Der «Burggraben» im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz
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Kaum eine Technologie verändert den Alltag und Geschäftsmodelle derzeit so grundlegend wie Künstliche Intelligenz (KI). Sie schreibt Code, erstellt Analysen und übernimmt Aufgaben, für die bisher ganze Teams erforderlich waren. Während manche Unternehmen die Auswirkungen weniger spüren, stehen andere vor der Notwendigkeit, ihr Geschäftsmodell neu zu denken. Der Unterschied liegt oft in einem einzigen Begriff: dem wirtschaftlichen Burggraben.
Wenn KI den Burggraben verändert
KI verändert die Wettbewerbslandschaft der globalen Softwareindustrie grundlegend. Was vor wenigen Jahren noch nach Zukunftsmusik klang, ist heute bereits Realität: KI beantwortet selbstständig Anfragen, erstellt Analysen und schreibt Code, Tätigkeiten, für die früher ganze Teams nötig waren. Wie schnell diese Entwicklung verlaufen ist, überrascht dabei auch viele Experten.
Erste Auswirkungen zeigen sich bereits auf dem Arbeitsmarkt. So ist die Beschäftigung junger Softwareentwickler zwischen 22 und 25 Jahren seit 2024 um fast 20 Prozent zurückgegangen (Stanford HAI, 04.2026). Betroffen sind davon vor allem Berufseinsteiger, weniger die Softwarebranche insgesamt.
Doch nicht nur der Arbeitsmarkt verändert sich. Auch die Kapitalmärkte beginnen, die möglichen Folgen von KI für die Branche einzupreisen. Der Anteil des Softwaresektors an der weltweiten Marktkapitalisierung des MSCI® World ist inzwischen um rund drei Prozentpunkte gesunken. Dahinter stehen unter anderem die Sorgen der Anleger, dass sich die milliardenschweren Investitionen der Hyperscaler wie Alphabet oder Microsoft nicht vollständig rechnen könnten und dass KI das klassische Softwaregeschäft grundlegend unter Druck setzen könnte (Focus Money, 03.2026).
Besonders relevant ist dabei vor allem die Frage: Welche Geschäftsmodelle sind in der Lage, ihre Wettbewerbsvorteile auch im Zeitalter von KI zu verteidigen? Denn einige Geschäftsmodelle, die vor zwei Jahren noch als strukturell gut geschützt galten, geraten zunehmend unter Druck, durch KI-native Alternativen, agentenbasierte Automatisierung und sich rasant verändernde Vertriebs- und Distributionsstrukturen (Divizend, 02.2026).
Wie stark diese Entwicklung einzelne Unternehmen tatsächlich trifft, lässt sich heute allerdings noch nicht abschliessend beurteilen. Das Weltwirtschaftsforum in Davos rechnet bis zum Jahr 2030 mit bis zu 92 Millionen wegfallenden Stellen weltweit, aber auch mit 170 Millionen neuen (World Economic Forum, 2026).
Eines lässt sich allerdings bereits heute feststellen: Der durch KI ausgelöste Wandel wirkt sich nicht auf alle Unternehmen und Geschäftsmodelle gleichermassen aus. Während manche sich grundlegend verändern müssen, werden sich andere weitgehend behaupten können.
Der Unterschied liegt dabei oft nicht in der Branche selbst, sondern in der Widerstandsfähigkeit des Geschäftsmodells und damit in seinem «wirtschaftlichen Burggraben».
«Burggraben» ist nicht gleich «Burggraben»
Genau hier setzt eine der größten Neubewertungen von Wettbewerbsvorteilen der vergangenen Jahre an. Morningstar überprüfte die «Economic Moats» von 132 Unternehmen. Bei 22 Unternehmen wurden die breiten Burggräben auf einen schmalen Burggraben zurückgestuft, zwei davon sogar auf «kein Burggraben». Besonders betroffen waren vor allem Firmen aus den Bereichen Lohnabrechnung, IT-Dienstleistungen und Unternehmenssoftware – Geschäftsmodelle, bei denen ein erheblicher Teil der Wertschöpfung auf menschlicher Arbeitskraft und wiederkehrenden, automatisierbaren Tätigkeiten beruht. Diese Branchen sind deshalb besonders empfänglich für Automatisierung.
