Existenzlöhne garantieren, Sicherheitsrisiken entschärfen
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London (GodmodeTrader.de) – Qualitativ gute Kleidung zu günstigen Preisen – für die meisten Konsumenten ist das in der heutigen Zeit selbstverständlich. Doch dahinter steht eine wettbewerbsintensive Branche, in der Kosteneinsparungen besonders wichtig sind. Produzieren lässt die Bekleidungsindustrie daher in Ländern mit niedrigen Löhnen und Lohnsteigerungsraten – Bangladesch, Kambodscha oder auch Myanmar. Doch eine kostengünstige Produktion geht mit mangelhaften Sicherheitsstandards und schlechten Arbeitsbedingungen einher. Wie erheblich die Defizite und Risiken in vielen Produktionsländern immer noch sind, hat der Einsturz der Fabrik Rana Plaza in Bangladesch im Jahr 2013 vor Augen geführt, wie es in einem aktuellen Marktkommentar von BMO Global Asset Management heißt.
BMO Global Asset Management engagiere sich seit über zehn Jahren für bessere Arbeitsbedingungen in der Lieferkette von Bekleidungsunternehmen – mit besonderem Fokus auf den Themen Arbeitssicherheit, Kinderarbeit und Wanderarbeiter. Durch die Einführung von Mindestlöhnen und einer verbesserten Überwachung von Sozial- und Sicherheitsstandards seien in dieser Zeit zwar wichtige Reformen auf den Weg gebracht, die Arbeitsbedingungen hätten sich aber kaum verbessert, heißt es.
„Der Mangel an Fortschritt stellt auch ein erhebliches Risiko für die Zulieferer und westlichen Arbeitgeber dar“, sagt Matthias Beer, Associate Director Governance and Sustainable Investment bei BMO Global Asset Management. In einzelnen Fabriken zeige sich: „Armut trotz Arbeit“ führe zu hoher Mitarbeiterfluktuation, eingeschränkten Weiterbildungsmöglichkeiten und sozialen Unruhen. Störungen im Geschäftsbetrieb und Produktivitätseinbußen seien folglich wahrscheinlicher, heißt es.
Deshalb habe BMO Global Asset Management im vergangenen Jahr ein Projekt zum Thema Existenzlöhne ins Leben gerufen. Als Existenzlohn gelte der Wochenlohn, der Grundbedürfnisse wie ausreichend Nahrung und angemessenen Wohnraum abdecke und zusätzlich einen frei verfügbaren Betrag für den Arbeiter ermögliche. Vielerorts deckten die Löhne aber immer noch nicht den Lebensunterhalt: Über 60 Millionen Menschen weltweit könnten ihre Grundbedürfnisse nicht stillen. „Die Arbeiter in kostengünstigen Fertigungsländern stecken in einer Armutsfalle“, so Matthias Beer. Im Rahmen des Projekts habe BMO Global Asset Management 40 Textil- und Bekleidungsunternehmen hinsichtlich ihrer Maßnahmen gegen Lohnprobleme in ihren internationalen Lieferketten untersucht. Bewertet worden seien die Unternehmen anhand von drei Schlüsselfaktoren: nachhaltige Beschaffungspraxis, Unterstützung von Arbeiterrechten und gesellschaftliche Organisation, heißt es weiter.
„Das Ergebnis: Ein Großteil der befragten Unternehmen hat die Lieferanten durch Verhaltenskodizes verpflichtet, gesetzliche Mindestlöhne oder Löhne in Höhe des Branchendurchschnitts zu zahlen. Das Problem: In vielen kostengünstigen Ländern reichen diese Mindestlöhne nicht aus, um den Lebensunterhalt zu decken. Die Mindestlöhne liegen also unter dem Existenzlohn. „Wir haben festgestellt, dass Unternehmen, die den Unterschied zwischen Mindest- und Existenzlöhnen in ihren Verhaltenskodizes berücksichtigen, auch häufiger Maßnahmen für höhere Löhne in der Lieferkette entwickeln“, erklärt Beer. So hätten alle Unternehmen mit spezifischen Existenzlohninitiativen ihre Beschaffungspraxis überprüft und überlegt, wie sie deren Auswirkungen auf das Lohnniveau verringern könnten. Das führte zu Produktivitätssteigerungen in der Kooperation mit Zulieferern, der Entwicklung soliderer Zahlungsstrukturen sowie zur Einführung von Schulungen für Arbeiter und Zulieferer, um die Branchenvernetzung zu fördern“, so BMO Global Asset Management.
Trotzdem habe das Ergebnis der von BMO Global Asset Management durchgeführten Stichprobe enttäuscht: Nur zwei von 40 kontaktierten Unternehmen hätten sich einer Strategie mit konkreten Zeitvorgaben verschrieben. „Ohne Selbstverpflichtung mit konkreten Zielen und Fristen ist überhaupt nicht nachvollziehbar, wie stark sich das Unternehmen tatsächlich verantwortlich fühlt“, meint Beer. Die Unternehmen hätten in der Befragung angegeben, Hindernisse für Lohnsteigerungen lägen beispielsweise in unabhängigen Zulieferern, ineffizienten Zahlungssystemen oder der Gefährdung der Wettbewerbsfähigkeit. Die Untersuchung zeige auch: In Sachen Existenzlohnproblematik orientiere sich die Branche nicht an öffentlich verfügbaren Benchmarks, sondern bevorzuge stattdessen Prozesse wie Tarifverhandlungen. So arbeiteten Unternehmen mit spezifischen Existenzlohnstrategien eng mit Gewerkschaften wie IndustriALL zusammen, heißt es weiter.
Für BMO Global Asset Management ist das ein Schritt in die richtige Richtung, um das strukturelle Machtgefälle zu verringern, das zu niedrigen Arbeitsstandards und Löhnen führt. In den kommenden Jahren werden die Unternehmensinitiativen weiter ausgewertet, der Fokus des Engagements liegt aber auf Tarifverhandlungen. „Die Anerkennung der Rechte auf Vereinigungsfreiheit und Tarifverhandlungen ist eine wichtige Voraussetzung für bessere Arbeitsbedingungen in der Lieferkette“, sagt Matthias Beer. Eine Garantie, dass wirklich Existenzlöhne erreicht werden, sei dies aber nicht – vor allem wenn starker Preisdruck herrsche und Gewerkschaften nur eingeschränkt agieren könnten.
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