GERRESHEIMER ist heute mit -17 % größter MDAX-Verlierer
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Die Übernahmefantasie rund um Gerresheimer ist spätestens heute geplatzt. Nachdem die Zahl potenzieller Interessenten zuletzt immer weiter geschrumpft war, reagierte der Markt deutlich: Die Aktie brach am Freitag um 17,5 % auf 53,10 € ein und markierte damit den tiefsten Stand seit Oktober 2022. Die Kursgewinne, die sich seit Anfang Februar im Zuge erster Übernahmespekulationen aufgebaut hatten, wurden damit vollständig aufgezehrt.
Auslöser für den massiven Kursverlust war die Nachricht, dass die Beteiligungsgesellschaft KKR aus dem Bieterkonsortium ausgestiegen ist. Das Konsortium war gemeinsam mit Warburg Pincus gebildet worden, um eine Übernahme von Gerresheimer zu prüfen. Bloomberg hatte am Donnerstag nach Börsenschluss berichtet, dass KKR sich aus den Gesprächen zurückgezogen habe. Bereits Mitte März war von weiteren Interessenten zu hören, die sich ebenfalls aus dem Rennen verabschiedet hatten. Damit ist laut Bloomberg derzeit nur noch Warburg Pincus als potenzieller Käufer übrig. Diese prüft demnach weiterhin eine Übernahme, allerdings ohne Garantie, dass es auch tatsächlich zu einer Transaktion kommen wird.
Analysten reagierten umgehend. Die DZ Bank strich Gerresheimer von ihrer Liste der „Equity Long Ideas“. Analyst Sven Kürten erklärte, der Rückzug mache eine Übernahme zu attraktiven Bedingungen deutlich weniger wahrscheinlich – dies sei aber der Hauptgrund gewesen, die Aktie im Februar auf die Empfehlungsliste zu setzen. Auch Kepler Cheuvreux reagierte und ersetzte Gerresheimer auf der Liste der deutschen „Top Picks“ durch Infineon. Begründet wurde dies mit dem wachsenden Risiko, dass die Übernahme scheitert.
Im Februar war noch ein möglicher Gebotspreis von rund 90 € je Aktie im Gespräch gewesen. Die Aktie hatte in der Spitze bis auf etwas über 85 € zugelegt, notierte aber zuletzt wieder deutlich darunter. Mit dem Einbruch auf unter 55 € wurde mittlerweile rund ein Drittel des zuvor erreichten Kursniveaus wieder abgegeben. Selbst die 90 € galten schon als deutlicher Abschlag im Vergleich zu den knapp 123 €, die Investoren im Jahr 2023 auf dem Höhepunkt der Bewertung zahlten.
Für zusätzliche Skepsis sorgte zuletzt ein Kommentar des Analysehauses Keybanc. Dieses äußerte Zweifel an der Realisierbarkeit einer Transaktion und verwies auf mögliche Hürden und einen wenig überzeugenden Verkaufspreis. Ein Börsianer wurde mit der Einschätzung zitiert, dass ein schwacher Blick in die Bücher von Gerresheimer womöglich zu einem nachlassenden Interesse bei Finanzinvestoren geführt habe. Fundamental rechnet der Markt zudem mit einem schwachen Start ins Geschäftsjahr.
Trotz des Rückzugs von KKR bleibt Warburg Pincus nach Informationen von Bloomberg weiterhin im Rennen. Die Gespräche sollen andauern, allerdings sei weiterhin unklar, ob sie tatsächlich zu einer Übernahme führen.
Oliver Kantimm, Redaktion "Der Aktionärsbrief"
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