Exklusive stock3 Plus Analyse: Was für viele die eigentliche Überraschung beim SpaceX-IPO war
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SpaceX hat mit seinem Börsengang am 12. Juni 2026 Geschichte geschrieben. Der Ausgabepreis lag bei 135 USD je Aktie, zum Handelsende stand ein Kurs von 160,95 USD auf der Tafel, also ein Plus von rund 19 %. Mit einem Emissionsvolumen von rund 75 Mrd. USD war es der größte Börsengang der Geschichte. Die Nachfrage war gewaltig, der Deal mehrfach überzeichnet.
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Eigentlich hätte man erwarten können, dass davon auch jene Titel profitieren, die Anleger bislang als indirekten Zugang zu SpaceX genutzt hatten. Genau das passierte aber nicht. EchoStar, Destiny Tech100 und auch Scottish Mortgage entwickelten sich schwach. Damit lag die eigentliche Überraschung des Tages gerade nicht im Erfolg des IPOs, sondern in der Gegenreaktion der Proxys.
Der Markt zerstört mit dem IPO die Knappheit
Der entscheidende Punkt ist aus meiner Sicht schnell erklärt: Solange SpaceX privat war, hatten viele Anleger kaum eine Möglichkeit, direkt in das Unternehmen zu investieren. Genau daraus entstand ein Knappheitswert. Wer dennoch Exposure wollte, wich auf Vehikel wie DXYZ, EchoStar oder Scottish Mortgage aus. Diese Konstruktionen lebten also ein Stück weit davon, dass der direkte Zugang fehlte.
Mit dem IPO ist diese Knappheit schlagartig geringer geworden. SpaceX ist jetzt direkt handelbar. Damit verliert der Umweg an Attraktivität. Der Markt braucht die Stellvertreter plötzlich viel weniger als zuvor. Genau dieser Effekt scheint am IPO-Tag durchgeschlagen zu sein.
Das klingt kontraintuitiv, ist ökonomisch aber schlüssig. Der fundamentale Wert des jeweiligen SpaceX-Anteils innerhalb eines Proxys kann zwar steigen. Wenn gleichzeitig aber der zuvor eingepreiste Zugangsaufschlag wegbricht, fällt der Gesamtwert des Vehikels trotzdem. Je höher dieser Aufschlag vorher war, desto brutaler kann die Anpassung ausfallen.
DXYZ zeigt den Mechanismus am klarsten
Am deutlichsten sieht man das bei Destiny Tech100. Der Fonds war in den vergangenen Monaten zu einem der prominentesten SpaceX-Proxys geworden. Das Problem dabei: DXYZ handelte zeitweise mit einem massiven Aufschlag auf den Nettoinventarwert, also den inneren Wert des Portfolios. So lag der Ende März 2026 ausgewiesene NAV bei 24,56 USD je Aktie. Ein solcher Aufschlag entsteht oft dann, wenn Anleger bereit sind, für knappen Zugang zu privaten Wachstumsfirmen deutlich mehr zu bezahlen als rechnerisch gerechtfertigt wäre.
Genau dieser Mechanismus wurde durch den SpaceX-IPO getroffen. Wenn die wichtigste und begehrteste Beteiligung plötzlich direkt an der Nasdaq gekauft werden kann, verliert der Umweg seinen größten Reiz. Der Kursrückgang von 25 % am Freitag passt deshalb sehr gut ins Bild. Aus meiner Sicht war das kein Zufall und auch kein bloßes Störgeräusch eines volatilen Handelstags. Hier kollabierte ein Teil der Knappheitsprämie. Die Aktie notiert auf Jahressicht nun sogar im Minus.

