Langfristig geliehenes Geld wird wieder richtig teuer!
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- US 30Y Bond Yield - Kurs: 5,207 % (Bonds)
Die Renditen am langen Ende des US Anleihemarktes steigen wieder deutlich und bewegen sich auf bzw. nahe den höchsten Niveaus seit fast 2 Jahrzehnten. Besonders auffällig ist dabei die 30jährige US-Staatsanleihe.
Oben die Rendite der 30jährigen US-Treasuries über 10 Jahre. Derzeit bei 5,207%. Seit 2020 steigend! Wichtig für das Verständnis: Wenn die Rendite steigt, fällt grundsätzlich der Preis der Anleihen. Steigende US-Renditen = steigende Finanzierungskosten des amerikanischen Staates und des gesamten langfristigen Dollar-Kapitalmarktes. Boom, ja.
Der untere Chart zeigt parallel die Renditeentwicklung der 10jährigen US-Staatsanleihen. Die Renditen stehen hier bei 4,651%. Auch hier eine Anstiegsphase seit 2020.
30jährige US-Staatsanleihen rentiert mit 5,207%, die 10jährigen mit 4,651%. Die Differenz beträgt damit rund 0,556 Prozentpunkte = 56 Basispunkte. Das lange Ende rentiert deutlich höher. Der Markt verlangt für die zusätzlichen 20 Jahre Laufzeit einen erheblichen Renditeaufschlag.
Die US-Notenbank bestimmt den Preis für sehr kurzfristig geliehenes Geld, aber nicht direkt den Preis für einen Kredit über 10 oder 30 Jahre. Bei solchen langen Laufzeiten entscheiden die Anleger am Markt, welchen Zins sie verlangen. Und wenn sie befürchten, dass die Inflation hoch bleibt, die USA immer mehr Schulden machen oder riesige Mengen neuer Staatsanleihen verkaufen müssen, sagen sie sinngemäß: "Wenn ich euch mein Geld für 30 Jahre leihe, will ich dafür ordentlich bezahlt werden." Deshalb kann die US-Notenbank ihre Leitzinsen senken und trotzdem können die langfristigen Zinsen hoch bleiben oder sogar weiter steigen.
Wenn der amerikanische Staat für eine 30jährige Staatsanleihe rund 5,2% Zinsen pro Jahr bietet, fragt sich ein Investor: Warum soll ich das Risiko einer Aktie eingehen, wenn ich beim US-Staat schon mehr als 5% bekomme? Aktien müssen dann entsprechend höhere mögliche Erträge bieten, damit sich ihr zusätzliches Risiko lohnt. Besonders hoch bewertete Wachstumsaktien können ab einem bestimmten Punkt darunter leiden, weil ein großer Teil ihres heutigen Börsenwertes auf Gewinnen beruht, die erst viele Jahre in der Zukunft erwartet werden.
Und die hohen Zinsen treffen die reale Wirtschaft. Ein Hauskäufer zahlt höhere Hypothekenzinsen, ein Unternehmen mehr für einen Kredit oder eine neue Anleihe und die USA müssen immer mehr Zinsen bezahlen. Stell dir vor, ein Betrieb hätte vor einigen Jahren einen Kredit zu 1,5% aufgenommen. Dieser läuft aus und muss jetzt zu 5% refinanziert werden. Die Schulden sind dieselben, aber die jährliche Zinsrechnung explodiert. Genau das passiert nach und nach auch bei einem Teil der US-Staatsschulden.
Langfristig geliehenes Geld wird wieder richtig teuer. Das belastet Kreditnehmer, Unternehmen, Immobilien und den Staat und macht gleichzeitig Staatsanleihen zu einer wesentlich stärkeren Konkurrenz für Aktien.
Der US-Arbeitsmarktbericht am Freitag war ausgesprochen schwach. Die USA verloren im Juli netto 23.000 Stellen außerhalb der Landwirtschaft, während der Konsens mit ungefähr +83.000 gerechnet hatte. Gleichzeitig wurde der Juni auf minus 20.000 Stellen herunterrevidiert und der Mai deutlich auf +63.000 reduziert. Damit wurden Mai und Juni zusammen um weitere 103.000 Stellen nach unten korrigiert. Die Arbeitslosenquote sank zwar auf 4,1%, aber gleichzeitig fiel die Erwerbsquote auf 61,4%. Normalerweise bedeutet ein schwacher Arbeitsmarkt:Weniger Lohndruck, weniger Konsumdruck, geringerer Inflationsdruck und schwächeres Wirtschaftswachstum. Dadurch hat die US-Notenbank weniger Grund, die Geldpolitik restriktiv zu halten oder erneut zu straffen.
Mal schauen, ob sich sich das bei den Renditen der 10- und 30jährigen relevant bemerkbar macht.

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