Gleichzeitig zeigt die Analyse, dass die Auswirkungen von KI keineswegs für alle Unternehmen gleich sind. Firmen mit eigenen Daten, starken Netzwerkeffekten oder einer strategisch wichtigen Infrastrukturposition konnten ihre Einstufung sogar verbessern (Morningstar, 03.2026). Auch der Vermögensverwalter Sparkline Capital kommt zu einem differenzierten Bild: Unternehmen, die KI frühzeitig und konsequent einsetzen und zugleich über schwer kopierbare Wettbewerbsvorteile verfügen, dürften eher zu den Gewinnern als zu den Verlierern gehören (Sparkline Capital, 05.2026).
Damit verändert KI nicht nur den Wettbewerb zwischen Unternehmen, sie verändert auch die Unternehmen selbst. Ein Aspekt kommt in der öffentlichen Debatte oft zu kurz. Viele Unternehmen setzen KI gezielt dazu ein, die eigenen Strukturen effizienter zu machen. Meta etwa kündigte 2026 eine Umstrukturierung an: ein Teil der Belegschaft wird in neuen KI-Teams eingesetzt, ein anderer Teil abgebaut. Insgesamt betrifft das laut internem Memo rund 20 Prozent der Mitarbeitenden (Fox Business, 05.2026). Der Zahlungsdienstleister Block ging einen ähnlichen Weg und reduzierte seine Belegschaft um rund 40 Prozent, mit Verweis auf die wachsenden Fähigkeiten von KI-Werkzeugen (CNN Business, 02.2026).
Ob sich solche Veränderungen langfristig auch tatsächlich in höheren Margen zeigen und nachhaltig besseren Renditen niederschlagen, lässt sich heute noch nicht abschliessend beurteilen. Die Beispiele zeigen jedoch eine entscheidende Entwicklung: Unternehmen sind nicht nur potenzielle Opfer der KI-Disruption. Sie können KI selbst als strategisches Werkzeug einsetzen, um ihren bestehenden Burggraben zu stärken oder einen neuen zu schaffen. Morningstar-Analysten kamen bei Unternehmen wie Cloudflare oder CrowdStrike sogar zum gegenteiligen Schluss als bei der eingangs erwähnter Herabstufungen: Ihre Netzwerk- und Datenvorteile wurden im Zuge der Neubewertung hochgestuft (Morningstar, 03.2026).
Der Solactive AI Disruptive Moat Index
Für Anleger könnte das Tracker-Zertifikat auf den Solactive AI Disruptive Moat Index eine Möglichkeit darstellen, an der Entwicklung von Unternehmen mit struktureller Widerstandsfähigkeit gegenüber KI-Disruption teilzuhaben. Statt auf die Entwicklung eines einzelnen Unternehmens zu setzen, wird dabei ein diversifizierter Korb von 20 Unternehmen abgebildet, deren Geschäftsmodelle eine strukturelle Widerstandsfähigkeit gegenüber der Disruption durch KI aufweisen. Die Auswahl erfolgt regelbasiert aus Branchen wie Internet-Software und -Dienstleistungen (Internet Software/Services), Standardsoftware / Softwareprodukte (Packaged Software), Investmentbanken und Wertpapierbroker (Investment Banks/Brokers), Finanzpublikationen und Finanzdienstleistungen (Financial Publishing/Services), Datenverarbeitungsdienstleistungen (Data Processing Services) sowie IT-Dienstleistungen und -technologie (Information Technology Services).
