Analyse

GAMESTOP - Mit "Diamond Hands" in den Untergang?

Die Gamestop-Jünger feiern sich wieder selbst, die Aktie geht erneut durch die Decke. Ausser dem geplanten Rücktritt des Finanzvorstands und Vice President Jim Bell gab es keine News, die den Anstieg um 285% seit gestern erklären würden.

Erwähnte Instrumente

  • Gamestop Corp. - WKN: A0HGDX - ISIN: US36467W1099 - Kurs: 120,340 € (XETRA)

Die verrückte Gamestop-Show geht in die nächste Runde. Nach dem wenig überraschenden Crash, der in der Analyse GAMESTOP - Da helfen auch Durchhalteparolen nicht genau so angekündigt wurde, kommt es jetzt zur sehr schwungvollen, technischen Gegenbewegung auf die Verluste. Ob der für den 26. März 2021 angekündigte Abgang von Vice President Jim Bell der Grund für den Anstieg wäre, ist unklar, spielt letztlich aber auch keine Rolle. Die Aktie ist ganz klar zum heißen Spekulationsobjekt verkommen. In den sozialen Netzwerken und Online-Foren geht es derweil wieder hoch her. Sektenartig wurde in den vergangenen Wochen Durchhalteparolen in die Weiten des Internets posaunt, um die Masse an auf horrenden Verlusten sitzenden Kleinanlegern bei Laune zu halten. "Diamond Hands" werden dabei die treuen Anleger genannt, die keine Aktie hergeben wollen - aus Prinzip, nicht aus dem Glauben in das Unternehmen. Auf der anderen Seite werden die 'schwachen' Hände, die verkaufen, abfällig "Paper Hands" getauft. Wer am Ende als lachender Sieger dieser ideologischen Wette hervorgehen wird, ist offen.

Es ist immer das Gleiche...

"Diesmal ist alles anders" - Ein eher ironisch gemeinter Klassiker unter den Börsenweisheiten. Erfahrene Trader müssen bei diesen Worten nur schmunzeln, weil sie genau wissen: Nein, es wird immer nach "Schema F" ablaufen. So sehr sich die Börse als dynamisches System auch ständig verändert und weiterentwickelt, einige grundsätzliche Muster bleiben immer gleich oder zumindest ähnlich.

Das wird sich meiner über 20jährigen Börsenerfahrung nach auch nicht groß ändern, so lange der Mensch handelt und die Algorithmen programmiert. Und selbst wenn eines Tages durch künstliche Intelligenz gesteuerte Roboter den Börsenhandel kapern werden, dürfte sich nicht viel ändern: Die KI wird den Menschen "durchschauen" und seine Schwächen und Stärken kennen und diese zu ihrem Vorteil ausnutzen. Doch wir schweifen ab, zurück zum Gamestop-Hype.

Nichts wie raus?!

Der Absturz nach dem Hype war so vorhersehbar wie unspektakulär. Momentumphasen laufen meist sehr ähnlich ab, wie eine Welle: Was hoch hinausgetragen wird schwappt auch genau so heftig wieder zurück. Nach dem Exzess und der "High-Vola-Phase" kehrt auch wieder "Business as usual" ein. Genau das haben wir in den vergangenen beiden Wochen gesehen. Der Kursverlauf hat sich beruhigt, die Kursausschläge gingen sehr stark zurück. Gestern startete dann wie aus dem Nichts der nächste Exzess.

Nachbörslich ging es nochmals weit nach oben, im europäischen Handel steht die Aktie heute Morgen wieder auf dem Kursniveau vom 2. Februar und damit auch schon am zentralen Widerstandsbereich. Hier bei 125 - 153 EUR könnte der Spuk bereits auch wieder enden. Eventuell erleben wir noch eine Übertreibung nach oben in Richtung 190 - 200 EUR, um das offene Gap vom 2. Februar zu schließen.

Anschließend müssten wieder fallende Kurse eingeplant werden, eventuell sogar crashartig. Letztlich könnten auch die Februartiefs fallen und weitere Verluste in Richtung 20 EUR folgen.

