Fundamentale Nachricht
11:56 Uhr, 31.01.2024

„Drei Gründe sprechen aktuell für Wandelanleihen“

Wandelanleihen versprechen Anlegern derzeit nicht nur hohe Anleiherenditen, sondern zusätzlich auch Potential auf der Aktienseite. Dieser Ansicht ist Emmanuel Naar, Portfoliomanager und Analyst im Team für globale Wandelanleihen bei Lazard Asset Management.

„Wir befinden uns in einer sehr komfortablen Situation“, erläutert der Lazard-Experte für Global Convertible Bonds. „Auf der einen Seite profitieren wir bei Wandelanleihen von der aktienähnlichen Performance, wenn die Aktienmärkte steigen. Auf der anderen Seite sehen wir aktuell hervorragende Renditen und hohe Kupons.“ Sein Optimismus für die Performance beruht unter anderem auf der Emittentenstruktur: „Der Markt für Wandelanleihen wird von US-Unternehmen dominiert, die überwiegend aus dem Growth-Bereich stammen: Technologieunternehmen sind die größte Gruppe der Emittenten. Nach der Corona-Krise wurden auch viele Touristikanbieter, Eventunternehmen und Fluglinien am Wandelanleihenmarkt aktiv. Rund 61 Prozent des Marktes machen Wachstums- und Mid-Cap-Titel aus.“

Aufholjagd bei Mid-Cap-Unternehmen möglich
Gerade die kleineren Unternehmen hätten die Rallye der großen Tech-Werte nicht mitgemacht. „Bei genauer Analyse des Emittentenmarkts zeigt sich, dass gerade Mid Caps ein hohes Aufholpotenzial haben. Trotz steigender Gewinne haben sich hier die Aktienkurse bei weitem nicht so stark erholt wie die der Large Caps“, führt Naar aus. Das gelte besonders für eine Branche: „Mittelgroße Software-Unternehmen werden mit einem Discount gehandelt, obwohl sie stärker wachsen und profitabler sind als die größere Konkurrenz.“ Ein weiterer Fakt, der zur Attraktivität der Anlageklasse beitrage: Ebenfalls 61 Prozent der Emittenten gäben zur Refinanzierung ausschließlich Wandelanleihen aus. Deshalb eigne sich die Assetklasse hervorragend zur Diversifikation eines Rentenportfolios.

Positiv bewertet Naar auch das Volumen an Neuemissionen. Schon im Jahr 2023 sei dieses im historischen Vergleich recht gut gewesen. Der Experte erwartet, dass sich dieser Trend fortsetzen werde, da die Refinanzierungskosten von Unternehmen stark gestiegen seien. Wandelanleihen seien aus Unternehmenssicht attraktiver als Corporate Bonds, weil sie einen geringeren Kupon aufweisen würden. „Ein einziger Wehrmutstropfen bei den Neuemissionen ergibt sich aus der Sektorbetrachtung: An zweiter Stelle stehen hier die Versorger, die als Value-Unternehmen aus dem Rahmen fallen und nicht das gleiche hohe Aufholpotenzial aufweisen, wie es die typischen Emittenten aus dem Mid-Cap-Bereich haben“, sagt Naar.

Günstiges Zinsumfeld und hohe Renditen
Wandelanleihen seien sehr zinssensitiv. Ein weiterer Treiber für Convertibles sieht der Experte deshalb im Zinsumfeld: „Im Jahr 2024 sollten die US-Leitzinsen wieder fallen. Das würde sich positiv auf die Assetklasse auswirken.“ Aktuell lägen die Renditen von Wandelanleihen aus dem IT-Sektor zu 36,2 Prozent in einem Korridor zwischen 5 und 10 Prozent. 4,3 Prozent der Wandler erzielten sogar eine Rendite von über 10 Prozent. „Das ist in diesem Markt völlig neu und ein zusätzlicher Performance-Treiber“, bewertet der Spezialist diese Entwicklung.

Auch den Vergleich mit High-Yield-Anleihen brauchen Convertibles aus Sicht Naars nicht zu scheuen: „Wir sehen gegenüber Credits einen Renditeaufschlag von über 300 Basispunkten im BB-Rating und von 200 Basispunkten im B-Rating. Solche Zahlen würden normalerweise auf höhere Ausfallraten hinweisen, doch ganz im Gegenteil: Wandelanleihen haben ein um 44 Prozent geringeres Ausfallrisiko, wenn man den Zeitraum seit dem Jahr 2000 betrachtet.“ Die Erklärung für dieses Phänomen sieht der Experte vor allem in einer Vielzahl von Convertible Bonds, die über gar kein Rating verfügen: „Wir sehen hier eine hohe Asymmetrie, weil viele Emittenten von Wandelanleihen auf ein Rating verzichten. Sie geben ausschließlich Convertibles heraus und keine Corporate Bonds, weshalb ein aufwendiges und kostspieliges Rating verzichtbar ist. Wir analysieren diese Unternehmen regelmäßig und sehen dort ausgesprochen solide Zahlen.“

Mit Blick auf die Liquidität des Markts zeigt sich der Portfoliomanager sehr zufrieden: „Sie hatte sich im März 2020 verschlechtert. Dennoch blieb sie im Vergleich zu anderen Assetklassen auf einem angemessenen Niveau. Mit einer durchschnittlichen Geld-Brief-Spanne von 58 Basispunkten sind wir mittlerweile wieder auf einem normalen Liquiditätslevel.“

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