Notenbank – nach lediglich 16 % im Vormonat. Für die anstehende Fed-Sitzung gehen 55 % von einer „hawkish hold“, also einer unveränderten, aber restriktiv klingenden Haltung des neuen Fed-Chefs Kevin Warsh aus.

Als größte Risiken für die Kapitalmärkte gelten derzeit eine zweite Inflationswelle sowie eine mögliche Übertreibung im KI-Sektor. Entsprechend bleibt die Wette auf globale Halbleiterwerte mit einem Anteil von 80 % die mit Abstand am stärksten überlaufene Positionierung in der Umfrage – ein neuer Rekordwert. Dennoch sehen die meisten Investoren den KI-Boom noch nicht in der Euphoriephase: 56 % ordnen den Sektor weiterhin der Boom-Phase zu, in der zusätzliche Anlegerzuflüsse erwartet werden, während lediglich 21 % bereits von einer gefährlichen Überhitzung sprechen.

Bei der Asset-Allokation wurden die Aktienübergewichtungen zuletzt etwas reduziert. Besonders Technologieaktien wurden zurückgefahren, während Japan, Banken und Rohstoffwerte neu gekauft wurden. Europa dagegen fiel auf die größte Untergewichtung seit Ende 2024 zurück. Gleichzeitig betrachten Fondsmanager Gold erstmals seit Anfang 2024 wieder als fair bewertet. Aus konträrer Sicht sieht die Bank of America derzeit die größten Chancen bei Anleihen, europäischen Aktien, Konsumwerten und Immobilienaktien (REITs), während Rohstoffe, Halbleiterwerte, Banken und Materialtitel als potenzielle Gegenpositionen gelten.

Insgesamt zeichnet die Umfrage das Bild eines Marktes, der weiterhin von Optimismus getragen wird, dessen Anleger aber zunehmend selektiver agieren. Von einer klassischen Spekulationsblase oder einem unmittelbaren Marktgipfel kann laut den historischen Erfahrungen der Fondsmanagerumfrage derzeit noch keine Rede sein. Vielmehr spricht vieles für eine Fortsetzung des Bullenmarktes – wenn auch mit höheren Schwankungen und einer stärkeren Differenzierung zwischen Gewinnern und Verlierern.

Exklusiv-Angebot: Bernecker Aktionärsbrief + TV für stock3 Leser

Das könnte Dich auch interessieren