EchoStar ist ein anderer Fall, aber das Muster bleibt ähnlich
Bei EchoStar ist die Lage etwas komplexer. Der Titel war vor dem IPO gestiegen, weil der Markt den SpaceX-Bezug gespielt hat, allerdings deutlich gemächlicher als die anderen beiden Proxys. Die Hauptenttäuschung fand hier bereits im Mai statt, als viele Proxys starke Kursbewegungen gen Norden absolvierten, EchoStar indes nur leicht zulegte. Nach einem starken Donnerstag setzte in dieser Woche am Freitag eine beschleunigte Verkaufswelle ein. Ein Teil davon dürfte klassisches "Sell the News" gewesen sein, also Gewinnmitnahmen nach einem lange erwarteten Ereignis.
Dazu kommt aber auch hier der strukturelle Punkt: Wer SpaceX direkt kaufen kann, braucht EchoStar als Umweg deutlich weniger. Gleichzeitig bleibt EchoStar ein Unternehmen mit eigenem operativem Risiko. Das schrumpfende Kerngeschäft und die hohe Verschuldung verschwinden ja nicht, nur weil der SpaceX-Anteil theoretisch wertvoll ist. Genau deshalb ist EchoStar als Proxy deutlich anfälliger für Enttäuschungen als viele Anleger vielleicht angenommen hatten. Nur um es klarzustellen: Ich hätte im Vorfeld des IPOs, gerade im Mai, mit einer besseren Entwicklung gerechnet. Auch hier sind die in diesem Jahr angelaufenen Gewinne nahezu weg.

Scottish Mortgage verteidigt die Jahresgewinne
Scottish Mortgage ist unter den bekannten SpaceX-Proxys noch der solideste Fall. Der Investmenttrust ist breiter aufgestellt und der SpaceX-Anteil macht nur einen Teil der Investmentstory aus. Zudem kann ein erfolgreicher Börsengang hier sogar zu einer höheren NAV-Bewertung führen, weil der Marktpreis nun transparenter geworden ist.
Trotzdem gilt auch hier dieselbe Grundlogik: Sobald ein vormals knappes Asset direkt an der Börse verfügbar ist, geraten Holding-Aufschläge unter Druck. Das heißt nicht automatisch, dass jeder Proxy abstürzt. Es bedeutet aber, dass der alte Bewertungsbonus schwerer zu rechtfertigen ist.

Die eigentliche Pointe liegt im Zusammenspiel zweier Effekte
Viele Marktteilnehmer haben also auf den offensichtlichen Effekt geschaut: SpaceX wird börsennotiert, die Sichtbarkeit steigt, der Sektor gewinnt an Aufmerksamkeit. Das stimmt auch.
Der wichtigere Effekt lief aber in die andere Richtung. Der direkte Zugang verdrängt den indirekten Zugang. Proxys verlieren ihren Knappheitsbonus sofort, ETFs verlieren mit Verzögerung ihre bisherige Funktion als Sammelbecken für SpaceX-bezogene Fantasie. Je erfolgreicher und liquider die neue Aktie handelt, desto stärker wird dieser Verdrängungseffekt.
Das erklärt auch, warum der IPO-Erfolg eben nicht automatisch auf alle SpaceX-nahen Titel ausstrahlte.
Worauf Anleger jetzt achten sollten
Für aktive Anleger und Trader ist daraus eine wichtige Lehre abzuleiten: Wer unbedingt SpaceX spielen will, sollte die Proxys nicht automatisch als bessere oder günstigere Alternative betrachten oder zumindest "rechtzeitig" in Hypephasen den Absprung schaffen. Gerade bei Vehikeln mit deutlichem Aufschlag auf den inneren Wert kann der direkte Börsengang des Zielunternehmens zum Problem werden.
Bei DXYZ bleibt der Abstand zum NAV zentral. Bei EchoStar rücken das operative Geschäft, die Schulden und der tatsächliche Vollzug des SpaceX-Deals wieder stärker in den Vordergrund. Bei Scottish Mortgage ist vor allem entscheidend, wie sich der Abschlag oder Aufschlag zum NAV nach dem IPO weiter entwickelt.
Um etwas aus dem Tradernähkästchen zu plaudern: Aufgrund der hohen Volatilität konnte ich mir im Mai aus den Bewegungen bei DXYZ schön etwas herausschneiden. Ich hatte schlussendlich aber auch etwas Glück, dass ich mich in den anschließend laufenden massiven Abverkauf nicht mehr eingeklinkt hatte, denn ich war kurz davor. Dass die Notierung so versenkt wird, hätte ich persönlich nur bei einem schwachen SpaceX-IPO erwartet. Glück gehört eben an der Börse auch immer noch dazu, bei aller Analyse, die zudem im Nachgang eines Events immer leichter fallen mag.
Erstveröffentlichung: 13. Juni 2026 um 14:04 Uhr von Bastian Galuschka




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