Exklusive stock3 Plus Analyse: NVIDIA-Zahlen und Warsh-Rede dürften für neue Impulse sorgen
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Kurzfristig signalisiert die Trendmatrix eine Seitwärtsbewegung an den Aktienmärkten: DAX, Euro Stoxx 50, Dow Jones, S&P 500, Nasdaq-100 und Nikkei 225 sind allesamt in die Seitwärtsphase gerutscht.
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Am übergeordneten Bild ändert sich dadurch aber zunächst nichts. Sechs der sieben Indizes weisen mittel- und langfristig intakte Aufwärtstrends auf.
NVIDIA-Zahlen werden zum großen KI-Test
Der wichtigste Einzeltermin der Woche dürfte die Veröffentlichung der NVIDIA-Quartalszahlen am Mittwoch nach US-Börsenschluss werden. Die Erwartungen sind einmal mehr gewaltig. Der Marktkonsens liegt derzeit bei rund 92,1 Mrd. USD Umsatz und 2,09 USD bereinigtem Gewinn je Aktie. Dies würde bei beiden Metriken ungefähr einer Verdopplung gegenüber dem Vorjahreszeitraum entsprechen. Mehr noch als die rückwärtsgerichteten Zahlen dürfte aber der Ausblick zählen. Für das laufende Oktoberquartal bewegen sich die Konsensschätzungen derzeit grob im Bereich von 103 bis 104 Mrd. USD Umsatz und einem bereinigten EPS von 2,37 USD, was einem Anstieg um rund 80 % entsprechen würde. Die Latte liegt also auch hier hoch.
Neben den reinen Zahlen dürften Anleger und Investoren vor allem auf Hinweise achten, ob die bisher extrem hohe Nachfrage der großen Cloudkonzerne nach KI-Infrastruktur anhält und der Produktionshochlauf der nächsten Plattform Vera Rubin planmäßig erfolgt. Damit wird NVIDIA einmal mehr zum Gradmesser für weit mehr als nur die Halbleiterbranche. Die Zahlen könnten den gesamten KI-Komplex von Chipherstellern über Rechenzentrenbetreiber bis hin zu Software- und Versorgeraktien bewegen.