Realtime-Intradaychart an der Börse Tradegate:

Eine nachhaltige Rückkehr über 200 EUR bzw. 230 USD wäre aktuell nur das Alternativszenario. Sowohl charttechnisch als auch fundamental spricht aktuell wenig für einen erneuten Anstieg zu den Jahreshochs oder noch weiter hinaus. Auch die im Januar offenbar überrumpelt und kalt erwischten Hedgefonds dürften aus dem schmerzhaften Ereignis gelernt haben und dieses Mal besser vorbereitet sein.

Tageschart an der Heimatbörse in New York:

Fazit:

Ob der massive Kurssprung der Auftakt zu einer neuen Rekordfahrt ist, bleibt anzuzweifeln. Allein aus der Perspektive eines erfahrenen Traders erscheinen Gewinnmitnahmen und Ausstiege mit den hohen Kursen heute bzw. morgen an den genannten Preiszonen die "vernünftigere" Wahl. Aus charttechnischer Sicht besteht die Gefahr, dass wir mit der Rally seit gestern lediglich einen "Dead-Cat-Bounce" sehen, also ein letztes Aufbäumen vor einem weiteren Preisverfall.

Gerne lass ich mich überraschen, ob diesmal wirklich alles anders ist. So recht daran glauben kann ich momentan nicht. Das Motto der "Diamond Hands", die in den vergangenen Wochen eingestiegen sind, scheint zumindest in diesem Moment aufzugehen: Deren Positionen drehen ins Plus bzw. verringern die Verluste der letzten Wochen deutlich. Meistens ist das jedoch nicht der Fall und das Aussitzen von Verlusten endet sehr schmerzhaft. Doch diese Erfahrung muss jeder Trader mindestens einmal in seiner Karriere am eigenen Leib erfahren, da helfen keine Worte.

Wer also nicht wie Warren Buffet auf Substanzwerte setzt und auf einen Zeitraum mehrerer Jahrzehnte plant, sollte die "Diamond-Hands-Strategie" sehr kritisch hinterfragen und davon Abstand nehmen. Die Gamestop-Aktie bleibt ohne fundamentale Änderung des Geschäftsmodells bis auf weiteres nur ein hochspekulativer "Zockerwert".

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2 / 2 Kommentare

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  • Mika1978
    Mika1978

    Vielleicht ist nur die Welle 2 abgeschlossen worden. Und nun läuft die Welle 3 mit 5 Unterwellen? Müsste man mal den EW-Spezialisten Herrn Tietje fragen. Ich habe gestern Abend mal 'nen 1000er reingepackt. Vielleicht geht es schneller auf 500$ oder gar 1000$ als man denkt. Unter welchen Umständen auch immer.

    13:11 Uhr, 25.02.2021
    1 Antwort anzeigen

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Über den Experten

André Rain
André Rain
Technischer Analyst und Trader

André Rain ist seit dem Jahr 2000 im Aktienhandel aktiv. Hier startete er bereits mit seiner autodidaktischen Ausbildung in Chartanalyse. Die Faszination für die Charttechnik führte ihn im Mai 2005 zu GodmodeTrader, dem Vorgänger-Portal von stock3.com, wo er als Technischer Analyst mit Schwerpunkten auf Aktien- und Indexanalysen tätig ist. Seit 2004 handelt er privat intensiv Aktien und Hebelzertifikate im kurzfristigen Zeitfenster von wenigen Minuten bis mehreren Stunden. Dabei hat er sich auf den Handelsstil des Ausbruchstradings spezialisiert, mit dem er an kurzen, dynamischen Marktbewegungen partizipiert. Seiner Meinung nach ist der Chart das beste Instrument zur Auswertung und Prognose von Bewegungen an den Finanzmärkten. Als Mitglied unseres Premium-Services PROmax handelt er im kurzfristig orientierten Bereich und kommentiert das tägliche Marktgeschehen durch die charttechnische Brille.

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