Kommentar
09:30 Uhr, 06.02.2026

Dämpfer zum Jahresende: Deutsche Industrieproduktion verfehlt Erwartungen deutlich

Die erhoffte Stabilisierung der deutschen Industrie lässt weiter auf sich warten. Nach drei Monaten mit leichten Zuwächsen musste das verarbeitende Gewerbe im Dezember 2025 einen Rückschlag hinnehmen. Die Gesamtproduktion sank im Monatsvergleich um 1,9 %.

Das Minus fiel damit schärfer aus als von Ökonomen prognostiziert; der Konsens hatte lediglich einen leichten Rückgang von 0,2 % auf dem Zettel. Besonders der volatile Automobilsektor erwies sich erneut als Bremsklotz für die Konjunktur.

Die Ernüchterung wiegt doppelt schwer, da auch die Daten für den Vormonat November nach unten korrigiert wurden. Statt der ursprünglich gemeldeten Erholung verblieb lediglich ein schmales Plus von 0,2 %. Damit endete das Gesamtjahr 2025 für die deutsche Industrie mit einem Produktionsrückgang von 1,1 %.

Maßgeblicher Treiber für den Rückgang im Dezember war die Automobilindustrie. Die Produktion der Fahrzeughersteller sackte um 8,9 % ab und radierten damit die Sondereffekte des starken Novembers nahezu vollständig aus. Auch der Maschinenbau sowie die Instandhaltung verzeichneten Rückgänge.

Einziger Lichtblick in den sektoralen Daten war der "sonstige Fahrzeugbau", der unter anderem den Flugzeug-, Schiffs- und Militärfahrzeugbau umfasst – hier legte die Produktion gegen den Trend zu. Sonderkonjunktur im Rüstungsbereich.

Trotz der schwachen Produktionsdaten gibt es Indizien, dass die Talsohle durchschritten sein könnte. Die Auftragseingänge im Dezember zeigten bereits eine deutliche Belebung. Die Bundesregierung hatte 2025 ihre strikte Haushaltsdisziplin gelockert, um Investitionen anzukurbeln. Ökonomen werten das Jahr 2025 daher als den Tiefpunkt einer industriellen Durststrecke.

Ein paradoxes Signal lieferte am Freitag der Außenhandel: Die deutschen Exporte legten im Dezember überraschend kräftig um 4,0 % zu und übertrafen damit die Erwartungen deutlich. Diese Diskrepanz zwischen sinkender Produktion und steigenden Ausfuhren deutet auf einen Lagerabbau hin und könnte, sofern sich die Auftragslage weiter stabilisiert, als Vorbote für eine anziehende Produktion im ersten Quartal 2026 gewertet werden

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