Analyse
14:30 Uhr, 13.03.2026

Der Milliardenmarkt hinter den KI-Prozessoren

Der Halbleitertest-Spezialist Teradyne erlebt derzeit eine ungewöhnlich starke Nachfragephase. Vor allem der explosionsartige Ausbau von KI-Rechenzentren verändert die Dynamik der Branche und verschiebt die traditionellen Zyklen des Geschäfts.

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  • ISIN: US8807701029Kopiert
    Kursstand: 286,610 $ (Nasdaq) - Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung
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  • Teradyne Inc. - WKN: 859892 - ISIN: US8807701029 - Kurs: 286,610 $ (Nasdaq)

Unternehmenschef Greg Smith beschreibt die Entwicklung als Beginn einer neuen Marktlogik, in der klassische saisonale Muster zunehmend verschwinden.

Auf der Cantor Global Technology & Industrial Growth Conference erklärte Smith, dass der aktuelle Nachfragezyklus bereits im dritten Quartal des vergangenen Jahres begonnen habe und sich bis mindestens in die erste Jahreshälfte hinein fortsetzen dürfte. Die Dynamik werde vor allem durch Investitionen großer Cloud-Konzerne in KI-Infrastruktur getrieben. Gleichzeitig mahnt das Management zur Vorsicht für die zweite Jahreshälfte. Viele der größten Kunden investieren derzeit massiv über mehrere Quartale hinweg. Danach könnte eine Phase folgen, in der diese Investitionen zunächst verarbeitet werden, bevor neue Programme anlaufen.


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KI verändert die Struktur des Halbleitertestmarktes

Besonders deutlich zeigt sich die Verschiebung im Geschäft mit Testsystemen für KI-Prozessoren. Teradyne geht davon aus, dass der Markt für sogenannte VIP-Tester, die speziell für Hochleistungsrechnerchips eingesetzt werden, in den kommenden Jahren deutlich größer wird als bislang angenommen.

Das Unternehmen sieht gute Chancen, langfristig etwa die Hälfte dieses Marktes zu bedienen. Allerdings ist das Geschäft stark von wenigen Großkunden abhängig. Die Nachfrage konzentriert sich aktuell auf eine kleine Gruppe von Hyperscalern, die ihre eigenen KI-Beschleuniger entwickeln. Je nachdem, welcher dieser Anbieter gerade neue Chipgenerationen hochfährt, können Marktanteile kurzfristig stark schwanken.

Smith erwartet, dass künftig weitere Cloudanbieter eigene Chips entwickeln und damit zusätzliche Nachfrage schaffen. Gleichzeitig verändert sich die Beschaffungsstrategie der Branche. Immer häufiger setzen Kunden auf zwei Lieferanten für Testsysteme, um die Versorgung abzusichern. Für Teradyne ist diese Entwicklung Fluch und Segen zugleich. Einerseits entsteht Wettbewerb in bestehenden Accounts. Andererseits eröffnen sich neue Chancen, wenn bisherige Monopolstellungen von Wettbewerbern aufgebrochen werden.

Einstieg in den GPU-Testmarkt

Eine wichtige strategische Weichenstellung ist der Einstieg in den Test von Grafikprozessoren. Teradyne arbeitet derzeit an der Qualifizierung seiner Systeme bei einem großen GPU-Hersteller. Der Produktionsstart wird noch in diesem Jahr erwartet.

Der Einstieg dürfte zunächst nur einen kleinen Marktanteil bringen. Smith spricht von einem Anteil im niedrigen einstelligen Bereich im ersten Jahr. Entscheidend sei jedoch der langfristige Effekt. Sobald die Systeme qualifiziert sind, kann das Unternehmen an der Entwicklung zukünftiger Chipgenerationen mitarbeiten. Dadurch steigen die Chancen, bei neuen Produkten früher im Lebenszyklus vertreten zu sein.

Langfristig rechnet das Management mit einem Wettbewerb zwischen zwei Plattformen, bei dem Marktanteile zwischen etwa einem Drittel und zwei Dritteln variieren könnten. Wer sich durchsetzt, hängt weniger von Preis als von technologischen Faktoren ab. Entscheidend seien Zuverlässigkeit, schnelle Markteinführung und Kundenzufriedenheit.

Komplexere Chips treiben Testbedarf

Der KI-Boom hat noch einen weiteren Effekt: Die Testanforderungen steigen deutlich. Moderne Beschleunigerchips werden in immer fortschrittlicheren Fertigungsprozessen hergestellt und erreichen enorme Chipgrößen. Gleichzeitig sinken in frühen Produktionsphasen die Ausbeuten.