Anleihemarkt erhöht den Druck auf Tech-Aktien
Selbst hervorragende NVIDIA-Zahlen könnten allerdings an Wirkung verlieren, wenn sich der jüngste Ausverkauf am Anleihemarkt fortsetzt. Die Renditen langlaufender Staatsanleihen sind zuletzt kräftig gestiegen. Am Montag rentierten zehnjährige US-Treasuries bei rund 4,71 %, dreißigjährige Papiere mit ungefähr 5,25 %. In der vergangenen Woche war die 30-jährige Rendite zeitweise auf den höchsten Stand seit 2007 geklettert. Auch zehnjährige Bundesanleihen hatten zuletzt Renditen von mehr als 3,2 % erreicht.
Für hoch bewertete Technologie- und Wachstumsaktien ist diese Entwicklung gleich doppelt problematisch. Höhere langfristige Zinsen verteuern die Finanzierung milliardenschwerer Rechenzentren und reduzieren gleichzeitig den heutigen Wert weit in der Zukunft erwarteter Unternehmensgewinne. Der KI-Boom muss sich damit nicht mehr nur an Wachstumsraten und Gewinnmargen messen lassen. Auch die Frage, zu welchen Kosten die gewaltigen Investitionen finanziert werden können, gewinnt immer mehr an Bedeutung.
Auffällig bleibt die Stärke bei Gold und Kryptowährungen, die von den Turbulenzen am Anleihemarkt zuletzt profitieren konnten. Bitcoin legte in der vergangenen Woche um mehr als 20 % zu und notiert wieder oberhalb von 77.000 USD. ETFs auf Kryptowährungen verzeichneten zuletzt starke Nettozuflüsse.
Inflationsdaten und Jackson Hole im Fokus
Bereits einige Stunden vor den NVIDIA-Zahlen steht am Mittwoch der nächste große Test für die Märkte an. Um 14.30 Uhr MESZ veröffentlicht das US-Handelsministerium die Daten zu Einkommen und Konsum für Juli und damit auch den von der Fed besonders beachteten PCE-Preisindex. Gleichzeitig wird die zweite Schätzung zum US-BIP im zweiten Quartal veröffentlicht.
Für die Kernrate des PCE-Index wird derzeit ein Anstieg um rund 0,2 % gegenüber dem Vormonat erwartet. Auf Jahressicht dürfte die Kerninflation ungefähr im Bereich von 3,3 % und damit weiterhin deutlich oberhalb des Fed-Ziels liegen. Ein überraschend hoher Inflationswert könnte den jüngsten Renditeanstieg erneut anfachen und damit insbesondere Technologie- und andere hoch bewertete Wachstumsaktien belasten. Ein moderaterer Wert würde dagegen zumindest kurzfristig etwas Druck aus dem Rentenmarkt nehmen.
Von Donnerstag bis Samstag treffen sich dann Zentralbanker, Ökonomen und Vertreter der Finanzwelt beim jährlichen Symposium der US-Notenbank in Jackson Hole. Fed-Chef Kevin Warsh steht dort erstmals als Vorsitzender der US-Notenbank besonders im Rampenlicht und hält am Freitag um 16:00 Uhr MESZ seine mit Spannung erwartete Rede.
Die Märkte dürften die Aussagen des Fed-Vorsitzenden insbesondere daraufhin abklopfen, wie die US-Notenbank das Spannungsfeld aus weiterhin erhöhter Inflation, schwächerem Arbeitsmarkt und stark gestiegenen langfristigen Renditen bewertet.
In der Vergangenheit nutzten die US-Notenbankchefs ihre Rede in Jackson Hole wiederholt für marktbewegende Aussagen. Bei der Rede des damaligen Fed-Chefs Jerome Powell vor vier Jahren wurden schätzungsweise rund zwei Billionen US-Dollar an Marktwert in acht Minuten vernichtet, weil sich Powell im Kampf gegen die Inflation kompromisslos zeigte.
Ebenfalls am Freitag veröffentlicht das US-Arbeitsministerium um 16.00 Uhr MESZ seine vorläufige jährliche Benchmark-Revision der Beschäftigungsdaten. Dabei werden die bisherigen monatlichen Schätzungen mit umfassenderen Beschäftigungsdaten abgeglichen. Nach den zuletzt schwachen Arbeitsmarktzahlen könnte eine größere Abwärtsrevision die Ängste vor Zinserhöhungen dämpfen, gleichzeitig aber auch Konjunktursorgen wieder anheizen.
Ölpreise bleiben entscheidend für die Geldpolitik
Neben NVIDIA und dem Rentenmarkt dürfte der Ölpreis entscheidend dafür sein, ob sich der Inflationsdruck wieder verschärft. Zum Wochenbeginn gibt Brent zwar nach, notiert mit rund 93 USD je Barrel aber weiterhin auf einem hohen Niveau. In der vergangenen Woche waren die Ölpreise aufgrund der Spannungen mit Iran und der Unsicherheit um die Straße von Hormus um mehr als 5 % gestiegen.

Für die Geldpolitik und damit auch die Richtung der Aktienmärkte könnte die weitere Entwicklung im Nahen Osten entscheidend bleiben: Neue Spannungen rund um Iran und Hormus können den Ölpreis nach oben treiben, höhere Energiepreise wiederum die Inflation erhöhen und damit den Spielraum der Fed begrenzen. Das könnte die Renditen weiter steigen lassen und schließlich erneut Druck auf Aktienbewertungen ausüben.
Umgekehrt wäre eine nachhaltige Entspannung im Konflikt wohl eines der klarsten positiven Szenarien für die Märkte. Fallende Ölpreise dürften den Inflationsdruck mindern und damit auch den Druck auf die langfristigen Zinsen verringern.
Erstveröffentlichung: 24. Aug. 2026 um 12:30 Uhr von Oliver Baron



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