Für die Aufnahme werden sowohl ein thematischer Score (Thematic Score) als auch ein finanzieller Score (Financial Score) bewertet. Der Thematic Score basiert auf einem proprietären, sechs Dimensionen umfassenden Modell. Es stellt die Exponierung eines Unternehmens gegenüber KI-bedingter Disruption seinem strukturellen Schutz gegenüber und bildet dies auf einer Skala von 0 (hoher Schutz) bis 100 (hohe Exponierung) ab. Der Financial Score bewertet die fundamentale Qualität anhand von Free Cashflow, Umsatzwachstum, F&E-Aufwendungen, Gewinnmarge und Cash-Position. Durch die Kombination beider Faktoren zielt der Index darauf ab, Unternehmen zu identifizieren, die strukturelle Resilienz gegenüber KI-Disruption mit soliden fundamentalen Qualitätsmerkmalen verbinden. Die Einschätzung der Widerstandsfähigkeit gegenüber KI-bedingter Disruption beruht auf einem regelbasierten Modell und den zugrunde liegenden Annahmen der Indexmethodik. Die tatsächliche Entwicklung einzelner Unternehmen kann von diesen Einschätzungen abweichen.
Ein zentrales Merkmal des Index ist zudem die Gleichgewichtung aller Indexbestandteile. Dadurch erhalten kleinere und mittelgroße Unternehmen einen vergleichbaren Einfluss wie etablierte Marktführer, was gleichzeitig mit einem höheren Volatilitätspotenzial durch kleinere Unternehmen einhergehen kann. Die Wertentwicklung der Indexunternehmen hängt dabei nicht allein von ihrer Positionierung gegenüber KI ab. Auch allgemeine Marktbewertungen, das Zinsumfeld, operative Entwicklungen und branchenspezifische Risiken können eine wichtige Rolle spielen. Die Indexzusammensetzung wird halbjährlich, jeweils im Januar und Juli, überprüft und angepasst.
Partizipationszertifikat
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WKN |
Basiswert |
Laufzeit |
|---|---|---|
| BD3LUE | Solactive AI Disruptive Moat Index | Open-End |
Stand: 01.09.2026 14:54 Uhr
Ein Blick nach vorn
Wie stark KI die Softwareindustrie und die Bewertung einzelner Unternehmen langfristig verändern wird, ist heute noch nicht abschliessend absehbar. Klar ist jedoch, dass sich der technologische Wandel nicht auf einzelne Produkte oder Prozesse beschränken wird. Er verändert zunehmend die Grundlagen des Wettbewerbs und damit auch die Frage, wie nachhaltig ein wirtschaftlicher Burggraben tatsächlich ist. Morningstar kommt in seiner Analyse von 132 Unternehmen zu dem Schluss, dass KI nicht pauschal bestehende Wettbewerbsvorteile zerstört, sondern vielmehr zwischen Geschäftsmodellen mit hoher und geringer Widerstandsfähigkeit unterscheidet (Morningstar, 03.2026).
Für Anleger dürfte deshalb weniger die Frage entscheidend sein, ob KI eine Branche verändert, sondern welche Unternehmen in der Lage sind, diesen Wandel in einen langfristigen Wettbewerbsvorteil zu übersetzen. Genau darin liegt die zentrale Herausforderung für die kommenden Jahre: Nicht jeder Burggraben wird den Wandel überstehen und nicht jeder neue Burggraben ist heute bereits erkennbar. Der Solactive AI Disruptive Moat Index bietet einen Ansatz, diese Veränderung systematisch zu erfassen und Unternehmen danach zu beurteilen, wie widerstandsfähig ihre Wettbewerbsvorteile gegenüber der KI-getriebenen Disruption sind (Solactive, 2026).
Am Ende wird daher nicht allein entscheidend sein, wer KI am schnellsten einsetzt. Entscheidend wird sein, wer daraus einen dauerhaften Wettbewerbsvorteil schaffen kann.
Schlussglocke: Wissen was die Märkte bewegt
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