Für Testunternehmen ist das eine gute Nachricht. Je komplexer ein Chip und je niedriger die anfängliche Ausbeute, desto mehr Testkapazität wird benötigt. Hinzu kommt ein struktureller Trend im Chipdesign: KI-Beschleuniger bestehen zunehmend aus mehreren miteinander verbundenen Chiplets, die gemeinsam in einem Gehäuse integriert werden. Dadurch steigt der Druck auf die Qualität der einzelnen Komponenten und damit auch auf die Testverfahren.

Neben den Beschleunigerchips rückt auch die Netzwerkinfrastruktur von KI-Rechenzentren stärker in den Fokus. In einem typischen Rack kommen deutlich mehr Netzwerkchips als Beschleunigerchips zum Einsatz. Dadurch entsteht ein zusätzlicher Markt für Testsysteme.

Ein weiteres Zukunftsfeld ist die optische Datenübertragung innerhalb von Rechenzentren. Teradyne baut hier seine Position aus, unter anderem durch den Zukauf des Photonik-Spezialisten Quantifi. Noch steht die Technologie am Anfang. Erste größere Implementierungen sogenannter Co-Packaged-Optics-Lösungen werden gegen Ende dieses Jahres erwartet.

Der Test dieser Bauteile ist bislang stark von Laborinstrumenten geprägt. Mit steigenden Stückzahlen dürften sich jedoch spezialisierte Produktionssysteme durchsetzen. Dadurch könnte ein neuer Markt für Testgeräte entstehen, der in den kommenden Jahren deutlich wächst.

Auch im Speicherbereich eröffnen neue Technologien zusätzliche Chancen. Besonders High Bandwidth Memory, kurz HBM, spielt eine zentrale Rolle für KI-Systeme. Die komplexen Speicherstapel müssen mehrfach getestet werden, etwa auf Wafer-Ebene, nach dem Stapeln der Speicherchips und teilweise noch einmal nach der Vereinzelung.

Mit jeder neuen Generation steigen die Anforderungen an Datenraten und Signalqualität. Teradyne sieht hier Chancen, seinen Marktanteil in den späteren Testschritten auszubauen. Gleichzeitig erwartet das Unternehmen im klassischen DRAM-Markt eine stärkere Nachfrage erst in einigen Jahren, wenn neue Fertigungsanlagen in Betrieb gehen.

Schwächere Mobilnachfrage, zyklische Erholung in Sicht

Während KI derzeit für starken Rückenwind sorgt, bleiben traditionelle Märkte schwächer. Besonders im Smartphone-Segment könnte die Nachfrage nach Testsystemen gedämpft bleiben. Ein Grund ist der Technologiewechsel bei KI-Beschleunigern. Neue Chipgenerationen benötigen leistungsfähigere Tester, während ältere Systeme aus diesem Segment in andere Anwendungen wandern.

Davon profitieren zwar teilweise mobile Anwendungen, gleichzeitig erhöht sich dort jedoch die vorhandene Testkapazität. Das begrenzt den Bedarf an neuen Geräten. In anderen klassischen Märkten wie Automobil- und Industrieelektronik zeichnet sich hingegen eine leichte Erholung ab. Nach einer Phase hoher Lagerbestände sinken die Inventarniveaus, und erste Unternehmen berichten wieder von steigender Nachfrage.

Fazit: Nach einer außergewöhnlichen Wachstumsphase dürften die Bäume bei Teradyne nicht in den Himmel wachsen. Der Markt wird von wenigen Großkunden dominiert. Historisch betrachtet war die Teradyne-Aktie selten teurer als in diesem Moment. Sowohl das Kurs-Umsatz-Verhältnis als auch das KGV liegen weit über dem Durchschnitt. Da das Management selbst warnt, dass die Dynamik im zweiten Halbjahr nachlassen könnte, wären mögliche Rückschläge an der Börse keine Überraschung.

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Jahr 2025 2026e* 2027e*
Umsatz in Mrd. USD 3,19 4,18 4,98
Ergebnis je Aktie in USD 3,96 6,25 8,11
KGV 72 46 35
Dividende je Aktie in USD 0,48 0,53 0,57
Dividendenrendite 0,17% 0,19% 0,20%

*e = erwartet, Berechnungen basieren bei
US-Unternehmen auf Non-GAAP-Daten

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