GILEAD SCIENCES: HIV-Umsatz wächst zweistellig – Gewinnprognose rutscht ins Minus
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Gilead Sciences legt im ersten Quartal 2026 ein operativ überzeugendes Ergebnis vor, getragen von einem starken HIV-Portfolio. Doch drei milliardenschwere Akquisitionen reißen ein tiefes Loch in die Jahresgewinnprognose und stellen die Geduld der Anleger auf die Probe.
Der Gesamtumsatz steigt um 4 % gegenüber dem Vorjahresquartal auf 6,96 Mrd. USD und verfehlt damit die durchschnittliche Analystenschätzung von 7,40 Mrd. USD spürbar. Der Produktumsatz legt um 5 % auf 6,95 Mrd. USD zu. Klammert man Veklury aus, das COVID-Mittel, dessen Absatz wegen rückläufiger Hospitalisierungsraten um 52 % auf 144 Mio. USD einbricht, wächst das Kerngeschäft um 8 %. Das bereinigte verwässerte EPS (Non-GAAP) verbessert sich von 1,81 USD auf 2,03 USD, während der Analystenkonsens bei minus 7,26 USD lag: Diese Größenordnung deutet auf die im Jahresverlauf erwarteten Akquisitionslasten hin und macht einen direkten Vergleich mit dem Quartalswert wenig aussagekräftig. Das GAAP-verwässerte EPS steigt von 1,04 USD auf 1,61 USD.
Bemerkenswert ist die Margenentwicklung: Die bereinigte Produktbruttomarge klettert von 85,5 % auf 87,5 %, was Gilead dem Auslaufen einer Royalty-Verpflichtung und einem günstigeren Produktmix verdankt. Das bereinigte operative Ergebnis steigt auf 3,27 Mrd. USD, die bereinigte operative Marge auf 46,9 % nach 43,4 % im Vorjahr. Diese Qualitätskennzahlen zeigen: Das Kerngeschäft läuft effizient.
Kennzahlen des Quartals im Überblick: Ergebnis, Umsatz und Umsatzverteilung von Gilead Sciences. (Quelle: Unternehmensangaben)
HIV bleibt das Rückgrat
HIV-Produktumsätze wachsen um 10 % auf 5,03 Mrd. USD und machen damit gut 72 % des gesamten Produktumsatzes aus. Biktarvy, das Flaggschiff, legt um 7 % auf 3,36 Mrd. USD zu, getragen von höherer Nachfrage und gestiegenen Durchschnittspreisen. Besonders auffällig ist Descovy, das um 38 % auf 807 Mio. USD zulegt. Neu im Portfolio ist Yeztugo, das im ersten Quartal aus dem Stand 166 Mio. USD beisteuert. Diese Breite im HIV-Segment ist keine Selbstverständlichkeit und unterstreicht, dass Gilead hier strukturell gut aufgestellt ist.
Auf der anderen Seite drückt die Onkologie-Sparte. Die Cell-Therapy-Umsätze fallen um 12 % auf 407 Mio. USD, wobei Yescarta um 14 % auf 332 Mio. USD nachgibt. Gilead nennt offen den Wettbewerbsdruck, sowohl innerhalb als auch außerhalb der Klasse. Trodelvy hingegen wächst um 37 % auf 402 Mio. USD und zeigt, dass das Antikörper-Wirkstoff-Konjugat-Segment Potenzial hat. Die Onkologie ist damit ein Segment mit zwei Geschwindigkeiten: Cell Therapy unter Druck, Trodelvy im Aufwind.
Umsatz und Ergebnis je Aktie im Quartalsverlauf inkl. Analystenschätzungen. (Quelle: Unternehmensangaben)
Ausblick
Die eigentliche Nachricht des Quartals steckt nicht in den Zahlen, sondern in der revidierten Jahresprognose. Gilead hebt die Produktumsatz-Guidance für das Gesamtjahr 2026 von zuvor 29,6 bis 30,0 Mrd. USD auf nun 30,0 bis 30,4 Mrd. USD an, ein positives Signal für die operative Entwicklung.
Gleichzeitig bricht die Gewinnprognose drastisch ein: Das bereinigte verwässerte EPS für das Gesamtjahr 2026 wird von zuvor 8,45 bis 8,85 USD auf minus 1,05 bis minus 0,65 USD gesenkt. Der Grund ist konkret benannt: Antizipierte Acquired-IPR&D-Aufwendungen von rund 11,5 Mrd. USD im Zusammenhang mit den Übernahmen von Arcellx, Ouro Medicines und Tubulis drücken das Ergebnis um rund 9,50 USD je Aktie. Das ist buchhalterisch bedingt, nicht operativ. Zwischen den Zeilen liest sich das als klares Bekenntnis des Managements zu einer aggressiven Pipeline-Expansion, die kurzfristig auf die Gewinnlinie drückt, langfristig aber die Anlagethese stützen soll. Mit bis zu vier potenziellen Produktlaunches und fünf Phase-3-Updates in 2026 ist die Agenda ambitioniert. Ob Arcellx mit anito-cel in der Behandlung des multiplen Myeloms liefert, wird ein entscheidender Datenpunkt sein.
Tagesschlusskurse der Gilead Sciences-Aktie über ein Jahr. (Quelle: stock3)
Kennzahlen im Überblick
| Kennzahl | 2025 | 2026e | 2027e |
|---|---|---|---|
| Umsatz | 29,44 Mrd. USD | 30,43 Mrd. USD | 32,36 Mrd. USD |
| EPS | 6,78 USD | -0,75 USD | 9,65 USD |
*e = erwartet (Analystenkonsens, bei US-Unternehmen auf Non-GAAP-Basis); Ist-Jahr 2025 wie berichtet (GAAP)
Fazit: Operativ zeigt Gilead ein solides Quartal: Der Umsatz verfehlt den Konsens merklich, während das bereinigte Ergebnis überzeugt. Der eigentliche Stresstest für Anleger liegt in der Guidance. Die Umsatzanhebung ist ermutigend, doch der Gewinneinbruch auf Jahressicht ist ausschließlich akquisitionsbedingt und spiegelt den Preis wider, den Gilead für seine Pipeline-Offensive zahlt. Bei einem KGV von rund 16 auf Basis des laufenden Kurses wirkt die Bewertung moderat, allerdings dürfte eine auf Verlust gedrehte Jahresprognose all jene irritieren, die auf kurzfristige Gewinnstabilität setzen.
Dieser Beitrag ist unter Einsatz Künstlicher Intelligenz entstanden.
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