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Ernährungssicherheit rückt nachhaltige Nahrungsmittelproduktion in den Fokus

Die Verkettung der Ereignisse, die seit 2020 zu dramatisch gestiegenen Lebensmittelpreisen und zu einem Anstieg des Hungers in der Welt geführt haben, war bemerkenswert, wird aber laut Olivia Watson, Analystin Responsible Investment bei Columbia Threadneedle Investments, in Zukunft keine Seltenheit bleiben.

Die Lebensmittelpreise sind für viele Menschen 2022 dramatisch gestiegen. Zwar sind die Preise von den Höchstständen zu Beginn des Jahres gesunken, doch dürfte die Lage auch 2023 und darüber hinaus aufgrund sinkender Getreidelagerbestände, niedriger Rohstoffvorräte, hoher Düngemittel- und Energiepreise sowie der Auswirkungen des Konflikts in der Ukraine auf die landwirtschaftliche Produktion angespannt bleiben. Das geht aus einem aktuellen Marktbericht von Columbia Threadneedle Investments hervor.

Wandel beschleunigt sich
„Die Verkettung der Ereignisse, die seit 2020 zu dramatisch gestiegenen Lebensmittelpreisen und zu einem Anstieg des Hungers in der Welt geführt haben, war bemerkenswert, wird aber in Zukunft keine Seltenheit bleiben. Die physischen Auswirkungen des Klimawandels, die Volatilität der Energiepreise im Zuge der Energiewende, zunehmender Wasserstress und der Rückgang der biologischen Vielfalt werden den Druck auf das Ernährungssystem in den nächsten Jahren und Jahrzehnten weiter erhöhen“, ist Olivia Watson, Analystin Responsible Investment bei Columbia Threadneedle Investments, überzeugt. Das gestiegene Bewusstsein für diese Belastungen und nicht zuletzt ein Schwenk in der Politik dürften den Wandel hin zu einem widerstandsfähigeren und nachhaltigen Lebensmittelsystem beschleunigen.

Fünf Wege zu einem nachhaltigen Ernährungssystem
Um besser zu verstehen, wie sich die Veränderungen in Richtung eines nachhaltigen Ernährungssystems auf Investments auswirken kann, hat Columbia Threadneedle fünf miteinander verwobene Querschnittsthemen identifiziert:

  • Erhöhung der Widerstandsfähigkeit gegenüber Klima- und Wasserstress
  • Neue Wege zur Verbesserung der Produktivität
  • Dekarbonisierung der Nahrungsmittelproduktion
  • Effizientere Eiweißproduktion
  • Verbesserter Zugang zu erschwinglichen Lebensmitteln und gesunder Ernährung.

„Jedes Thema ist von politischen Maßnahmen und erweiterten Technologien abhängig, was Risiken und Chancen für den Lebensmittelsektor birgt. Wir nutzen sie als Rahmen, um Subthemen, erfolgskritische Technologien und die Auswirkungen auf etablierte Lebensmittel- und Agrarunternehmen und neue Unternehmen zu identifizieren.“

Reduzierung von Lebensmittelverschwendung im Visier
Ein Drittel der weltweit produzierten Lebensmittel landet auf dem Müll. Olivia Watson: „Die Verringerung von Lebensmittelverschwendung ist daher einer der wichtigsten Treiber, um die Produktivität des Sektors zu erhöhen.“ Gleichzeitig ließen sich damit 8-10 % der Treibhausgasemissionen einsparen und die negativen Umweltauswirkungen wie Wasser- und Landverbrauch deutlich reduzieren. „Auf jeder Stufe der Wertschöpfung kann die Reduzierung der Lebensmittelabfälle Märkte für neue Technologien, Produkte und Geschäftsmodelle schaffen. Gleichzeitig hilft es Unternehmen, Kunden zu binden, Innovation in Lieferketten voranzubringen und die Kosten senken.“

Potenzial entlang der gesamten Wertschöpfungskette
So können Lebensmittelabfälle bereits vor der Ernte z.B. über den Einsatz von Enzymen und Mikroben oder verbesserter Bewässerung und Erntetechnik reduziert werden. Bei der Weiterverarbeitung helfen beispielsweise Clean Label Packaging oder eine digitalisierte Logistik dabei, den Schwund zu reduzieren. Auf dem Weg zum Verbraucher liegt der Untersuchung zufolge das größte Potenzial, dass Lebensmittel durch verbessertes Konsumentenbewusstsein, Direct-to-Consumer-Modelle oder Upcycling von Nebenprodukten ihre eigentliche Bestimmung erfüllen und Menschen ernähren. „Die Vermeidung von Lebensverschwendung muss in Unternehmen der Branche auch eine zentrale Stellgröße werden, um ihre Klima- und Biodiversitätsziel zu erreichen“, so Olivia Watson.

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