Analyse
21:00 Uhr, 27.08.2026

Gefährlicher Technologie-Rivale: China baut komplette KI-Kette nach

Der KI-Boom spaltet die Tech Welt: Während Nvidia, TSMC und ASML noch zentrale Schlüsselpositionen besetzen, baut China mit Huawei, SMIC & Co. eine eigene Chip Wertschöpfungskette auf. Ein technologischer Machtkampf, der neue Champions hervorbringen und für westliche Halbleiterkonzerne zum Risiko werden kann.

Die globale KI-Industrie beginnt sich in 2 technologische Welten aufzuteilen. Auf der einen Seite stehen die USA und ihre Verbündeten mit Nvidia, AMD, Broadcom, TSMC, Samsung und den großen amerikanischen KI-Kunden Google, Meta, Amazon und Oracle. Auf der anderen Seite baut China mit enormem Tempo eine eigene, möglichst unabhängige KI-Chip-Industrie auf. Morgan Stanley geht in seinem aktuellen Research darauf ein, wie weit diese technologische Entkopplung inzwischen reicht und wo China noch vom Westen abhängig ist.

Um die Dimension zu verstehen, muss man wissen, dass ein moderner KI-Chip das Ergebnis einer ganzen Wertschöpfungskette ist. Zunächst benötigen Unternehmen wie Google, Meta oder Alibaba gewaltige Rechenleistung für ihre KI-Modelle. Chipdesigner wie Nvidia oder Huawei entwickeln dafür die Prozessoren. Anschließend müssen diese Chips in hochkomplexen Fabriken produziert und verpackt werden. Dafür wiederum werden extrem spezialisierte Maschinen und Software benötigt. Wer diese Kette kontrolliert, kontrolliert einen wesentlichen Teil der Infrastruktur des KI-Zeitalters.

Im westlich dominierten System sitzen Nvidia, AMD, Broadcom und MediaTek beim Chipdesign an zentraler Stelle. Produziert wird vor allem bei Taiwan Semiconductor (TSMC) und Samsung, während ASE und Amkor wichtige Aufgaben beim Packaging übernehmen. Noch weiter vorgelagert befinden sich einige der strategisch wertvollsten Unternehmen überhaupt: ASML liefert Lithografiesysteme, Applied Materials, Lam Research und KLA wichtige Fertigungstechnologie, Synopsys und Cadence zentrale Chipdesignsoftware. Dazu kommen japanische Spezialisten wie Tokyo Electron und Nikon. Gerade diese hochkomplexen Technologien gehören zu den größten Eintrittsbarrieren der gesamten Halbleiterindustrie.

China versucht nun, diese komplette Kette im eigenen Land nachzubauen. Die Nachfrage ist bereits vorhanden. ByteDance, Tencent, Alibaba, Baidu, DeepSeek und Moonshot AI entwickeln beziehungsweise betreiben große KI-Modelle und benötigen dafür enorme Rechenkapazitäten. Bei den Prozessoren sollen Huawei mit HiSilicon sowie Unternehmen wie MetaX, Hygon, Cambricon, T Head und Enflame zunehmend Alternativen zu Nvidia und AMD liefern. SMIC ist Chinas strategisch wichtigste Chip Foundry, während JCET eine wichtige Rolle beim Packaging spielt.

Besonders spannend wird es eine Stufe weiter hinten. China baut inzwischen auch eigene Anbieter für die Maschinen und Technologien auf, mit denen Halbleiter überhaupt hergestellt werden können. Unternehmen wie Naura, AMEC, ACM Research und SiCarrier sollen langfristig Aufgaben übernehmen, für die China bislang stark auf westliche und japanische Technologie angewiesen ist. Genau hier liegt allerdings weiterhin eine der größten Schwachstellen Pekings ... Bei modernster Lithografie, hochentwickelten Fertigungsanlagen und bestimmter Chipdesignsoftware besitzt der Westen weiterhin erhebliche technologische Vorteile.

Damit entsteht ein gigantisches industrielles Wettrennen. Die USA versuchen über Exportbeschränkungen zu verhindern, dass China uneingeschränkten Zugang zu den leistungsfähigsten KI-Chips und den dafür notwendigen Produktionstechnologien erhält. Peking reagiert darauf mit einer klaren Strategie ... Was China nicht mehr zuverlässig importieren kann, soll langfristig selbst produziert werden. Gleichzeitig ist die Trennung noch lange nicht vollständig. Westliche Unternehmen wollen den riesigen chinesischen Markt nicht verlieren, während chinesische Unternehmen bei wichtigen Technologien weiterhin auf ausländische Anbieter angewiesen sind.

Tja, wir erleben tatsächlich den Aufbau zweier zunehmend separater KI-Ökosysteme. Der Westen besitzt heute noch entscheidende technologische Vorsprünge. China besitzt dagegen einen riesigen Binnenmarkt, gewaltige Investitionsmittel und inzwischen einen geopolitisch erzwungenen Anreiz, praktisch jede technologische Abhängigkeit zu beseitigen.


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